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Anwendungen fürs iPhone : Welche Appsichten verfolgt Apple?

Aus einer winzigen Nische wurde ein riesiger Markt: Alle Welt spricht von „Apps“, den Mini-Programmen fürs iPhone. Vor einem Jahr standen rund 10.000 Apps parat, aktuell sind es mehr als 100.000. Der Erfolg von Apple ruft jedoch auch Kritik hervor.

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          Geld verdienen mit den Ideen anderer Leute. Und mit den längst verkauften Geräten beim Kunden. Diese Maxime hört sich ein wenig nach einem ökonomischen Perpetuum mobile an, aber sie funktioniert verblüffend gut. Die Rede ist von Apples „App Store“, der seit seiner Eröffnung im Juli vergangenen Jahres eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben hat. Hier lassen sich Zusatzprogram- me für das iPhone-Kulthandy und den Musikspieler iPod Touch laden: „Apps“, die Kurzform steht für „Applications“. Apples Software-Laden floriert: Vor einem Jahr standen rund 10.000 Apps parat, aktuell sind es mehr als 100.000. Jede Woche werden 10.000 neue Apps eingereicht. Im September verkündete Apple stolz, dass seit der Gründung zwei Milliarden Apps geladen wurden, die Hälfte davon wiederum nur in den vergangenen sechs Monaten, im April wurde die Milliardenmarke geknackt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          (Siehe auch das Ergebnis der FAZ.NET-Umfrage: iPhone: Das geht App!)

          Nahezu jeder hat Apps auf seinem iPhone: In dem kunterbunten Allerlei gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Von der Wasserwaage über die elektronische Zeitschrift bis zum „Maggi Eierlaufen“, bei dem Küchenakrobaten mit Ei und EiPhone balancieren sollen, dahinter steckt der bekannte Hersteller von Tütensuppen. Apps gelten in der jüngeren Generation als „cool“, man muss die besten, schönsten oder sinnvollsten entdecken, sie sind ein Instrument der Distinktion angesichts der Hardware im Einheitsdesign. Und das Smartphone wird noch einmal neu definiert, es wird zum Schweizer Taschenmesser des Digitalzeitalters, es transportiert Software, Spiele, Musik und Inhalte aller Art. Apple hat einen bis dahin winzigen Nischenmarkt zu signifikanten Reichweiten gebracht, schon ist die Rede von einer App-Ökonomie. Das iPhone ist bei den deutschen Medien der erste, einzige und wichtigste Kanal für die elektronische Verbreitung von Nachrichten. Über kurz oder lang werden alle wichtigen Zeitungen und Zeitschriften mit einer App auf dem iPhone vertreten sein, die Ankündigungen überschlagen sich geradezu.

          Sehr einfache Ideen

          Der überraschende Erfolg basiert im Grunde genommen auf sehr einfachen Ideen: Sowohl das iPhone wie auch der iPod Touch (ohne Telefonfunktion) sind hermetisch geschlossene Systeme. Zusätzliche Software lässt sich im Unterschied zu anderen Handys nicht per Bluetooth, Kabel oder Speicherkarte aufspielen, sondern nur mit einem iTunes-Account. iTunes war ursprünglich die Musiksoftware von Apple, sie ist nun im Zweitjob die zentrale Anlaufstelle für Software-Erweiterungen.

          Und weil es nur diesen einen Weg gibt, über den jedes Zusatzprogramm gehen muss, kann Apple als Türsteher und Oberkontrolleur eine Position besetzen, für die es bislang kein Beispiel gibt. Kaufte man früher Handy-Software direkt beim Programmierer, hat Apple nun die gesamte Entwicklerwelt im Griff: Das Unternehmen in Kalifornien legt die Richtlinien für die Software-Entwicklung fest, es gibt ein Zulassungsverfahren für jedes einzelne Programm. Apple übernimmt das Marketing und den Vertrieb, bestimmt, welche Software prominent auf sogenannten Schaufensterplätzen hervorgehoben oder gar durch Anzeigen beworben wird. Apple ist der Ansprechpartner des Kunden, nimmt die Verkaufserlöse ein und behält davon 30 Prozent für sich. Der Rest geht an die Entwickler, derzeit sind das rund 125 000, viele davon Einzelpersonen, aber auch etliche große Unternehmen, vor allem Hersteller von Spielen und Navigationslösungen.

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