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Consumer Electronic Show : Turbulenzen auf dem Weg ins High-Definition-Paradies

  • -Aktualisiert am

Der Multiplayer: BH100 von LG Bild: AP

Wieder einmal erschüttert ein Formatkrieg die Branche. Doch diesmal scheint es eine besonders käufergerechte Lösung zu geben: LG zeigt auf der Costumer Electronic Show einen Multiplayer für HD-DVD, Blu-ray Disc, DVD und CD. Wolfgang Tunze berichtet.

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          Schon in den ersten Januartagen des vergangenen Jahres geisterte die Botschaft als Gerücht durch die Szene. Jetzt, ein Jahr später, ist es heraus: Der koreanische Konzern LG baut ein Laufwerk für optische Medien, das einen massiven Systemkonflikt der Unterhaltungselektronik entschärfen könnte.

          Der Hintergrund: Damals, während der 2006-Ausgabe der amerikanischen Fachmesse CES, hatte sich die Elektronikbranche in kämpferische Fraktionen polarisiert, um zwei potentiellen Nachfolge-Medien der DVD zum Durchbruch zu verhelfen - der HD-DVD und der Blu-ray Disc. Beide sind schon physikalisch so unterschiedlich, dass alle Versuche, den Formatkonflikt noch in letzter Sekunde zu stoppen, zuvor gescheitert waren. Auf der CES des Jahres 2007 schien es nun, als gäbe es neben dem zur Schau gestellten Selbstbewusstsein der beiden Lager immer mehr skeptische Nachdenklichkeit: Der Branche dämmert, dass König Kunde die Technik-Konfusion mit Kaufabstinenz quittieren könnte.

          Ein Gerät für alle Scheiben

          Das Laufwerk von LG, eine der spektakulärsten Neuheiten der diesjährigen Trendschau, steht für einen möglichen Ausweg: Das Super Multi Blue genannte Aggregat kommt mit beiden Sorten der High-Definition-Scheiben zurecht. Es soll zunächst in zwei Versionen erscheinen. Eine steckt in einem reinen Abspielgerät fürs Wohnzimmer, dem Player BH100, den der Hersteller schon im Frühjahr in den Vereinigten Staaten zu einen Preis um 1200 Dollar verkaufen will; nach Europa wird die Maschine voraussichtlich im Herbst kommen. Gleichzeitig will LG eine PC-Variante zum selben Preis anbieten, die nicht nur mit den beiden neuen, sondern auch mit sämtlichen bisher etablierten Formaten einschließlich der CD zurechtkommt, sowohl im Abspiel- als auch im Aufnahmebetrieb. Dafür beschäftigt das Laufwerk zwei Abtast-Einheiten, eine mit blauem, eine mit rotem Laser, und es setzt zwei Linsensysteme ein, die den Fokus an die unterschiedliche Stärke der beiden neuen Scheiben anpassen können.

          Den Multiplayer gibt es in einer Wohnzimmer- und einer Computerversion

          Der Super-Multi-Blue-Player für Wohnzimmer bleibt allerdings vorerst ein Kompromiss, denn er kann von der HD-DVD zwar Filme abspielen, beherrscht aber die als iHD standardisierten interaktiven Funktionen dieses Mediums noch nicht, weil LG die hierzu nötigen Chipsätze nicht rechtzeitig zur Verfügung hatte. Vielleicht also wird der BH100 nicht gleich ein Marktrenner, aber er zeigt den Weg. Der Rest der Branche wird kaum umhinkommen, ähnliche Lösungen zu entwickeln, ganz so wie sie nach und nach mit Universal-Laufwerken der Vielfalt bespielbarer DVD-Medien Herr wurde.

          High-Definition-Zug nicht mehr zu stoppen

          Auch die Filmbrache bastelt bereits an goldenen Brücken. So präsentierte Warner auf der CES eine „Total HD Disc“, die dasselbe Filmprogramm auf einer Seite im Format der HD-DVD, auf der anderen Seite als Blu-ray Disc anbieten soll. Ende 2007 will Warner mit dieser Hybridscheibe starten und so jene logistischen Mehrkosten dämpfen, die der bisher angepeilte Parallelvertrieb aller wichtigen Filmtitel in beiden Medienformaten mit sich bringt.

          Wie immer der Krieg um die hochzeiligen Videoformate auch ausgeht - der High-Definition-Zug der Unterhaltungselektronik ist nicht mehr aufzuhalten. Auch die Hobbyfilmer nimmt er längst mit: Gleich sechs neue High-Definition-Kamkorder nach dem neuen Standard AVCHD gab es auf der CES zu sehen, allein vier neue Modelle von Sony und zwei weitere von Panasonic. Das Panasonic-Modell HDC-SD1 ist besonders interessant: Der handliche Elektronik-Zwerg filmt mit einer SC-Speicherkarte, kommt also ganz ohne rotierende Mechanik aus.

          Groß-Bildschirme müssen keine Plasma-Monitore sein

          Für die angemessene Darstellung hochzeiliger Bilder zeigten die CES-Aussteller interessante Schlüsselkomponenten: Texas Instruments warb für seine jüngste Generation reflektierender DLP-Chips, die für Frontal- und Rückprojektoren mit der höchsten High-Definition-Auflösung 1080p taugen; ein Rückprojektions-Prototyp des Herstellers brillierte gar mit dem sensationellen Kontrastverhältnis von 1:100 000. Sony zeigte einen 27 Zoll großen Bildschirm aus organischen Leuchtdioden - einen Traum an Strahlkraft, Schärfe und Kontrast, der aber in diesem Format von der Großserienreife noch weit entfernt ist.

          Auch ein High-Defintion-Schirm von Sharp ist noch nicht für die Läden gedacht. Aber er setzt ein Zeichen: Mit dem 275 Zentimeter große Boliden will der Hersteller beweisen, dass die Großkaliber keine natürliche Domäne des Plasma-Prinzips mehr sind. Panasonic dagegen wurde auf seiner CES-Pressekonferenz nicht müde, die Vorzüge seiner Plasmaschirme zu preisen und die vermeintlichen Schwächen des Konstruktionsprinzips, etwa hohen Stromverbrauch und Gefahr des Bildeinbrennens, als überholt darzustellen. Konvergenz, der Lieblingsbegriff der Unterhaltungselektronik-Branche, erfährt damit eine weitere Bedeutung: Alte Trennlinien fallen, auch in der Flachbild-Szene.

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