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Abschied von Air Berlin : Ich war ein Berliner

Zwei Auslaufmodelle: An diesem Freitag soll das letzte Flugzeug der Air Berlin in Berlin-Tegel landen. Bild: dpa

Ab diesem Freitag stellt Air Berlin den Flugbetrieb ein. Das Drama um die insolvente Fluggesellschaft hat ganz Deutschland bewegt. Ein Abschiedsgruß.

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          Nun heißt es Abschied nehmen von Air Berlin. Der kühle Betriebswirt muss das nicht bedauern. Die auf Initiative eines amerikanischen Piloten und den ersten Flug am 28. April 1979 mit einer Boeing 707 von Berlin nach Palma de Mallorca zurückgehende Gesellschaft hat zuletzt nur Verlust eingeflogen, und niemand fand ein Rezept zur finanziellen Gesundung. Der Freund des Wettbewerbs macht sich schon mehr Sorgen, denn dass sich die große Teile übernehmende Lufthansa mit ihrer eigenen Tochter Eurowings Konkurrenz machen will, ginge an Karneval als guter Scherz durch. Joachim Hunold, der hemdsärmelige und charismatische Gründer der 1991 aus der Taufe gehobenen deutschen Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG stammt aus der Karnevalshochburg Düsseldorf, doch das Lachen ist ihm lange vergangen. Die Gesellschaft, die er prägte, führt er schon seit Jahren nicht mehr.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wer sich für Fliegerei interessiert, der wird jetzt eine Träne im Auge haben. Der Autor dieser Zeilen verbrachte mal mit Kapitän Mark Hoffmann einen Arbeitstag im Cockpit einer Boeing 737 auf der Suche nach dem verpassten Berufsglück. Ja, Linienpilot war ein Jugendtraum, der sich nicht erfüllte. Heute ist er darüber nicht mehr traurig, er darf weiter an der Fliegerei schnuppern. Ein Höhepunkt war die Überführung einer fabrikneuen Boeing 737-800 aus Seattle mit Ausbildungskapitän Tim Techt, dem nachts bei dichtem Schneetreiben und heftigem Querwind in Keflavik eine zum Tanken notwendige Zwischenlandung wie aus dem Bilderbuch gelang.

          Gute Mine zum bösen Spiel Bilderstrecke

          Air Berlin flog lange Zeit nur Boeing, die Liebe ging so weit, dass die Telefonnummer in der Berliner Zentrale 737800 war. Doch Airbus machte gute Angebote, wirtschaftlich wie technisch, und so kamen immer mehr Maschinen aus Toulouse in den Flugpark. 144 umfasste die Flotte im Frühjahr dieses Jahres, darunter nur noch 14 Boeing, aber 110 Airbus. Und 20 kleinere Bombardier Q 400. Inzwischen ist ein Durcheinander entstanden, mal steht Niki drauf, obwohl Air Berlin drin ist, seit auch der vermeintliche Retter Etihad gescheitert ist, geht es rasant bergab. Am 15. August 2017 erfolgte der Insolvenzantrag.

          Viele Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Den meisten Piloten liegen bis heute keine Angebote oder, etwa von Eurowings, solche mit bis zu 40 Prozent Gehaltseinbuße vor. Den letzten Langstreckenflug beendete der Pilot vergangene Woche mit emotionalen Abschiedsworten und einer unerwarteten Ehrenrunde über dem Flughafen Düsseldorf. Er erntete Beifall der Passagiere, die in solchen Dingen humorfreie Flugaufsicht ermittelt.

          Aber wer könnte ihn nicht verstehen? Das Trauerspiel findet sein Ende an diesem Freitag. Die letzte Maschine mit der Flugnummer AB 6210 soll um 21.35 Uhr in München starten und in Berlin-Tegel um 22.45 Uhr landen. Dann wird Air Berlin Geschichte sein.

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