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Neue 800-Serie von B&W : Schönheit, die nicht nur von innen kommt

  • -Aktualisiert am

Bowers & Wilkins 803 D3 Bild: Hersteller

Bowers & Wilkins hat die Flaggschiff-Serie seiner Lautsprecher generalüberholt. Das ließ uns aufhorchen: Wir haben das zweitgrößte Modell zum Vorspiel geladen.

          3 Min.

          Anno 1993 ist beim renommierten britischen Lautsprecherhersteller Bowers & Wilkins eine Ära zu Ende gegangen - die der kantigen Kisten. Damals ermunterte die Geschäftsleitung des Hauses Designer und Konstrukteure, alles, was sie bisher über den Lautsprecherbau wussten, zu vergessen und einen Apparat zu zimmern, der typische Unarten eckiger Gehäuse, etwa das tönende Eigenleben der Wände, Reflexionen an den Kanten und stehende Wellen im Inneren, hinter sich lässt. Heraus kam ein mächtiges, schneckenartiges Gebilde, das aussah wie ein Urvieh aus dem Jura. Das auf den Namen Nautilus getaufte Konstrukt hatte keine gerade Fläche, keine Kante und keine Ecke mehr und schrieb damit Designgeschichte: Noch heute wird die bizarre Schönheit in Kleinstauflage gefertigt.

          Wichtiger aber ist: Fortan inspirierte das eigenwillige Gerät den gesamten Lautsprecherbau des Hauses - vor allem jene Flaggschiff-Serie, die auf den Familiennamen 800 hört und nicht nur in den Wohnzimmern von HiFi-Gourmets, sondern auch in vielen Studiobetrieben, darunter den legendären Abbey-Road-Studios in London, den Ton angibt. Jetzt haben die Engländer ihre 800-Serie Modell für Modell renoviert. Und das ist in der HiFi-Szene ein Ereignis von Rang. Wir haben uns mit dem Modell 803 D3 beschäftigt, dem zweitgrößten Kaliber der neuen Familie. Es ist auf mittlere bis große Wohnräume zugeschnitten und dürfte mit seinem Preis von 17 000 Euro je Paar an der Budget-Oberkante ambitionierter High-End-Jünger liegen. Entspricht auch die musikalische Qualität dieser Rangeinordnung?

          Der gesamte Korpus wiegt 65 Kilogramm Bilderstrecke

          Zunächst ein paar technische Details. Der gesamte Korpus der 803 D3 wirkt, trotzt eines Einsatzgewichts von 65 Kilogramm und einer Bauhöhe von 116 Zentimeter, eher kompakt und elegant - ein Resultat der besonderen Bauform: Das recht schmale Gehäuse hat einen stromlinienförmigen Grundriss. Es wird Schicht für Schicht aus Birkenholzfurnieren verleimt und von einer gewaltigen Presse in die rundliche Form gezwungen. An seiner Rückseite sitzt ein schmales Aluminiumprofil, das zugleich als Montageplattform der Frequenzweiche im Inneren dient. Ein Matrix genanntes Versteifungsgitter im Inneren, auch schon ein Merkmal der Vorgängermodelle, trägt nun zusätzlich auf seiner Vorderseite eine Metallplatte, auf der die beiden Tieftonchassis sitzen. Diese Art der Montage unterbindet den Direktkontakt zwischen dem Gehäuse und den Körben der Tieftöner - eine zusätzliche Maßnahme gegen unerwünschtes akustisches Eigenleben der Gehäuseoberfläche.

          Ganz oben auf dem Lautsprecherkorpus sitzt der Hochtöner in einem separaten Gehäuse aus Aluminium. Die Idee ist eine Nautilus-Errungenschaft: Der Schall kann sich nach außen ungehindert ausbreiten, und die ins Gehäuseinnere abgestrahlten Wellen laufen sich im nach hinten verjüngenden, mit Dämpfungsmaterial gefüllten Mini-Kabinett tot. Bemerkenswert: Die Kalottenmembran des Hochtöners besteht aus hauchdünnem, künstlich gezüchtetem und zum Schutz mit Platin beschichtetem Diamantmaterial. Kein anderer Werkstoff kann die beiden Wunsch-Eigenschaften von Hochtonmembranen, nämlich geringe Masse und rigide Formtreue, besser kombinieren. Besonderes Membranmaterial zeichnet auch den Mitteltöner aus. In Vorgängermodellen arbeiteten stets Konusmembranen aus Kevlargewebe, zu erkennen an der typischen gelben Farbe.

          Jetzt haben die Briten ein neues, Continuum genanntes Textil entwickelt, das eine noch höhere innere Dämpfung aufweisen und damit noch weniger zu Resonanzausbildungen neigen soll. Auch das ebenfalls separate Gehäuse lässt unerwünschten Schwingungen keine Chance. Es folgt derselben Philosophie wie die kleine Hochtonbehausung und trägt den hausinternen Spitznamen „Turbine Head“ - die Formverwandtschaft mit einem Jet-Triebwerk legt es nahe. Der Turbinenkopf war übrigens bisher ein exklusives Merkmal der nächstgrößeren Box 802; dass es jetzt auch die 803 ziert, erklärt sicher auch den deutlichen Mehrpreis gegenüber dem Vorgängermodell.

          Relativ freie Aufstellung in größerem Abstand von den Wänden

          Vor dem Hörtest haben wir zunächst mit der Aufstellung experimentiert. Dazu bietet der 803 D3 gute Voraussetzungen: Rollen unter seiner Bodenplatte machen Positionswechsel einfach. Erst wenn der finale Standort gefunden ist, schraubt man die eingebauten Spikes heraus und sorgt damit für festen Stand. Die besten Resultate erzielten wir mit einer relativ freien Aufstellung in größerem Abstand von den Wänden und in leicht zum Hörer hin angewinkelter Position. Die Anschlüsse auf der Rückseite lassen die separate Verkabelung von Tief- und Mittel-Hochtoneinheiten zu.

          Haben sich die neuen Lautsprecher erst einmal ein bisschen eingespielt, ist alle Technik schnell vergessen: Sie musizieren einfach wunderschön, öffnen den Raum zur weiten Bühne und bilden auch die Tiefendimensionen unglaublich realistisch ab. Stimmen, etwa der schwedischen Sängerin Anna Ternheim in „The Night Visitor“, definiert das 803-Paar mit überwältigender Klarheit, auf die Position der Solistin könnte man mit dem Finger deuten, so genau beschreiben die Lautsprecher alle räumlichen Verhältnisse.

          Auch die Treue zu feinsten Details begeistert: Anblasgeräusche einer Flöte, der Anriss einer Gitarrensaite, das Einschwingen eines Klavierakkords - dies alles machen die britischen Lautsprecher so deutlich hörbar, wie es kaum einem anderen Lautsprecher gelingt. Die Basswiedergabe - tief und dennoch sauber, unangestrengt und fast luftig - fasziniert gleichermaßen. Da wird es mühsam, nach Schwächen, gar Fehlern zu fahnden. Man findet sie einfach nicht, allenfalls die Macken in den Aufnahmen. Und ein größeres Kompliment kann man einem Lautsprecher kaum machen.

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