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Tech-Talk : Ablenkung

  • -Aktualisiert am

Im Unterschied zum Auto bietet ein Motorrad wenig Schutz. Nun fördern die Hersteller mit ihrer „Konnektivität“ auch noch, dass der Fahrer bestmöglich abgelenkt wird.

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          Stellen Sie sich vor, Ihr Sohn oder Ihre Tochter, der Ehemann oder die Gattin fahren Motorrad. Solch ein Gedanke bereitet vielen Angehörigen Unbehagen. Nicht zu Unrecht. Es ist nun mal riskant. Im Unterschied zum Auto bietet ein Motorrad wenig Schutz. Ein Moment der Unaufmerksamkeit kann üble Folgen haben. Wer beispielsweise mit dem Auto, durch irgendetwas abgelenkt, bei Landstraßentempo mit einem Rad auf den unbefestigten Fahrbahnrand gerät, hat gute Chancen, mit dem Schrecken davonzukommen, durch reflexartiges Gegenlenken.

          Wem das mit dem Motorrad passiert, der fliegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ab. Stellen Sie sich nun vor, Ihr Sohn oder Ihre Tochter, Ihr Mann oder Ihre Frau sind mit dem Motorrad unterwegs, irgendwo, während auf dem modernen Farbbildschirm des Cockpits allerlei Informationen eingehen. Navi-Kommandos, frisch auf dem Smartphone eintreffende Nachrichten und auch Hinweise auf Anrufe, die übers Headset im Helm gleich angenommen werden können. Für die Darstellung der Musiktitel in den Playlists des Smartphones ist ebenfalls gesorgt, Durchzappen inklusive.

          Nein, derlei ist nicht Zukunft, die Verbreitung setzte vor wenigen Jahren ein, nun wird es ringsum zum Standard, wie soeben der Mailander Zweiradsalon in aller Deutlichkeit gezeigt hat. Alle machen mit, kein Motorradhersteller mehr, der nicht auf verkaufsförderndes Lifestyle-Brimborium setzt, auf „Konnektivität“, die Verknüpfung des Handys mit der Maschine, die Einbindung von Apps, die Darstellung ablenkender Inhalte auf dem Display am Lenker.

          Aber stellen Sie sich vor: Am Horizont erscheinen schon umsatzankurbelnde Gegenmittel in Form von radar- und kameragestützten Spurhalte- und Kollisionswarnern, Verkehrszeichenerkennern, Notbremsassistenten. Wie einst in der Autoindustrie. Ist das nicht toll?

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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