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Ceatec 2004 : Flachbild-Giganten und entfesselter Netzwerk-Hype

  • -Aktualisiert am

Plasma-Fernseher-Riese: TH-65 DX600 von Panasonic Bild:

Die Welt der Flachbild-Fernseher teilen sich LCD- und Plasma-Technik. König Kunde hat nur bei Bildschirmgrößen um 100 Zentimeter Diagonalmaß die Qual der Wahl.

          In der Welt der Flachbild-Fernseher herrscht weitgehend arbeitsteilige Koexistenz zwischen der LCD- und der Plasma-Technik. König Kunde hat nur bei einigen Bildschirmgrößen um 100 Zentimeter Diagonalmaß die Qual der Wahl. Diese beruhigende Botschaft, sie war Teil einer einschlägigen Kaufberatung in "Technik und Motor" vom 5. Oktober, könnte sich schon bald relativieren: Auf der japanischen Fachmesse Ceatec in Tokio präsentierten sich beide Lager mit expandierendem Selbstbewußtsein und neuen, wandfüllenden Maxi-Displays - offenbar fit für den Wettbewerb auf höherem Niveau.

          Einen veritablen Strahlemann der Gattung Plasma hatte Panasonic ausgestellt, den 65-Zoll-Riesen TH-65DX600 (metrisches Diagonalmaß: stolze 163 Zentimeter). Zwar hatten die Koreaner Samsung und LG auf früheren Messen noch mächtigere Apparate gezeigt, aber nur als Labormuster. Panasonic ist mithin stolz darauf, den derzeit größten auslieferungsreifen Plasma-Kaventsmann der Welt anbieten zu können. Doch schon sitzt das LCD-Lager dem Hersteller im Nacken: Ein paar Schritte weiter machte Sharp an seinem Messestand mit exakt demselben Diagonalmaß Furore - mit dem Prototyp eines 65 Zoll großen LCD-Fernsehers, der bis Ende 2005 die Serienreife erreichen soll. Auch dieses Gerät zeigte die Bilder - aus hochauflösenden Quellen, versteht sich - als ungemein prachtvollen Wandschmuck.

          Panasonic, einer der wenigen Hersteller, der Produktions-Know-how in beiden Techniken hat, glaubt dennoch an die Plasma-Dominanz in den großen Formaten ab 37 Zoll (93 Zentimeter), schon aus Kostengründen: Das Unternehmen peilt für seine Preisgestaltung die Faustformel 100 Dollar für jeden Zoll Bildschirmdiagonale an, und das, sagt Hiroyuki Nagamo, Direktor des Unternehmensbereichs Plasma-Displays, sei mit entsprechend großkalibrigen LCD-Schirmen nicht zu machen.

          Für ein Nasenwasser allerdings ist auch die Plasma-Technologie nicht zu haben: Auf welchem High-Tech-Niveau sich die Fertigung dieser Bildschirm-Riesen abspielt, konnten wir uns am Rande unseres Ceatec-Besuchs in der Panasonic-Fabrik Ibaraki in der Nähe von Osaka anschauen: Gigantische, in gelbliches Licht getauchte Reinraum-Hallen gemahnen an die Halbleiter-Herstellung. Nur handelt es sich hier eben nicht um daumennagelgroße Endprodukte und entsprechend überschaubare Herstellungs-Areale, sondern um Filigran-Objekte in der Größe von Fensterscheiben, die von gespenstisch anmutenden Roboter-Fahrzeugen und automatischen Greifern von Produktionsstation zu Produktionsstation geleitet werden - zu menschenleeren Montagestraßen, in denen die Elektroden und die feinen mechanischen, rippenartigen Strukturen der Pixelzellen auf die Glasplatten gelangen, zu riesigen Maschinen, in denen die vordere und hintere Glasplatte zusammengeklebt und anschließend in Spezialöfen miteinander verbacken werden, und schließlich zu weiteren Aggregaten, in denen die Hohlräume zwischen den Platten zunächst evakuiert und dann mit Edelgas befüllt werden. Dieses höchst eindrucksvolle Szenario, Investitionsvolumen: um 500 Millionen Euro, erlaubt dem auf sichere Distanz gehaltenen Betrachter allerdings auch nicht viel mehr als eine Anmutung, denn die exakten Details des Produktionsprozesses sind im Grunde das eigentliche Kapital der mittlerweile sieben produzierenden Anbieter und mithin so geheim wie das Rezept von Coca-Cola.

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