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Apple : Siri will doch nur helfen

Man kann nicht sagen, dass Apple die Ideen ausgehen. Aber es kommt immer häufiger vor, dass die Entwickler Erweiterungen vorstellen, die technisch vielleicht anspruchsvoll sind, aber wenige Menschen brauchen.

          Auf einmal tauchte in einer Lichtung dieser liebevoll restaurierte Jagdhof auf. Es war unschwer zu erkennen, dass es ein Restaurant ist. Das Essen musste gut sein, schließlich war der Parkplatz voll von anspruchsvollen Autos. Wir hatten jenseits der beliebten Touristenroute mitten in den Masuren eine Gourmet-Perle in wunderbarer Natur gefunden. Einfach so.

          Was hätte wohl Siri vorgeschlagen? Apples Vielversteher soll im neuen iOS 6 Restaurants in nächster Umgebung finden und reserviert dort gleich einen Tisch. Zwischen Mikolajki und Ruciane Nida also schnell ins iPhone diktieren: „Finde ein Restaurant, bitte Tisch für drei Personen mit Kinderhochstuhl.“ Selbst wenn Siri „Potocki bei Galkowo“ empfehlen würde, wollte man da noch hin? Schließlich sind Geheimtipps deswegen so gut, weil sie nur wenige kennen.

          Man kann nicht sagen, dass Apple die Ideen ausgehen. Aber es kommt immer häufiger vor, dass die Entwickler Erweiterungen vorstellen, die technisch vielleicht anspruchsvoll sind, aber wenige Menschen brauchen. Bisher hatte sich Apple meist nach den Bedürfnissen der Nutzer gerichtet. So wird nun, nach der Integration von Twitter in iOS 5, Facebook in iOS 6 integriert. Unter den knapp 1 000 000 000 Facebook-Nutzern waren sicherlich einige dabei, die das gefordert haben.

          Wenn Apple schon fremde Social-Media-Produkte in iOS integriert, warum setzt man zukünftig auf eigenes Kartenmaterial? Google leistet mit Maps hervorragende Arbeit, Android-Nutzer lieben es. Neue Funktionen wie die 3D-Ansicht von Städten oder die Live-Verkehrsinformationen, die Apple ab Herbst in seinem eigenen vektorbasierten Kartenmaterial anbietet, gibt es auch bei Google Maps. Uns hätte bei den Fahrten durch das masurische Verkehrsnetz viel mehr gefreut, wenn man auf dem iPhone - so wie es auf Android-Geräten möglich ist - selbstgewählte Ausschnitte von Karten auch offline verwenden könnte. Dank GPS kann man dann nämlich wunderbar navigieren.

          Nun sind die ruhigen und fast internetlosen Urlaubstage in Polen vorbei. Das eher hektische Frankfurt und der doch sehr onlinelastige Job haben uns wieder. Und plötzlich kehrt das Interesse an Apps wie Passbook zurück. Apple hatte auch diese Neuigkeit auf der WWDC verkündet. Passbook braucht man nicht wirklich - weder in den Masuren noch in New York. Aber die Idee ist einfach zu gut - wenn auch recht alt: Das Smartphone wird zum Ausweis für alles: Auf dem iPhone kann man dann Ausweise, Hotelbuchungen, Bordkarten oder Tickets speichern, die sich passend zum Termin auf dem gesperrten Bildschirm zeigen und nur noch gescannt werden müssen. Vieles geht zwar schon jetzt mit den entsprechenden Einzel-Apps: In der Bahn halten wir als Ticket nur noch das iPhone mit dem Barcode hin, und am Gate am Flughafen taten wir es beim Flug nach Warschau ebenso. Und die anderen Einsatzmöglichkeiten werden vermutlich mit Passbook in Deutschland eh nie funktionieren.

          Aber wer weiß: Vielleicht fahren wir nächstes Jahr wieder mit dem Auto durch die Masuren, haben vergessen, wo genau das Restaurant liegt, fragen Siri, werden zufällig zu unserem Jagdhof Potocki in Galkowo geführt, wo bereits ein Tisch reserviert und das Essen mit Passbook bestellt wurde. Dann gehen wir einfach offline und genießen die Lamm-Piroggen.

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