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Aktive oder passive Boxen? : Digitalisierte Musik hat guten Sound verdient

Bild: F.A.Z.

Musik auf dem Computer und anspruchsvolle Lautsprecher: Dafür bieten sich im Wesentlichen zwei Systeme an. Aktive Boxen mit W-Lan als Komplettpaket oder eine Kombination aus passiven Lautsprechern, Verstärker und Digital-Analog-Wandler.

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          Alles digital: Musik gibt es bei uns zu Hause nur noch in Form komprimierter Audiodateien. Alle Lieder liegen auf Computer, Tablet und Smartphone. Oder sie strömen von Servern solcher Musikdienstleister wie etwa Spotify. Die nach Plastik aussehenden und auch klingenden PC-Lautsprecher aus dem Elektroniksupermarkt sind wir leid. Anspruchsvolle Lautsprecher sollen her. Außerdem wollen wir Quellgerät als auch Raum zum Musik hören frei wählen können. Was tun?

          Zum Beispiel in iTunes soll die Musik ihren Weg durch das heimische Netz beginnen und in anspruchsvollen Lautsprechern enden

          Das heimische Netz soll per W-Lan die Distanz zwischen Abspielgerät und Lautsprecher kabellos überbrücken. Zwei Möglichkeiten bieten sich im Wesentlichen an: Der direkte Weg vom Computer über den Router hin zu aktiven Boxen, die digitale Signale empfangen und umwandeln können. Oder die Daten gehen erst den Umweg über einen Streaming Client sowie einen Verstärker, der mit digitalen Signalen etwas anfangen kann.

          Da wir zu Hause iMac, iPad und iPhone nutzen, verwalten wir die Musik mit iTunes und haben des Weiteren als Streaming-Client Apple-TV integriert. Eine ähnliche Konstruktion wäre denkbar mit Nexus Q, dem neuen Medienverteiler von Google, und Android-Geräten als Quelle. Hier schon mal eine Warnung an Apple-Nutzer: Verlässt man den iTunes-Kosmos, um Musikdienste wie Spotify zu integrieren, wird es sehr kompliziert. Das liegt daran, dass Apple die Airplay-Funktionalität fast nur in hauseigener Software integriert. Mit Programmen wie Airfoil kann man das Problem umgehen.

          Die Lösung mit passiven Boxen

          Für den Einsatz passiver Boxen spricht, dass viele Musikhörer diese bereits an ihrer analogen Anlage verwenden und auf diese nicht verzichten und gerade bei der Auswahl der Boxen flexibel sein wollen. Beim Einsatz eines Streaming Clients bedarf es eines Vollverstärkers, der digitale Signale in analoge umwandelt. Der A H-01 von Teac ist für diesen Zweck ein gelungenes und günstiges Beispiel aus dieser Gerätegattung für knapp 500 Euro. Der Vollverstärker mit D/A-Wandler hat den Vorzug, dass er sich aufs Wesentliche beschränkt und somit auch wenig Platz im Wohnzimmer wegnimmt. Seine quadratisches Gehäuse ist kompakt und schick. Von den Anschlüssen ist keiner zu viel. Drei digitale Eingänge nehmen die Audiosignale an: optisch, koaxial und USB. Daneben warten zwei Line-in-Eingänge auf analoge Signale. Ein Ausgang versorgt den Subwoofer, ein weiterer den Kopfhörer per 6,3-mm-Klinke. Der motorgetriebene Lautstärkeregler lässt sich wohldosiert bedienen.

          Der Teac A H-01 für knapp 500 Euro beschränkt sich auf Nötigste, sieht schick aus und spart Platz

          Der Digital-Analog-Wandler nimmt es mit den eingespeisten digitalen Dateien in höchster Qualitätsstufe auf. Über den optischen oder koaxialen Eingang werden Abtastraten von bis zu 96 Kilohertz und Samplingtiefen von bis zu 24 Bit erreicht. Das ist weit über CD-Qualität. Wer dem Wandler noch höher aufgelöste Musik in Form von DVD-Audio oder Flag-Dateien anbieten will, muss dies über die USB-Schnittstelle tun und sie im asynchronen Modus abspielen. Dann sind Abtastraten von 192 Kilohertz mit 32 Bit Tiefe möglich. Der Teac A H-01 versorgt mit seinen zwei Mal 60 Watt notfalls auch den Nachbarn mit Sound. Die Beurteilung des Klangs ist natürlich maßgeblich abhängig von den passiven Boxen. Bei den von uns getesteten war er sehr ausgewogen und gab ein breites Spektrum wieder. Auch High-End-Boxen dürften an dem Teac ihren Klang entfalten.

          Die Lösung mit aktiven Boxen

          Wer sich für aktive Boxen mit W-Lan-Empfänger entscheidet, dem könnte das Raumfeld-System von Teufel gefallen. Es besteht in der Grundausstattung aus zwei Lautsprechern, die per Boxenkabel verbunden werden. Dieses Set gibt es in drei Größen für jeweils 300, 600 und 1300 Euro. Wir haben uns die Variante „M“ angeschaut. Im Gehäuse der „Master-Box“, die eine Stromversorgung benötigt, stecken Stereoverstärker und Digital-Analog-Wandler. Ein W-Lan-Empfänger sorgt dafür, dass die Lautsprecher kabellos ins heimische Netz eingebunden werden können. Am besten steuert man das Raumfeld-Set per Smartphone mit einer Gratis-App. Auf die 400 Euro teure „Fernbedienung“ kann man daher getrost verzichten.

          Der Controller kostet stolze 400 Euro und bietet dafür nicht viel mehr als die kostenlose App

          Unsere Erfahrung zeigt, dass es mit dem Streaming hin und wieder hakelt. Auch stürzt die App manchmal ab. Das am Anfang notwendige Sichten der Dateien auf der Computerfestplatte dauerte viele Stunden. Andere kabellose Musiksysteme wie Sonos arbeiten in diesen Punkten etwas schneller und zuverlässiger.

          Das Raumfeld-System von Teufel besteht aus Lautsprechern, Verstärker, Digital-Analog-Wandler und W-Lan-Empfänger. In der M-Variante kostet es 600 Euro

          Die Stärken des Raumfeld-Systems liegen aber eh woanders. Der Sound zeigt keine Schwächen. Er ist kristallklar, raumeinnehmend und voll. Weder die differenzierten Höhen noch die satten Bässe überspielen die Mitte, so dass gerade die Stimmen sehr deutlich hervortreten. Ebenso wie der Teac-Verstärker hat die M-Variante mit 120 Watt Leistung genug Kraft.

          Wer also bei der Audio-Ausstattung seines Wohnzimmers von vorn anfängt, kann sich für knapp 600 Euro hervorragenden Sound kaufen - sofern die digitale Versorgung steht. Der modulare Aufbau mit kleinem Vollverstärker inklusive Digital-Analog-Wandler wie etwa dem Teac A H-01 punktet mit Flexibilität. „Alte“ passive Lautsprecher können ebenso ins System integriert werden wie Geräte mit digitalem Ausgang. Analog bleibt am Schluss aber immer noch eines: der Klang.

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