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Michael Spehr (misp.)

Tech-Talk : 5G an der Milchkanne

  • -Aktualisiert am

Die Bundesnetzagentur hat die Vergaberegeln für den künftigen 5G-Standard verabschiedet. Das Drama kann seinen Lauf nehmen. Der systemische Geburtsfehler früherer Frequenzauktionen wird bewusst wiederholt.

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          Deutschland soll zum Leitmarkt für 5G-Anwendungen werden, hatte das Bundeskabinett nach seiner Digitalklausur in Potsdam verkündet. Nun wird beim Mobilfunkstandard der Zukunft wieder zurückgerudert. Kein 5G an jeder Milchkanne, sagt Ministerin Karliczek, und Kanzleramtschef Braun pflichtet bei, auch 4G sei schon „verdammt schnell“ und versorge die Menschen gut. 100 Prozent Netzabdeckung für 5G seien übertrieben.

          Die Bundesnetzagentur hat jetzt die Vergaberegeln für den künftigen Standard verabschiedet, und das Drama kann seinen Lauf nehmen. Der systemische Geburtsfehler früherer Frequenzauktionen wird bewusst wiederholt, wenn man nun abermals vorschreibt, was noch nicht einmal für 4G erreicht ist, dass nämlich nur 98 Prozent aller Haushalte versorgt werden, im Falle 5G bis Ende 2022. Das bedeutet, dass wie bisher 20 bis 30 Prozent der Fläche unversorgt bleiben.

          Der Chef von United Internet, Ralph Dommermuth, brachte es auf den Punkt: Wir verzwergen uns im Vergleich zu Ländern wie Südkorea, Japan, den Vereinigten Staaten und China. Die Idee eines deutschen Leitmarkts für 5G ist schon jetzt eine Totgeburt. Zurück an die Milchkannen, mag man der Politik entgegenrufen.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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