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Canon EOS 1D : Damit fotografiert der Sportreporter

Profi-Werkzeug: Canons neues Flagschiff, die EOS 1D MarkIII Bild: Michael Spehr

Canon hat sein Flagschiff unter den digitalen Spiegelreflex-Kameras überarbeitet. Die neue EOS 1D Mark III soll Maßstäbe setzen. Das tut sie auch. Die Profikamera ist ausdauernd, schnell und bestens verarbeitet - ein Profiwerkzeug eben.

          3 Min.

          Respekt! Wer dieses Trumm von Kamera in der Hand hält, ist in der Königsklasse der Digitalfotografie angekommen. Die EOS 1D Mark III bezeichnet Canon als „neuen Standard“ der professionellen Fotografie, und die Fachzeitschriften feiern sie voller Begeisterung. Wir erprobten den Boliden während eines Springreitens. Bei strahlendem Sonnenschein genau die richtige Situation für das hohe Arbeitstempo der Mark III: Bis zu zehn Aufnahmen je Sekunde bei 110 JPG- oder 30 RAW-Fotos in Folge: Mit dem Betätigen des Auslösers rattert die Canon los wie eine Nähmaschine auf Ecstasy. Man ist fast erschrocken angesichts dieses Tempos. Und zu Hause staunen wir abermals über fantastische Aufnahmen am Rick. Bei den kurzen Belichtungszeiten hängt der Staub in der Luft, man sieht ein leises Lächeln des Pferdes - und die Grimasse der angespannten Reiterin.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die jüngste Canon ist die Nachfolgerin der EOS-1D Mark II, die 2004 auf den Markt kam (mit schon damals neun Aufnahmen je Sekunde, aber nur 40 in Folge). Nach oben hin gibt es nach wie vor die EOS-1Ds Mark II mit Vollformatsensor und 16,7 Megapixel. Hier kommt hingegen ein CMOS-Sensor mit 28,1×18,7 Millimeter zum Einsatz und damit eine 1,3fache Brennweitenverlängerung.

          Als würde man im Porsche Platz nehmen

          Zunächst ein Blick auf das Gehäuse. Das wichtigste Detail: Canon setzt endlich moderne Lithium-Ionen-Akkus ein, und damit reduziert sich das Gesamtgewicht von Body und Akku auf 1350 Gramm. Die älteren Gehäuse kamen auf rund 1,6 Kilogramm, und dazu muss man ja noch das Objektiv rechnen. Der neue Akku soll genug Leistung für mehr als 2000 Aufnahmen bringen, und das zugehörige Ladegerät bedient gleich zwei Kraftspender gleichzeitig. Dass man bei der Verarbeitungsqualität keine Kompromisse machen muss, ist bei einem Gehäuse mit Magnesiumlegierung für den stolzen Preis von 4300 Euro wohl klar.

          Die Kamera in die Hand zu nehmen ist wie Platznehmen in einem Porsche: Anmutung, Haptik und Wertigkeit sind ein Genuss. Alle Anschlüsse sind vor Staub und Feuchtigkeit geschützt, es gibt nun eine automatische Sensorreinigung (mit hochfrequenten Vibrationen) beim Ein- und Ausschalten, die sich für schnelle Schnappschüsse unterbrechen lässt. Der rückseitige Monitor hat eine Diagonale von 7,5 Zentimeter und löst mit 230.000 Pixel auf. Dass man bei der Mark III den Spiegel hochklappen kann, um auf dem Display eine Echtbild-Vorschau zu sehen, halten wir für eine überflüssige Funktion für den Sportreporter, die zudem kompliziert aufzurufen ist und nur mit manuellem Fokus arbeitet. Bei der Echtbild-Vorschau gibt es Gitterhilfslinien, die dem Sucherbild leider fehlen.

          Autofokus-System mit 45 Sensoren

          Neben dem Farbmonitor informieren zwei Monochromanzeigen über den Kamerastatus, und wie bei Canon üblich, übernehmen ein großes Drehrädchen rechts der Anzeige und ein darüber liegender Vier-Wege-Joystick das Navigieren durch die Menüs. Letzterem fehlt leider ein Okay-Knopf zum Bestätigen von Eingaben. Man kommt mit der Mark III schnell zurecht, die Menüstruktur ist besser geworden. Ein eigener Bereich heißt „My Menu“ und nimmt wichtige Einstellungen für den Schnellzugriff auf. Die Anleitung könnte kaum knapper ausfallen. Selbstverständlichkeiten wie der Hochformatgriff oder die Möglichkeit des W-Lan-Anschlusses und zwei Speicherkarten-Plätze sind an Bord, neu ist ein S-Raw genanntes Speicherformat für die 2,5-Megapixel-Auflösung.

          Verbessert wurde das Autofokus-System, das mit sage und schreibe 45 Sensoren arbeitet, darunter 19 Kreuzsensorpunkte. Sie lassen sich manuell anwählen, allerdings in gewöhnungsbedürftiger Kreisrichtung. Die Matrixmessung des Belichtungsprogramms profitiert von 63 Feldern (Mark II: 21 Felder). Die Farbtiefe wurde von 12 auf 14 Bit erhöht, die Auflösung von 8 auf 10 Megapixel. Bei der Lichtempfindlichkeit bietet die Mark III die breite Spanne von ISO 50 bis ISO 6400. Das geringe Rauschverhalten in den höheren Bereichen von ISO 800 bis ISO 3200 setzt neue Maßstäbe, und selbst mit ISO 6400 kann man verflixt gute Resultate erzielen.

          Beutelschneiderei bei der Software

          F.A.Z.-Fotograf Wonge Bergmann hat sich die neue Mark III gleich gekauft. Seit 2004 war die Vorgängerin im Einsatz, mit rund 300.000Auslösungen (der Verschluss hielt jeweils gut 140.000 Aufnahmen). Mit den „alten“ Objektiven macht die neue Kamera bessere Fotos, sagt er. Die höhere Farbtiefe sei ein Gewinn, die Bilder vielschichtiger, klarer. Bei Porträtaufnahmen sehe man anhand der Hauttöne den Unterschied sofort, auch bei Theaterfotos sei die verbesserte Farbqualität auffallend.

          Der neue Autofokus liefere eine höhere Bildschärfe. Die Aufnahmen ließen sich auf dem größeren Display besser beurteilen. Den Live-View-Modus setzt er gar nicht ein („wenn sich der Monitor wenigstens drehen ließe“), und die Erweiterung auf ISO 6400 wird ebenfalls nicht als Gewinn gesehen. Die ersten Geräte hätten Fehler in der Software gehabt, schildert er. Über Beutelschneiderei ärgerten sich viele Kollegen, denn Software-Hersteller Adobe bietet das Photoshop-Raw-Plugin nur für die Version CS 3 an. Man wird also zum teuren Update genötigt.

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