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Lumix LX100 oder Leica D-Lux? : 250 Euro für einen roten Punkt

Hier eine Rundung mehr, da eine weniger: Lumix LX100 und Leica D-Lux, diese mit Blitz und Objektiv in Arbeitsposition Bild: Pardey

Zwei Kameras unterscheiden sich nur in lächerlichen Kleinigkeiten. Aber sehr deutlich im Preis. Wieder einmal kommt die altbekannte Frage auf: Lohnt sich Leica?

          Mit den preisgünstigen Kompaktkameras von Leica verhält es sich nicht erst seit digitalen Zeiten so ähnlich wie anno dazumal mit den Fahrzeugen von Rolls-Royce und Bentley: In den Jahrzehnten, als die eine Automarke der anderen gehörte, wusste man, dass ein Bentley R ein Silver Dawn von Rolls-Royce war, mit anderem Kühlergrill und anderen Markenzeichen. Ohne das vertiefen zu wollen: Der größte technische Unterschied sollen die Vergaser gewesen sein.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dass die zur Photokina vorgestellte Leica D-Lux - die nun ohne Nummerierung, aber mit dem Vermerk Typ 109 auftritt - inwendig eine Panasonic Lumix LX100 ist, war schon bei der Präsentation allgemein bekannt. Und das Phänomen, dass der Typ 109 rund einen Tausender kostet, nämlich 990 Euro im Leica-Online-Shop, die Lumix LX100 hingegen von Blauhemd Tech-Nick abgenickt, jedoch nicht etwa versandkostenfrei rund 740 Euro kosten soll, kann niemanden wirklich verblüffen.

          Bilder der Kameras lassen sich kaum unterscheiden

          Dort, wo flott klassifiziert wird, heißen Kameras wie diese beiden „Edel-Kompakte“. Solche rangieren ohne Wechseloptik, doch meist mit einem Zoom-Objektiv ausgestattet, unter den spiegellosen Systemkameras unterscheiden sich von anderen Kompaktkameras durch einen größeren, beispielsweise einen 1-Zoll-Sensor. LX100 und D-Lux haben nun einen Four-Thirds-Sensor mit den stolzen Maßen 17,31 × 12,98 Millimeter. Dessen volle Fläche nutzen sie aber nicht, sondern beschränken sich auf eine maximale Bildgröße von 4112 × 3088 Bildpunkten bei einem Seitenverhältnis von 4:3, statt physikalisch vorhandener 16,8 also 12,69 Megapixel. Der Format-Faktor beträgt wegen der Beschränkung 2,2 und nicht wie sonst bei einem 4/3-Sensor 2. Außer 4:3 sind die Bildformate 3:2, 16:9 und 1:1 möglich.

          Klein(st)e Designunterschiede

          Kombiniert wird dieser Sensor mit einer neuentwickelten Venus Engine als Bildprozessor sowie einem 24-75-mm- KB-Brennweite entsprechenden Zoom-Objektiv, auf dem in beiden Kameras stolz der Name Leica prangt: Das DC Vario-Summilux-1:1,7-2,8/10,9-34-mm-ASPH ist ein in acht Gruppen aufgebauter 11-Linser, von denen fünf asphärisch sind (8 asphärische Flächen, zwei ED-Linsen zur Reduzierung des sekundären Spektrums). Das Ergebnis von so viel Aufwand kann sich sehen lassen.

          Um summarisch mit dem für das Wichtigste Gehaltenen zu beginnen: Die beiden Kameras machen exzellente Bilder, die sich - bei gleicher Einstellung, versteht sich - so gut wie nicht unterscheiden lassen. Besonders beeindruckt haben Dämmerungs- und Nachtaufnahmen, auch dann, wenn die diese Aufnahmen unterstützenden Betriebsarten nicht eingeschaltet waren. Außerdem gelangen sehr ausgewogen belichtete Winterbilder. Und beide Kamera eignen sich vorzüglich für das, was gern Leica-Fotografie genannt wird: Schnappschüsse auf der Straße, stimmungsvolle oder kuriose Szenen mit Menschen. Der Autofokus arbeitet sehr schnell, der elektronische Sucher (2,76 Megapixel äquivalent) ist in Verbindung mit der Sucherlupe sehr wohl zum punktgenauen manuellen Scharfstellen geeignet.

          Die Lumix LX100: Die Kompaktkamera wurde auf der Photokina 2014 erstmals präsentiert.

          Dafür gibt es einen Drehring am Objektiv, das außer den Lumix-LX-typischen Format- und Autofokuswahl-Schiebern auch einen Blendenring hat. Und der in Verbindung mit dem Zeitenrad oben auf dem Gehäuse ist ein geradezu genialer bedienungstechnischer Kniff. Steht am Objektiv wie am Zeitenrad der weiße Punkt auf dem roten A, hat man die Programmautomatik, die mit einer weiteren Taste zur - bei Leica Schnappschuss- und bei Panasonic intelligent geheißenen - Vollautomatik wird. Stellt man eine Zeit ein, arbeitet die Blendenautomatik, dreht man am Blendenring, wird die Verschlusszeit automatisch gesteuert. Das ist wirklich intuitiv zu nennende Bedienung. Und nebenbei: Es geht blitzschnell, bei beiden Kameras.

          300 Seiten Betriebsanleitung

          Schwer, hier alles aufzuzählen, was sie noch so an Bord haben: 4K-Video und -Standbild, WiFi, NFC, annähernd zwei Dutzend Digitalfilter, 11 Serien-Bilder in der Sekunde, 1/16 000 Sekunde mit dem elektronischen Verschluss und, und, und. Was fehlt? GPS ist nicht dabei, aber was tut’s? Empfindlicher wird die Kippbarkeit des 3-Zoll-Monitors (921 000 Bildpunkte) vermisst, aber das ist der Kompaktheit geschuldet. Und der Blitz (LZ 7) muss aufgesteckt werden. Den Hinweis, dass man ihn völlig abstellt, wenn man die Kamera stumm schaltet, verstecken beide um die 300 Seiten starken Betriebsanleitungen sehr raffiniert.

          Und was hat die Leica nun mehr als die Lumix? Einen kostenlosen Download von Adobe Lightroom im Lieferumfang und im Übrigen tatsächlich nur weniger: kein Griffpolster an der Front und weniger Halt für den Daumen, weil das rückwärtige Gummipflaster so flach ist. Ein Rädchen zur Belichtungskorrektur, das auf die Striche der Drittel-Rastungen zwischen den EV-Zahlen verzichtet. Ein paar Buchstaben hat man auch noch eingespart: Wo bei der Lumix Filter neben der Taste steht, beschränkt sich die Leica auf ein vieldeutiges F. In Summe: kosmetisches Design.

          Dass die Lumix eine „abbe Ecke“ hat, als habe sie ein Waldorf-Schüler designt, und dass die Leica strikt die von der Funktion diktierte Dosenform der Ur-Leica Oskar Barnacks wahrt, rechtfertigt den Preisunterschied jedenfalls nicht. Das tut wie eh und je allein der rote Punkt.

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