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5G und die Zukunft : Abgebrochen

  • -Aktualisiert am

Nichts gegen das 5G-Mobilfunknetz. Aber wenn der Zukunftshype von der Investition in dringende Tagesaufgaben ablenkt, dient er dem Fortschritt wohl kaum.

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          Ach wäre doch schon 2020. Dann haben wir, wenn all die Cebit-Verheißungen zutreffen, 5G-Mobilfunknetze, die mal eben 10 Gigabit je Sekunde durch die Luft jagen und Datentelegramme innerhalb von ein paar Millisekunden übermitteln. So kann sie endlich kommen, die fahrerlose Mobilität und was man nach 2020 sonst noch so braucht. Fehlt nur noch ein regierungsamtliches „Wir schaffen das“. Woran wir unsere Zweifel hätten. Immerhin: Fahren ohne Steuer in der Hand können wir jetzt schon, etwa in der Bahn, was wir gern gelegentlich tun, nicht zuletzt, um beruflich von A nach B zu kommen. Mobilfunkanbindung gibt es da ebenfalls schon heute, allerdings auf eher musealem Niveau. Noch vor Monaten konnte man kaum mal ein paar E-Mails unfallfrei expedieren. Allerdings: Es ist besser geworden.

          Die Bahn ließ neue Router installieren, die gleichzeitig auf alle verfügbaren Mobilfunknetze zugreifen, und das selbst in der zweiten Klasse kostenlos. Tatsächlich ist das ein dankenswerter Fortschritt, nur müssten, um die Sache brauchbar zu gestalten, außerhalb der Waggons die Mobilfunknetze mitspielen. Dort aber herrscht immer noch auf weiten Strecken Totalflaute auf allen Frequenzen, besonders in Mecklenburg-Vorpommerns grünen Wiesen zwischen den beiden größten deutschen Städten. Neulich mussten wir zwischen Fulda und Göttingen vom Zug aus dringend ein paar fachliche Dinge telefonisch klären. Acht Mal haben wir uns eingewählt, weil nach ein paar Sätzen ein Bahndamm oder ein Tunnel die Sprechverbindung kappte. Wie man dergleichen beheben könnte? Antennen und Repeater in angemessenem Abstand an die Masten der Fahrstrom-Versorgung schrauben wäre eine probate Maßnahme, zusätzliche Repeater in den Waggons eine weitere. Nichts gegen 5G, aber wenn der Zukunftshype von der Investition in dringende Tagesaufgaben ablenkt, dient er dem Fortschritt wohl kaum.

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