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Apple iPhone und Watch im Test : Ein fauler Apfel am Arm

Neue Displaytechnik für die Series 5

Die neue Apple Watch Series 5 bringt ein grundlegend anderes Display mit. Ihre Oled-Anzeige wird beim Senken des Arms nicht mehr ausgeschaltet, sondern sie bleibt immer an, wenngleich gedimmt. Die dahintersteckende Displaytechnik nennt Apple LTPO. Die Abkürzung steht für Low Temperature Polycrystalline Oxide, es geht um die Bestandteile des Oled-Panels, die einen besonders energieeffizienten Einsatz erlauben sollen.

Die neue Anzeige arbeitet zudem mit einer Senkung der Bildwiederholrate von 60 Hertz auf ein Hertz. Ein kleines Detail zeigt dies deutlich: Ist ein Ziffernblatt mit Sekundenzeiger gewählt, verschwindet dieser im Ruhemodus. Ist ein helles Ziffernblatt mit weißen Hintergrund aktiv, wird es im Ruhemodus schwarz. Einige Informationen werden komplett ausgeblendet, etwa die Anzeige der Umgebungslautstärke, wenn diese als Widget in einem Ziffernblatt enthalten ist.

Durch die Software-Anpassung und Displaytreiber für niedrigen Energieverbrauch will Apple sicherstellen, dass die Akkulaufzeit der Series 4 erreicht wird, rund 18. Stunden. Das schaffte unsere Uhr nur selten. Morgens um 6 Uhr in Betrieb genommen, schaltete sie meist schon am frühen Abend bei 10 Prozent Ladestand in die Gangreserve mit reduzierter Darstellung. Wir probierten zwei Uhren aus. Die Akkulaufzeit hängt natürlich ab von der Zahl der Aktivierungen, der eintreffenden Push-Meldungen und ganz wesentlich von der Protokollierung der Sportaktivitäten, die bei uns täglich auf der Agenda standen. Entwickler berichten eine deutlich längere Laufzeit mit dem kommenden Watch OS 6.1. Dass Apple ein solcher Lapsus passiert, wundert indes.

Problem Akkulaufzeit

Die Vorteile des Always-on-Displays liegen indes auf der Hand: Der schwarze Bildschirm im Ruhemodus der Vorgängermodelle erscheint einem schon nach kurzer Zeit als Anachronismus. Die Bewegung des Handgelenks zur Anzeige der Uhrzeit entfällt, und man kann wie bei einer herkömmlichen Uhr aus dem Augenwinkel heraus die Zeit ablesen, ohne ausdrücklich den Arm zu bewegen. Man muss auch nicht befürchten, dass Dritte heimlich während des Ruhemodus neue Push-Nachrichten mitlesen. Mit zwei Menüeinträgen kann man Always on deaktivieren, damit die Akkulaufzeit drastisch erhöhen, sowie private Informationen ausblenden lassen.

Die Apple Watch Series 5 hat sodann wie das iPhone einen Kompass eingebaut, was die Orientierung unterwegs oder im Gelände ungemein erleichtert. Die Notruffunktionen, etwa nach der Erkennung eines Sturzes, wurden erweitert. Ein Hilferuf kann über die Apple-Watches mit Mobilfunk in 150 Ländern abgesetzt werden, selbst dann, wenn die E-Sim-Karte nicht aktiviert und ein iPhone nicht in der Nähe ist. Nur in zwei Ländern funktioniert dies nicht, weil die Mobilfunker „anonyme“ Hilferufe sperren: in Japan und in Deutschland.

Die Sensoren zur Messung der Herzfrequenz, zum Erstellen eines EKG oder zur GPS-Ortung sind nach unseren Eindrücken so gut wie bisher. Bei der Aufzeichnung von Jogging-Runden legt die Apple Watch eine Präzision an den Tag, die von keiner anderen Sportuhr erreicht wird. Die Messung der Herzfrequenz war bei uns exakt mit einer Ausnahme: Während des Joggens gibt es immer wieder Aussetzer und Artefakte. Dieses Problem hatten wir bislang mit allen Apple Watches. Nötigenfalls muss man einen Brustgurt verwenden. Die Series 5 kostet in verschiedenen Gehäusevarianten von 450 Euro an.

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