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All-in-one-Anlage von Lyravox : Highend für die Wand

  • -Aktualisiert am

Die Renaissance des Tonmöbels: HiFi-Anlage von Lyravox Bild: Hersteller

Außen Art déco, innen moderne Streaming-Technik, klanglich auf Highend-Höhen: So will ein Hamburger Start-up die HiFi-Welt aufmischen. Das hat alles seinen Preis.

          3 Min.

          Das Tonmöbel gilt heute als ausgestorbene Spezies. Eigentlich schade, wenn man an Kunstwerke wie die großmächtige, mit hornähnlichen Schallführungen veredelte Stereo-Lautsprechertruhe Paragon von JBL denkt. Manche Enthusiasten beschäftigen sich noch heute damit, sie liebevoll zu restaurieren und an moderne Elekronik-Peripherie anzupassen. Inspiriert von solchen Vorbildern, haben sich zwei Hamburger Unternehmensgründer einer Neudefinition dieser Geräteart verschrieben. Schon auf der Messe „High End“ in München im Mai 2014 haben sie erste Prototypen unter dem klangvollen Markennamen Lyravox gezeigt. Ins neue Jahr nun starten sie mit einer ganzen Familie serienreifer Modelle - und hoffen auf eine passende Marktlücke.

          Die dürften sie nicht nur im Lager entschiedener Nostalgiker finden, denn die Lyravox-Möbel folgen modernen Konzepten. Aber der Reihe nach: Man schraubt die Geräte an die Wand - quasi als Schallzeilen, so ähnlich wie überdimensionierte Soundbars. Rechts und links in ihren Gehäusen sitzen die Stereo-Lautsprecher, in der Mitte ein Elektronik-Block. Er besteht aus einer Abspielstation, die sich Musik aus dem Heimnetzwerk und aus dem Internet einverleibt - auf ähnliche Weise, wie man es von den Sonos-Lautsprechern und all ihren neueren Artgenossen kennt. Apps für iOS- oder Android-Geräte verwalten die Tonschätze und steuern die Wiedergabe. Wer mag, kann auch die Fernbedienung nehmen; sie hat ein kleines Farb-Display, das neben Musiktiteln auch Plattencover anzeigen kann.

          Der hohe Fertigungsaufwand macht die Geräte nicht eben billig

          Hocheffiziente Schalt-Endstufen in der Lyravox-Elektronik versorgen jedes einzelne Chassis mit tönender Energie, digitale Signalprozessoren sind für den elektroakustischen Feinschliff zuständig. Außerdem gibt es dort ein Slot-in-CD-Laufwerk, das sich von außen nur durch einen schmalen Schlitz in der Gehäusefront zu erkennen gibt. Für weitere Programmalternativen hält sich eine Bluetooth-Funkstation bereit. Sie kann direkte Kontakte zum Smartphone oder zum Tablet knüpfen und die dort gespeicherte Musik ohne den Umweg über das Heimnetz abspielen. Die AptX-Kodierung erlaubt in diesem Fall verlustfreie Drahtlos-Übertragung.

          Das Besondere an den Lyravox-Komponenten ist der Perfektionismus, dem sich ihre Macher verschrieben haben. Das betrifft sowohl das raffinierte akustische Konzept als auch die exquisite Verarbeitungs- und Designqualität. Zur Akustik: Die Anlage spielt zwar direkt vor der Wand, soll sich aber eher wie ein freistehender Klangkörper verhalten und eine Schallabstrahlung ermöglichen, die überall im Hörraum ein schönes, breites Stereopanorama erzeugt. Dazu baut der Hersteller die Chassis für den Tief-Mittelton- und den Hochtonbereich in bestimmten horizontalen Winkeln ein, und zusätzlich lässt er zwei zu den Seiten hin abstrahlende Breitbandchassis aufspielen. Sie werden mit einer über den Signalprozessor erzeugten winzigen zeitlichen Verzögerung angesteuert; ihr Schall erreicht den Hörer also, als hätte er über die Reflexion von Rück- und Seitenwänden einen längeren Weg zurückgelegt, was den Eindruck von natürlicher Räumlichkeit verstärkt.

          Über die Qualität der verwendeten Chassis - Lyravox kauft sie beim dänischen Spezialisten Scan Speak ein - könnte man schwärmen, doch für Nicht-Ingenieure ist interessanter, was der Schreiner zum Gesamtauftritt beiträgt: Jedes Exemplar ist das Ergebnis von Handarbeit, die geschwungene Front wird Schicht für Schicht in einer passenden Form zusammengeleimt. Die glänzenden Oberflächen entstehen in ähnlichen Lackierungs-, Schleif- und Polierprozessen wie das Äußere eines Konzertflügels. Allen Ausführungsvarianten ist eine unverkennbare Vorliebe der Hamburger für die Art-déco-Formensprache gemeinsam. Ansonsten herrscht große Freiheit: Neben etlichen Furnier- und Lackvarianten, Grill-Ausführungen und metallischen Schrift-Intarsien ist alles zu haben - soweit es irgendwie machbar ist.

          Man schraubt die Geräte an die Wand - quasi als Schallzeilen, so ähnlich wie überdimensionierte Soundbars.

          Der hohe Fertigungsaufwand macht die Geräte nicht eben billig. Stolze fünfstellige Beträge sind für jedes Modell fällig. Wir haben uns mit der kleinsten Variante des Stereomaster II beschäftigt, einem 170 Zentimeter breiten Möbel, das immerhin 19.700 Euro kostet. Dafür darf man mit Fug und Recht nicht nur Highend-Verarbeitung, sondern auch adäquate Klangqualität erwarten. Und die bleibt das Konstrukt auch nicht schuldig: Die Lyravox-Lautsprecher musizieren ungemein präzise - in jeder Hinsicht: Obertöne glitzern und funkeln, die Tief-Mitteltöner verleihen Stimmen und Instrumenten natürliche, kraftvolle Farben, Bässe entfalten sich unangestrengt, ohne je aufzutragen. Ebenso exakt zeichnen die Lautsprecher die räumlichen Dimensionen nach: Auf großer imaginärer Bühne haben alle Instrumente und Stimmen ihre festen, definierten Plätze; eindrucksvolle Tiefenstaffelung bildet Chöre und Orchester überzeugend in ihrer ganzen Größe ab. Das macht die Lyravox-Konstrukte interessant: Sie sind viel mehr als nur die Kombination von originellen Gestaltungsideen mit moderner Technik.

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