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EL-8 Titanium von Audeze : Ein Kopfhörer ganz im Sinne von Apple

Auf den ersten Blick ungewöhnlich: Das Kabel endet im Lightning-Anschluss Bild: Frank Röth

Der klassische Kopfhörerausgang am iPhone könnte bald ausgedient haben. Hersteller nutzen die Aufladebuchse als Schnittstelle. Audeze zeigt mit dem EL-8 Titanium, welche Vorteile diese Technik hat.

          3 Min.

          Das Gerücht hält sich hartnäckig. Apple könnte beim nächsten iPhone den Audio-Ausgang in Form der Mini-Klinke weglassen. Dann ließen sich die meisten kabelgebundenen Kopfhörer nicht mehr mit dem Apple-Smartphone verbinden. Es sei denn, sie nutzen die Lightning-Schnittstelle, an der das Gerät aufgeladen und mit dem Computer verbunden wird. Philips und JBL brachten vor etwa einem Jahr solche Spezial-Kopfhörer auf den Markt. Nun präsentiert der amerikanische Hersteller Audeze, dessen High-End-Kopfhörer in vielen Bestenlisten oben plaziert sind, mit dem EL-8 Titanium und dem Sine die ersten magnetostatischen Kopfhörer mit einem Kabel für den Lightning-Anschluss.

          Marco Dettweiler
          (made), Technik & Motor, Wirtschaft

          Der Kopfhörer bekommt somit die Audiosignale vom iPhone in digitaler Form überreicht. Es dient nur noch als Quellgerät, das entweder die Musik speichert oder über Apps wie Spotify, Apple Music oder Tidal streamt. Wandlung und Bearbeitung der Signale übernimmt komplett der Kopfhörer. Audeze integriert die dafür notwendige Technik vollständig in das Kabel namens „Cipher“. Neben einem Digital-Analog-Wandler (DAC) sitzt in dem kleinen Kästchen, das nicht wesentlich größer ist als ein übliches Headset-Element, auch ein digitaler Signalprozessor (DSP). Die Technik im Cipher-Kabel wandelt also nicht nur die Signale von digital zu analog, sondern kann sie auch bearbeiten.

          Eine erste Anwendung dieses DSP ist eine Equalizer-App für das iPhone. Von 32 bis 16000 Hertz lässt sich der Klang in 10 Frequenzbereichen um bis zu 10 Dezibel anheben oder reduzieren. Komplexere Anwendungen dürften nicht lange auf sich warten lassen. Als dritte Raffinesse steckt im Kabel ein Verstärker. Diesen kann Audeze auf die besonderen Bedürfnisse des EL-8 und Sine abstimmen, die wie alle anderen Kopfhörer des Unternehmens Magnetostaten sind.

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          Technisch gesehen bringt die geschlossene Form eigentlich eher Nachteile mit sich :

          Wir haben uns für den Test hauptsächlich den EL-8 Titanium aufgesetzt. High-End-Klänge für die Ohren sind auch hier eine hohe Belastung für den Geldbeutel. Mit 945 Euro unterläuft er nur knapp die 1000-Euro-Grenze, an der sich Top-Modelle wie der Beyerdynamic T1 oder der Hifiman HE-560 aufhalten. Deshalb unser Anspruch an Audeze: Mit dem iPhone in der Hosentasche und dem EL-8 auf dem Kopf wollen wir eine Klangqualität erreichen, die mit anderen High-End-Modellen mithalten kann.

          Dann wären die 1000 Euro gar nicht so viel, da Besitzer eines iPhones den anspruchsvollen Klang in kompakter Form überall mit hinnehmen könnten. Für die Mobilität bringt der EL-8 nämlich mit seiner geschlossenen Bauweise die geeignete Form mit. Man hört selbst keine Außengeräusche, und die anderen bekommen nicht mit, was gerade auf dem iPhone läuft.

          Keine Romantik und Gefühlsduselei

          Diese Bauform macht es Toningenieuren nicht leichter. Normalerweise sind geschlossene Kopfhörer in den unteren Frequenzen häufiger gehemmt, weil die Membran wegen des fehlenden Druckausgleichs nicht so frei schwingen kann. Doch der EL-8 zeigt gerade bei tiefen Frequenzen seine Stärke. Der Bass ist äußerst konturiert, voll und dröhnt trotz ordentlichem Drucks überhaupt nicht. Dabei kokettiert er nicht mit der Beats-Generation, sondern zeigt vielmehr, dass man mit einem reifen und disziplinierten Wesen durch Clubs ziehen kann. Diese Haltung bewahrt der EL-8 auch in anderen Genres, was ihn mitunter etwas kühl und analytisch auftreten lässt. Wer Romantik und Gefühlsduselei sucht, wird kein Freund des neuen Audeze werden. Dazu ist er bei der Wiedergabe des Audiosignals viel zu korrekt und pedantisch.

          Die breite und tief gestaffelte Bühne ist für einen geschlossenen Kopfhörer enorm. Lediglich die leicht spürbare Zurückhaltung in den Mitten trieb uns gelegentlich dazu, die Equalizer-App zu bedienen, um gerade von den männlichen Stimmen etwas mehr Dominanz zu fordern. Von dieser Klangbeeinflussung sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen. Dazu müsste Audeze in der App kleinere Frequenzbereiche anbieten, was kein Problem sein sollte.

          Das Design ähnelt dem Klang. Es ist schnörkel- und zeitlos, dennoch elegant und ausgewogen. Während wir uns stundenlang quer durch unsere Testlieder gehört haben, saß der EL-8 bequem und dicht auf unseren Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern sollte man den Ohren ab und zu eine Frischluftzufuhr gönnen. Das zweite Modell von Audeze ist von allem ein bisschen weniger. Der Sine klingt nicht ganz so komplex, sieht weniger elegant aus, hat als On-Ear-Modell weniger Volumen, baut eine kleinere Bühne auf und kostet 600 Euro. Zusammen mit dem iPhone ist der Sine ein attraktives Klangpaket, das aber zu Hause nicht den High-End-Hörer ersetzen kann.

          Nun bringt der Anschluss eines Kopfhörers an die Lightning-Schnittstelle nicht nur Vorteile mit sich. Wandler-Chip, digitaler Signalprozessor und Verstärker benötigen Energie. Die beziehen sie vom Akku des iPhone, der im 6s-Modell ohnehin schon recht schwach ist. Lädt man ihn auf, ist die Lightning-Buchse belegt und der Zugang für den Audeze verwehrt. Es sei denn, man wechselt das Cipher-Kabel gegen ein herkömmliches Klinkenkabel aus, das dem EL-8 Titanium beiliegt. So könnte man den Kopfhörer übrigens auch an Android-Smartphones betreiben. Das wäre dann nicht im Sinne von Apple.

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