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25 Jahre Technik und Motor : Immer wieder dienstags

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Ein Vierteljahrhundert - das ist in der Welt der Technik und ihres Fortschritts eine lange Zeit. Für die Redakteure von „Technik und Motor“ war diese Spanne gefüllt mit vielen neuen Erkenntnissen, interessanten Begegnungen und abwechslungsreicher Arbeit.

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          Am 6. September 1988, einem Dienstag vor 25 Jahren, machte sich eine neue Beilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „Technik und Motor“, auf ihren Weg. Aus dem Nichts kam sie freilich nicht, sie hatte Vorläufer. Schon in der Frankfurter Zeitung, dem legitimen Ahnen der F.A.Z., gab es vor rund 80 Jahren Berichte, ja Tests von Autos, und auch die 1949 gestartete Frankfurter Allgemeine beschäftigte sich von Anfang an mit dem Thema. Sie begleitete dann den Aufschwung der Motorisierung mit fachkundiger Berichterstattung. Hugo V. Seib, ihr damaliger Chef vom Dienst und ein Mann der ersten Stunde, teilte die Begeisterung, die dem Auto in jenen Jahren galt, und sicherte dem bislang nur mit verstreuten Artikelchen „Vom Motor“ behandelten Objekt einen festen Platz in der Zeitung. Die Spalten mit der neuen Überschrift „Der Motor“ (erstmals vor 61 Jahren, auch exakt am 6. September) füllte der Mainzer Seib bis zu seinem Tod im Jahr 1972, in - von heute aus betrachtet - goldenen Zeiten des Automobils, als Kritik allenfalls dem Detail galt und nicht dem Kraftfahrzeug generell.

          Bild: F.A.Z.

          Die erste Ausgabe von 1988 zum Download: Seite 1, Seite 2, Seite 3 und Seite 4.

          Mit der Übernahme von „Der Motor“ durch Gerold Lingnau im März 1972 gab es nicht nur moderne Schriften und einen neuen Umbruch der Seite, die dann 13 Jahre lang mittwochs erschien. Sie erfuhr auch eine Aufwertung, denn sie wurde jetzt im Impressum der Zeitung als eigenes Ressort ausgewiesen und hauptberuflich von einem Redakteur betreut. Der hatte es mit neuen Aufgaben und Argumenten zu tun: Der Zeitgeist war der Motorisierung nicht mehr so wohlgesonnen, Verkehrssicherheit und Umweltschutz begannen die Diskussionen zu beherrschen, in den Städten stand sich das Auto zunehmend selbst im Weg. Die F.A.Z.-Beilage, seit 1974 nur noch mit „Motor“ überschrieben, wich diesen Debatten nicht aus, behielt sich aber stets eine eigene Meinung vor.

          Die Beschäftigung mit den jeweils neuesten Automodellen - deren Ergebnisse als „Fahrtberichte“ bezeichnet wurden - hatte in der Beilage schon eine lange Tradition. Im November 1973 wurde der wöchentliche Große Fahrtbericht erstmals (beim damals brandneuen Alfasud von Alfa Romeo) mit einer Zeichnung illustriert, die zugleich die Plus- und Minuspunkte des Kandidaten aufführt. Sie war seinerzeit die bessere drucktechnische Alternative zum Foto, und da sie ein exklusiver Blickfang war, hat man sie bis heute beibehalten. Wie damals wird sie auch jetzt noch vom Grafiker Eckhard Kaiser hergestellt: ein bemerkenswertes vierzigjähriges Jubiläum.

          Große Pläne

          Die Fahrtberichte kamen sogar zu akademischen Ehren: Der Sprachwissenschaftler Professor Wolfram Wilss von der Universität des Saarlandes ließ 1987 nicht nur über ausgewählte Fahrtberichte Seminararbeiten schreiben, sondern widmete ihnen - als Beispiele für Gebrauchstexte - eine eigene linguistische Studie, die den Redakteuren durchaus Anlass bot, ihren Schreibstil kritisch zu überdenken. Ein anderes, sehr arbeitsintensives Unikat war die halbjährlich erscheinende Tabelle „Ihr Auto“: Hier wurden die Autokäufer durch das Abfragen von Alternativen automatisch zu dem Modell geführt, das ihren individuellen Wünschen am besten entsprach. Diese Entscheidungshilfe fiel schließlich der weiter wachsenden Zahl von Marken und Typen zum Opfer.

          1987 schließlich lag Neues in der Luft. Gerold Lingnau und Wolfgang Peters (seit 1982 mit dabei) hatten große Pläne. Denn immer weniger war zu rechtfertigen, dass die F.A.Z. ihre Beschäftigung mit Technik auf das Kraftfahrzeug beschränkt hatte. Die Leser waren natürlich an Auto, Motorrad, Fahrrad, Boot, Eisenbahn und Flugzeug interessiert (bis dahin hatte man im Ressort „Motor“ schon den Themenkreis ausgeweitet), aber auch andere Sparten der Technik waren inzwischen alltäglich: Unterhaltungselektronik, Foto, Computer, Haushalts-, Garten-, Heiz- und Klimagerät, um nur einige zu nennen. All diesen Feldern müsste ein Platz in der Zeitung eingeräumt werden, auf dem die Leser regelmäßig über Neuheiten informiert und mit Erfahrungsberichten versorgt würden.

          Starkes Argument

          Das übliche interne Brainstorming begann. Zunächst wurde erwogen, dem Blatt ein separates Technik-Journal als Pendant zum damaligen F.A.Z.-Magazin beizulegen. Diese Idee scheiterte jedoch schon bald am zu erwartenden Aufwand. Aussichtsreicher erschien, die vorhandene Seite „Motor“ entsprechend auszubauen. Das musste nun den Herausgebern (ressortzuständig war Jürgen Eick) und der Verlagsleitung nahegebracht werden. Ein starkes Argument der beiden Initiatoren war, dass man vor allem auch jüngere Leser mit einer solchen Technik-Beilage ansprechen werde. Sie könne zudem den mitunter geäußerten Vorwurf entkräften, die Zeitung sei zu abstrakt und zu wenig praxisbezogen. Schließlich gebe sie Gelegenheit, das mittlerweile stärker umstrittene Auto von seinem Podest zu holen und „ins Glied“ mit anderen technischen Gegenständen zu stellen. Bei den Entscheidungsträgern der Zeitung kam das an, und fast überraschend schnell gab es grünes Licht für das Projekt. Der damalige Verlagsgeschäftsführer Hans Wolfgang Pfeifer bestätigte Lingnau im Juni 1987: „Wir würden mit der von Ihnen angeregten Erweiterung des bisherigen Motorteils ganz gewiss neue Leser interessieren und treue Leser noch fester an das Blatt binden.“

          Die Zeit bis zum September 1988 wurde intensiv genutzt - neben der Tagesarbeit. Es galt, das Rohkonzept mit „Fleisch“ zu versehen und sich auch über die personelle Besetzung Gedanken zu machen. Mit dem Dreier-Team des „Motor“ (zwei Redakteure, eine Assistentin) war es nicht mehr getan. Nach gutem Brauch wurde vor allem im Haus selbst nach Talenten gesucht: Das sollte sich im Verlauf als erfolgreich erweisen. Außerdem mussten für die vielen zusätzlichen Technik-Felder kompetente freie Mitarbeiter gewonnen werden. Das war schon schwieriger, denn gerade die guten hatten keinen Mangel an Beschäftigung. Und dann noch etwas ganz Wichtiges: Ein passender Titel für die Beilage musste her. Recht schnell einigte man sich auf „Technik und Motor“. Mit dieser - manchen irritierenden - Kombination aus dem Ganzen und einem Teil davon wurde einerseits die Brücke zum bisherigen „Motor“ geschlagen: Der Leser konnte sehen, dass er auf die gewohnten Inhalte nicht verzichten muss. Andererseits sollte erkennbar sein, dass jetzt die ganze verbrauchernahe Technik zum Thema geworden ist, jene, mit der die Leser entweder selbst umgehen oder der sie in ihrem täglichen Umfeld begegnen.

          Verärgerte Leser

          Pünktlich zum 6. September 1988 war die erste Ausgabe fertig - etwas handgestrickt noch, wenig Bilder, viel Text, wie man es heute gar nicht mehr mag -, aber durchaus erkennen lassend, wohin sich die neue Beilage entwickeln würde. Neuer Erscheinungstag war Dienstag statt Samstag. Wer nun geglaubt hatte, alle F.A.Z.-Leser würden die Neuheit und das zusätzliche Themenangebot bejubeln, musste dazulernen. Es gab eine Menge Briefe von Menschen, die sich nicht nur über den Wechsel des Wochentags ärgerten, sondern auch den „alten“ Motorteil wiederhaben wollten, weil sie für den Rest der Technik nichts übrig hatten. Diese Kritik verstummte aber bald. Die erweiterte Beilage „Technik und Motor“ gewann an Zustimmung, weil die Leser merkten, dass ihnen nichts weggenommen, sondern etwas Zusätzliches angeboten wird. Und auch der Dienstag wurde akzeptiert - so selbstverständlich, dass 2009 ein Versuch des Verlags, die Beilage wieder samstags erscheinen zu lassen, wegen Leserprotesten schon nach einem halben Jahr wieder aufgegeben werden musste. Auch die Redaktion rief gelegentlich Verstimmungen mit ihren Lesern hervor. So musste sie schnell einsehen, dass in den ersten Ausgaben von „Technik und Motor“ Hervorhebungen einzelner Wörter durch Kursivschreibung im Text, gedacht als Lesehilfe, überhaupt nicht ankamen: Man fühlte sich draußen durch solche Fürsorge bevormundet, und die Redakteure ließen rasch die Finger davon. Auch nicht alle Leser empfanden ausschließlich Vergnügen daran, dass sie einmal im Jahr „in den April geschickt“ wurden - allerdings nicht am 1. April, der ja nicht immer der passende Wochentag ist, sondern am Fastnachts-Dienstag. Diese Artikel balancierten so geschickt zwischen Dichtung und Wahrheit, dass ihnen die Leser reihenweise auf den Leim gingen und gelegentlich humorlos darauf reagierten. Um die Idee nicht totzureiten, wurde diese Übung schließlich wieder aufgegeben.

          Wenn sie es nicht schon vorher gewusst hätten, wäre den Redakteuren von „Technik und Motor“ daran klar geworden, dass sie in zwei Jahrzehnten eine treue Leser-, ja Fan-Gemeinschaft gewonnen hatten. Immerhin ist die F.A.Z. mit diesem Ressort bis heute konkurrenzlos im Bereich der Tageszeitungen, und das wurde honoriert. Selbst für Insider erstaunlich ist auch die personelle Kontinuität. Von den Machern der Anfangszeit waren rund zwei Jahrzehnte später noch sechs dabei - Peters, Monika Schramm (ihr Schicksal als scheinbare Quotenfrau hat sie stets mit Würde getragen), Georg Küffner, Hans-Heinrich Pardey, Boris Schmidt und Dieter Vogt -, heute sind es drei. Und seit 1972 gab es nur drei Ressortleiter: Gerold Lingnau bis 1999, Wolfgang Peters bis 2011 und Holger Appel seither. Schon lange dabei sind auch viele freie Mitarbeiter. Der erste für „Technik und Motor“ fest angeworbene, der Unterhaltungselektronik-Spezialist Wolfgang Tunze, ist noch regelmäßig im Blatt vertreten, zusammen mit etwa 30 anderen freiberuflichen Autoren. An Zeitungsseiten sind in dem Vierteljahrhundert rund 7500 zusammengekommen. 2350 Auto-Fahrtberichte wurden verfasst und 870 sonstige Fahrzeuge (darunter als größte Gruppe 650 Motorräder und -roller, aber auch fast 220 Reisemobile und Wohnwagen) ebenfalls nach eigener Erprobung bewertet. Ganz zu schweigen von den vielen anderen Themenkreisen, die teils gelegentlich, teils häufiger behandelt werden. Seit Juni 2006 ist das Ressort auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vertreten, davor seit 2001 als „Motor“, seit 2013 als „Drinnen & Draußen“.

          Die Technik wird weiter mit Riesenschritten voraneilen. Und das Team von „Technik und Motor“ wird sie dabei engagiert begleiten. Denn es weiß, dass es für viele treue Leser schreibt.

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