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75 Jahre Autoradio : Von Musiktruhen zu Multimedia-Zentralen

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Das Becker-Radio Mexico stand auch noch für eine andere, ebenso dramatische Innovation, die schon ein Jahr zuvor das Licht der Autowelt erblickt hatte: den Empfang von Radiostationen auf Ultrakurzwelle. Das UKW-Radio trat an, nuschelnder Sprachübertragung, schwankender Lautstärke, näselnder Musik und rauschenden oder pfeifenden Klang-Dreingaben ein Ende zu bereiten. Die neue Modulation dieser Übertragungsart erlaubte eine Qualität, der die Marketing-Leute ein Jahrzehnt später das Gütesiegel HiFi verpassen sollten. Stabiler UKW-Empfang allerdings, die elementare Voraussetzung für höhere Genüsse, stellt an mobile Geräte ganz besondere Anforderungen, an denen sich die Techniker bis in die neunziger Jahre hinein abarbeiteten; bis dahin blieben knatternde Aussetzer und andere akustische Freundlichkeiten noch an der Tagesordnung.

Was viele Zeitgenossen heute gar nicht mehr wissen: UKW war keinesfalls von Anfang an gleichbedeutend mit Stereo-Ton. Der kam erst 1969 ins Auto, um die enge Fahrgastzelle zum Klangraum zu erweitern. Blaupunkt machte damals mit seinem Modell Frankfurt den Anfang. Bis dahin leisteten die Ingenieure weitere Basis-arbeit. 1957 begannen sie, die mechanisch empfindlichen, elektrisch kapriziösen, heißen und sperrigen Röhren durch vergleichsweise winzige und gegen jede Erschütterung gefeite Transistoren zu ersetzen. Sechs Jahre später hatte die neue Technik sogar die Leistungs-Endstufen erreicht - und damit entfielen auch die Baugruppen für die Röhren-Hochspannung. Das Ergebnis: Seit 1963 hatten Autoradios die heute gewohnten DIN-Schacht-Dimensionen mit einer Bauhöhe von 52 Millimeter.

Plattenspieler fürs Auto

Schon zuvor hatte die Industrie die Idee, dem mobilen Mitmenschen neben Radiosendungen auch andere Quellen der akustischen Unterhaltung anzubieten. 1958 machte Philips einen originellen Anfang: Mit ihrem Automignon präsentierten die Niederländer den ersten Plattenspieler für unterwegs, zugeschnitten auf das Format der 17 Zentimeter großen Single-Scheibe. Von da an durften Bill Haley und Elvis Presley, die wilden Pop-Titanen der Pettycoat-Ära, auch als Konserven mit auf die Reise. Mit einer weiteren einschlägigen Idee setzte Philips 1969 dann gleich einen Ausstattungsstandard, der sich für Jahrzehnte hielt. In diesem Jahr präsentierte der Hersteller ein erstes Autoradio mit eingebautem Kassettenlaufwerk. Damit konnten sich mobile Genießer erstmals ihre eigenen Wunschkonzerte für größere Touren zusammenstellen.

Im folgenden Jahrzehnt reifen erste Lösungen zur Fahrerunterstützung. Alles begann mit dem Hinz-Triller, dem unhörbaren Signalton des Autofahrer-Rundfunk-Informationssystems ARI, profaner auch als Verkehrsfunk bezeichnet. 1976 präsentierte Blaupunkt ein erstes ARI-Radio, erkennbar an einem Signallämpchen, das immer dann aufleuchtete, wenn das Triller-Funksignal die automatische Umschaltung auf die Stauwarnung veranlasste.

Von der Kassette zur iPod-Schnittstelle

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