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Agritechnica : Traktoren rollen wie am Schnürchen

  • -Aktualisiert am

Der Ropa-Zuckerrübenvollernter repräsentierte geballte Spitzentechnik Bild: Stefan Klarner

Landmaschinen werden effizienter und „intelligenter“: Neuheiten der Agritechnica auf dem Messegelände in Hannover.

          4 Min.

          Auf den Äckern der Welt wird gepflügt, geeggt, geschnitten und gebündelt. Um diese Arbeiten effektiv ausführen zu können, suchen die Hersteller von Traktoren und Landmaschinen neue Techniken - oder verbessern die altbewährten. Kamen landtechnische Neuerungen lange nahezu ausschließlich aus Europa und Nordamerika, so entwickeln inzwischen Ingenieure aus der ganzen Welt interessante Lösungen. Auf der Agritechnica 2011 konnte man sich davon überzeugen.

          Traktoren, Geräte und Komponenten aus annähernd 50 Ländern luden die Besucher auf das Messegelände in Hannover zum kritischen Vergleich ein - und die kamen aus dem Staunen nicht heraus. Denn zur traditionellen Entwicklung des größer, stärker und leistungsfähiger gesellt sich nun ein zweiter Trend, der geprägt ist von Intelligenz und Effizienz. Nicht mehr die technische Insellösung steht im Vordergrund, sondern die Steuerung und Automatisierung ganzer Prozesse. Traktor und Arbeitsmaschine werden als Einheit verstanden, bei der die angehängte Maschine durchaus das Kommando übernehmen kann. "Tractor Implement Automation" heißt das Zauberwort und deutet an, dass Ladewagen, Ballenpresse oder auch Kartoffelroder die Fahr- und Zapfwellengeschwindigkeit des Traktors so zu steuern vermögen, dass ein optimaler Einsatz des Gespanns erreicht wird. Und über alles wird eine Dokumentation erstellt. Die Rückvollziehbarkeit, die etwa beim Kartoffelanbau von den Verbrauchern gefordert wird, ist so nahezu lückenlos möglich.

          Regulieren und dokumentieren

          Eine Systematik in die Fülle der landtechnischen Innovationen hineinzubringen, ist Aufgabe der von der veranstaltenden Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft eingesetzten Neuheiten-Kommission. Knapp 30 Experten unter der Leitung des Hohenheimer Agrartechnikprofessors Karlheinz Köller haben vor Messebeginn die von den Ausstellern angemeldeten Vorschläge geprüft.

          Besonderes Interesse heimste das System "Toni" (Telematics on implement) ein, da hier erstmals sieben Hersteller (Claas, Amazone, Horsch, Kamps de Wild, Lemken, SGT Schönebeck, Zunhammer) eine gemeinsame Datentechnik vorstellten, mit der das Übertragen der auf dem Traktor anfallenden Informationen auf den Betriebscomputer des Landwirts möglich wird. Der Weg hin zu einer Standardisierung scheint eingeleitet. Ganz gleich, von wem die Maschine stammt, lassen sich nun Ausbringmengen teilflächenspezifisch regulieren und dokumentieren, Maschineneinstellungen abstimmen, Personal- und Maschineneinsatz optimal planen. Die Jury war begeistert und ehrte Toni mit einer der 39 verliehenen Silbermedaillen. Eine weitere erhielt der zum Fiat-Konzern gehörende Landmaschinenhersteller New Holland. "Smart Key" nennt er seinen mit einem Chip ausgerüsteten Universalschlüssel, der dem Fahrer das Starten zuvor freigeschalteter Maschinen erlaubt. Der Schlüssel kann jedoch noch mehr. Alle relevanten Maschineninformationen werden in einem Dokument abgelegt. Zudem bietet der elektronische Schlüssel einen Wegfahrschutz, der immer häufiger von Versicherungen gefordert wird.

          Traktoren, Geräte und Komponenten aus annähernd 50 Ländern luden die Besucher auf das Messegelände zum kritischen Vergleich ein Bilderstrecke

          Deutlich mehr Gehirnschmalz steckt in den mit einer Goldmedaille geehrten Innovationen. Eine der beiden vergebenen ersten Preise erhielt der zum AGCO-Konzern gehörende Marktoberdorfer Traktorenhersteller Fendt für seine elektronische Deichsel "Guide-Connect". Hinter diesem Begriff steht eine wahre Revolution der Landmaschinentechnik: Mit Hilfe des "intelligenten" Lenksystems kann ein Traktorfahrer zwei Zugmaschinen gleichzeitig steuern. Haargenau und präziser als dies einem zweiten Fahrer möglich wäre, folgt der fahrerlose Traktor seitlich versetzt dem ersten Fahrzeug und verdoppelt so die Arbeitsbreite. Die Kommunikation zwischen beiden Fahrzeugen erfolgt über Funk und bedient sich einer hochpräzisen GPS-Lenkung. Fendt garantiert für die Zuverlässigkeit dieser Technik, und verspricht, dass sie störungsfrei arbeitet. Zudem haben die Ingenieure aus Marktoberdorf angedeutet, dass die automatisierte Parallelfahrt von Traktoren in naher Zukunft auf drei, vier oder gar noch mehr Maschinen ausgedehnt werden kann. Für kleinere Landwirtschaftsbetriebe kommt Guide-Connect nicht in Betracht, wohl aber für die größer werdenden Spitzenbetriebe und den wichtiger werdenden "überbetrieblichen Maschineneinsatz".

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