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Denon DP-200USB : MP3-Schätze aus der Vinyl-Ära

  • -Aktualisiert am

Der Denon DP-200USB steckt in seriösem Kleid Bild: Hersteller

Wie kommt Musik aus den Vinylrillen in den iPod? Denon überführt jetzt mit dem DP-200USB schwarzes Gold aus dem Schallplattenregal in Musikdaten für den Mobilplayer - ganz ohne Beteiligung weiterer Gerätschaften.

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          Wie kommt Musik aus schwarzen Vinylrillen in den iPod? Die Frage stellt sich in jedem Haushalt, der noch immer ein paar Regalböden voller Analogkonserven hegt und pflegt, ansonsten aber den Anschluss an die moderne Medienwelt längst gefunden hat. Der Sprung von der Schallplatte in die MP3-Szene überbrückt ja mindestens zwei Technikgenerationen. Deshalb ist der Transfer entweder eine Prozedur unter Beteiligung von PC, Soundkarte und Rekorder-Software. Oder er klappt nach dem Prinzip Plug and Play, man könnte auch sagen, auf Denon-Art.

          Denn der japanische HiFi-Spezialist liefert in diesen Tagen einen Plattenspieler in die Fachgeschäfte, der an seiner Stirnseite einen USB-Anschluss bereithält. Hier kann ein USB-Stick andocken, um sich, während die Vinylscheibe rotiert, mit einer MP3-Kopie der Analogmusik befüllen zu lassen - ganz ohne Beteiligung weiterer Gerätschaften. Wer mag, veredelt die so gewonnenen Digitalkonserven später am PC, liest sie in ein Archivprogramm ein und kopiert sie in den Taschenspieler.

          Der DP-200USB zählt zur Gattung der Vollautomaten

          Geräte nach ähnlichen Konzepten gibt es bereits in bunter Auswahl, zumeist als Preisbrecherangebote, oft im Sortiment von Online-Versendern oder in den Filialen von Kaffeeröstern und anderen eigentlich zweckfernen Geschäften. Solche Apparate machen mangels Solidität nicht immer glücklich. Deshalb hat uns der Denon-Plattendreher besonders interessiert: Schließlich bürgt hier ein gestandener Name für Funktion und Klang.

          Das DP-200USB genannte Modell, Preis um 260 Euro, zählt zur Gattung der Vollautomaten: Ein Tastendruck startet die Rotationsarbeit, der Tonarm schwenkt zur Einlaufrille und senkt sich dort selbsttätig ab, nach dem letzten Lied kehrt er wieder in seine Ausgangsposition zurück. Für den Anschluss an die Stereoanlage stellt der Plattenspieler zwei Möglichkeiten zur Wahl: Entweder nimmt er über einen klassischen Phonoeingang Kontakt mit dem Verstärker auf. Oder er dockt an gewöhnliche Hochpegelbuchsen an, zum Beispiel an einen CD-Eingang. Das ist deshalb möglich, weil der Denon die unentbehrliche Phonovorverstärker- und Entzerrerelektronik selbst an Bord hat. Ist sie eingeschaltet, klappt die Hochpegelverbindung. Zum Anschluss an klassische Phonobuchsen dagegen zieht man die eingebaute Verstärkerstufe mit einem Schalter, der sich unter dem Plattenteller versteckt, aus dem Verkehr.

          Ein Druck auf die Aufnahmetaste genügt

          Der mechanische Aufbau des Plattendrehers wirkt auf reifere Vinylfreunde recht ernüchternd: Wer noch aus den Blütezeiten der HiFi-Ära weiß, mit welchem Aufwand die Hersteller anno dazumal klangverschlechternden Einflüssen wie Trittschall, Mikrofonie und der Übertragung von Antriebsvibrationen zu Leibe rückten und mit welcher feinmechanischen Akribie sie Tonarme selbst preisgünstiger Plattenspielermodelle fertigten, empfindet das dünnwandige Kunststoff-Chassis, den allzu leichten Aluminiumplattenteller und das schlichte Ärmchen als allzu pragmatische Zugeständnisse an den Zeitgeist.

          Aber natürlich setzt der von Denon angepeilte Preisrahmen dem Materialeinsatz auch rigide Grenzen. Dennoch hätte der Hersteller einige Details besser lösen können. Der kleine Griff am Tonarmkopf zum Beispiel sitzt dermaßen ungünstig, dass es nur mit Mühe gelingt, den Tonarm von Hand in die Rille zu führen. Und dass die Plattentellergummiauflage sich nur schwer zentrieren lässt, weil ihr Mittelloch schlicht zu groß geriet, zählt auch zu den vermeidbaren Schwachstellen.

          Pluspunkte dagegen sammelt der Testkandidat mit seiner komfortablen Aufnahmefunktion: Ist der USB-Stick angestöpselt, genügt ein Druck auf die Aufnahmetaste an der Gerätefront, und die MP3- Überspielung beginnt. Zur Nachbearbeitung am PC liefert Denon ein „Trans Music Manager“ genanntes Softwarepaket mit, das keine Wünsche offenlässt: Ein spezielles Programm erkennt zum Beispiel Pausen im Musikprogramm, kann die Aufnahme also automatisch in einzelne Musikstücke auftrennen. Eine „MusicID“-Funktion kann im Internet nach den Titelnamen und anderen Informationen zum Repertoire fahnden: Die berühmte Gracenote-Datenbank, die auch die Titelinformationen von CD-Kopien online heraussucht, versteht sich sogar auf die Analyse der Schallkurvenform. Sie kann die Aufnahmen also mit ihren gespeicherten Referenzen vergleichen und sie so automatisch beschriften.

          Ein Gerät dieser Bauart ist nicht für klangliche Höhenflüge gemacht

          Die musikalischen Leistungen des Plattenspielers erfüllten unsere Erwartungen. Ein Gerät dieser Bauart ist nicht für klangliche Höhenflüge gemacht, und man muss es ihm bis zum gewissen Grad nachsehen, dass es den Obertönen einen Teil ihrer gewohnten Strahlkraft, den Bässen ein gewisses Maß an Klarheit und Kontur vorenthält.

          Die Elektronik des Denon macht ihre Sache gut: Die eingebaute Entzerrer-Vorverstärkerstufe kann mit den Phonostufen gängiger Vollverstärker durchaus mithalten. Und die MP3-Konserven, großzügig mit 192 Kilobit je Sekunde kodiert, sind vom analogen Original nicht zu unterscheiden. So eignet sich der Plattenspieler vor allem für die schnelle, unkomplizierte Digitalisierung. Anspruchsvolle Sammler, die noch echte Vinylschätze horten und sie nach allen Regeln der Kunst dauerhaft in die Digitalära überführen möchten, sollten lieber einen aufwendigeren Plattenspieler als Quelle einsetzen.

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