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50 Jahre Carrera-Bahn : Ein rasantes Jubiläum

  • -Aktualisiert am

Zieldurchfahrt: Rennatmosphäre mit aktuellen Tourenwagen bei der Carrera Challenge Bild: Peter Thomas

1963 war die Jugend am Drücker: Vor einem halben Jahrhundert kam die erste Carrera-Rennbahn auf den Markt. Die Marke wurde in Deutschland zum Synonym für Autorennbahnen überhaupt, heute fahren die Wagen digital und ferngesteuert.

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          Satt steht unser grüner Lotus Climax auf seinen schmalen Reifen. Sein erster Renneinsatz liegt bald ein halbes Jahrhundert in der Vergangenheit, doch der Monoposto duckt sich noch heute so dynamisch über die schwarze Fahrbahn, als sei er bereit für den nächsten Grand-Prix-Start. Jetzt fehlt nur noch der Daumendruck auf den elektrischen Regler, der für Fahrstrom und damit Tempo sorgt. Denn der Formel-Rennwagen im Maßstab 1:32 gehörte zu den ersten Modellen der elektrischen Rennbahn Carrera 132 Universal, die 1963 vom fränkischen Spielzeughersteller Neuhierl auf den Markt gebracht wurde.

          Dynamischer war bislang kein elektrisches Spielzeug gewesen als diese Autos, die – von einem Leitkiel unter der Vorderachse in einem Schlitz in der Fahrbahnmitte geführt – über die Kunststoffbahnen rasten. Per Tastendruck am Handsteuergerät wurde beschleunigt, bis die Formel-Boliden, Rennsportwagen und Serienautomobile durch die Kurven drifteten. Und wenn der Fahrer zu viel elektrische Energie auf die im Schlitz liegenden Stromschienen gab, flogen die Renner mit Heckantrieb in Kurven und Schikanen aus der Bahn. Im Gegensatz zu älteren Autorennbahnen mit einer Führung durch eine erhabene Schiene in der Fahrbahnmitte bot diese Lösung erheblich größere Realitätsnähe und Spielfreude.

          Schlingerkurs bei Erfolg und Qualität

          Für Kinder und Jugendliche (aber auch für viele Erwachsene) sah die Modelleisenbahn plötzlich irgendwie alt aus, der Nachwuchs war nun mit der Carrera-Bahn am Drücker. Andreas Stadlbauer ist ebenfalls mit den Rennbahnen aus Fürth aufgewachsen. Die allerersten Carrera-Jahre hat der Spielwarenunternehmer, Jahrgang 1967, zwar nicht mitbekommen. Aber spätestens im Grundschulalter packte ihn die Rennbahn-Begeisterung, erzählt Stadlbauer heute: „Mein erstes Lieblingsauto war der Ferrari von Niki Lauda aus dem Jahr 1974.“ Mit der in Franken produzierten Rennbahn hatte das Familienunternehmen Stadlbauer aus Salzburg lange Jahre als österreichischer Generalimporteur und Großhändler zu tun.

          1999 schließlich übernahm man die Marke, denn nach dem Konkurs von Carrera und den Freitod des Inhabers Hermann Neuhierl im Jahr 1985 hatte Carrera einen Schlingerkurs hinsichtlich Markterfolg und Produktqualität eingeschlagen. Unter der Ägide der Stadlbauer-Gruppe knüpfte Carrera im neuen Jahrtausend wieder an den Erfolg der Gründerzeit an. Heute sind rund 150 verschiedene Fahrzeuge für fünf verschiedene Systeme im Programm, die allerdings mit der Drei-Leiter-Technik der ersten Jahre nicht mehr kompatibel sind. Längst fährt Carrera auf Zwei-Leiter-Bahnen, und zwar in drei Maßstäben (1:43, 1:32 sowie 1:24). Gesteuert wird analog (Carrera Evolution im Maßstab 1:32 seit 1998 und Carrera Go!!! im Maßstab 1:43 seit 2001) sowie digital in allen drei Größen (Carrera Digital 124 seit 2008 sowie Carrera Digital 132 und 143 jeweils seit 2007).

          Kurvenkampf über alle Wagenklassen hinweg: Das gibt es nur auf der Rennbahn mit dem Schlitz
          Kurvenkampf über alle Wagenklassen hinweg: Das gibt es nur auf der Rennbahn mit dem Schlitz : Bild: Peter Thomas

          Seit vergangenem Jahr gibt es auch Handregler, die ihr Signal über Funk drahtlos an die Bahn übertragen (Carrera Wireless+). So kann sich jeder Pilot frei an den Strecke bewegen. Bei der 2,4-Gigahertz-Funktechnik habe Carrera Erfahrungen aus dem eigenen RC-Bereich einfließen lassen, sagt Andreas Stadlbauer. Die Sparte für ferngesteuerte Autos, Hubschrauber und Boote gibt es seit vier Jahren. Technisch hat sich also viel getan, seit unser Lotus zum ersten Mal seine Runden auf der schwarzen Acht aus den mittlerweile etwas spröde gewordenen Fahrbahnsegmenten drehte. „Zigarren“ nennen die Fans diese Autos aus der Carrera-Gründergeneration wegen ihres schmalen Rumpfs mit frei stehenden Rädern. Neben dem Lotus gehörten zu den rasanten Miniaturen dieses Formats Mitte der 1960er Jahre auch der Porsche 804, der Ferrari Tipo 156, der BMW F2 und weitere Fahrzeuge.

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