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Beyerdynamic DTX 50 : Hören mit persönlicher Note

  • -Aktualisiert am

Das Ohr gibt die Kontur vor: Hörer von Beyerdynamic Bild: Hersteller

Sie sind selten größer als eine korpulente Erbse und dichten den Hörkanal mit weichen Passstücken: In-ear-Kopfhörer passen sich der Anatomie des Innenohrs an. Im Klang sind diese Winzig-Hörer ihren schlichteren Vorfahren deutlich überlegen.

          Die Symptome sind unverkennbar: Blickt der Nachbar in der U-Bahn ziellos ins Ungefähre und weht ihm gleichzeitig rhythmisches Zischeln aus den Ohren, dann ist ein Ohrstöpsel alten Typs im Spiel - einer jener mit dünnem Schaumstoff bezogenen Mini-Kopfhörer, die man wie einen Knopf in die Ohrmuscheln stopft, um Musik aus dem MP3-Player zu hören. Die leichten Schallquellen konventioneller Bauart schließen den Gehörgang nie luftdicht ab, und das hat Konsequenzen. So hört der Mitmensch die hohen Frequenzen zwangsweise mit, tiefe Töne schaffen den Weg zum Ziel-Trommelfell nur als stark verdünnter Abklatsch, und wenn Bahngeratter oder anderer Umweltlärm mit dem MP3-Programm akustisch konkurrieren, bietet der Hörer keinerlei passiven Schutz.

          Deshalb werden modernere, noch zierlichere Varianten, die man direkt in den Gehörgang steckt, immer beliebter; anglophile Experten sprechen von Inear-Modellen. Sie sind selten größer als eine korpulente Erbse und dichten den Hörkanal mit weichen Passstücken aus Silikon ab. Und weil die Anatomie des Innenohrs von Mensch zu Mensch variiert, liefern die Hersteller meistens gleich zwei oder drei Stöpsel unterschiedlicher Kaliber mit.

          Im Klang deutlich überlegen

          Im Klang sind diese Winzig-Hörer ihren schlichteren Vorfahren, die nur locker in der Ohrmuschel klemmen, deutlich überlegen, insbesondere im Volumen der Basswiedergabe. Allerdings hängt der Klangeindruck in dramatischem Maß vom Sitz des Hörers im Hörkanal ab. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir haben schon vor geraumer Zeit einmal den kleinen In-ear-Hörer DTX 50 von Beyerdynamic ausprobiert. Mit dem kleinsten Anpassstück, das sich eigentlich nach gutem Sitz anfühlte, wurden wir mit dem Modell nicht recht glücklich: Das Klangbild wirkte zu hell und eher dünn, ein bisschen gläsern und spröde. Mit einem dickeren Polster erzielten wir fast entgegengesetzte Resultate, kräftige Bass- und Grundtonlagen also und eher zurückhaltenden Höhenglanz.

          Der Hersteller hat nun aus solchen zu verallgemeinernden Erfahrungen eine radikale Konsequenz gezogen: Unter dem Namen DTX 50 Individual bietet Beyerdynamic den Hörer mit Passstücken an, die wie maßgeschneidert der Form des Ohrs entsprechen, auf diese Weise perfekten Sitz bieten und dem Schall eine definierte Zwangsführung verpassen sollen. So kommt der Ton - theoretisch jedenfalls - auf optimalem Weg zum Trommelfell. Und das geht so: Im Kaufpreis von 180 Euro ist ein Gutschein enthalten, den der frischgebackene Besitzer bei einem Hörgeräte-Akustiker gegen individuell gefertigte Innenohr-Passstücke, der Fachmann spricht von Otoplastiken, eintauschen kann.

          Statt der Hörer lassen sich akustische Filter einsetzen

          Wir haben uns nicht zweimal bitten lassen, uns auf diese Art der Selbsterfahrung einzulassen. Im Hörgeräte-Laden - Beyerdynamic arbeitet mit der Filialkette Kind zusammen - nimmt ein Spezialist zunächst Abdrücke von den Ohren und schickt diese Vorlage an ein Labor. Von dort kommen nach ein paar Tagen die Otoplastiken zurück, fix und fertig für den Einsatz. Die Anpassstücke haben auf ihren Außenseiten Aussparungen, in die sich die Hörer präzise einstecken lassen.

          Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, diese Öffnungen zu füllen: Statt der Hörer lassen sich dort akustische Filter einsetzen, die alle Umgebungsgeräusche dämpfen - um moderate 9, um ein mittleres Maß von 15 und um den hohen Wert von 25 Dezibel. Ein Filterpaar kostet noch einmal 80 Euro extra. So werden aus den Otoplastiken Schallschlucker für Flugreisende, die sanft schlummern wollen oder auch für all jene, die mit einem schnarchenden Lebenspartner gesegnet sind. Selbst bei hoher Dämpfung, so die Theorie, soll ein Minimalmaß an Dialogfähigkeit erhalten bleiben.

          Maximal-Lautstärke vorsorglich begrenzen

          Wir haben all dies ausprobiert, zunächst natürlich den musischen Effekt der Stöpsel. Der übertrifft alle Erwartungen: Noch nie haben wir einem mobilen Winzig-Hörer mit derart wuchtigen Bässen gelauscht, die kraftvolle, erdige Klangbilder mit üppigen Grundtonlagen, schönen Stimmen und unaufdringlichen Höhen untermauern - kaum zu glauben, dass so winzige Schallaggregate derart mächtig zur Sache gehen. Die maßgeschneiderten Otoplastiken erhöhen auch den Wirkungsgrad: MP3-Player laufen, mit dem DTX 50 Individual verkabelt, zu ungewöhnlich hohem Schalldruck auf. Deshalb empfehlen wir, die Maximal-Lautstärke von iPods und ähnlichen Playern in den Voreinstellungen vorsorglich zu begrenzen.

          Die Schalldämpfung haben wir mit einem 25-Dezibel-Filtereinsatz im Flugzeug erprobt. Sie sind eine Wohltat: Der Turbinenlärm schrumpft auf sanftes Rauschen zusammen; man steigt am Ende der Reise wesentlich entspannter aus als ohne Hörschutz. So ist das ganze Hörer-Paket mobilen Musikfreunden und Vielreisenden gleichermaßen ans Herz zu legen: Es ist eine geradezu professionelle Lösung, die jeden Cent wert ist.

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