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20 Jahre D-Netz : Das Ding am Ohr

Aus einer anderen Welt: Vor dem Start der digitalen Netze hatte das analoge C-Netz Konjunktur, etwa hier in Berlin 1990, und meist war der Apparat fest im Auto verbaut Bild: Michael Ebert

Vor 20 Jahren gingen die ersten digitalen Mobilfunknetze in Deutschland an den Start. Am Anfang stand der Kampf gegen die Funklöcher. Und der ist noch immer nicht gewonnen. Ein Rückblick.

          3 Min.

          Am Ende wird man wohl nicht von einer technischen, sondern von einer Kulturrevolution sprechen. Vor 20Jahren gingen in Deutschland die beiden D-Netze an den Start, die ersten digitalen Mobilfunknetze, die zudem europäisch ausgerichtet waren, also eine grenzüberschreitende Erreichbarkeit auch in den Nachbarländern bieten sollten. Neu war die Mobiltelefonie am 1. Juli 1992 jedoch nicht. In Deutschland hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg ein A-, B- und C-Netz gegeben, Letzteres erlebte in den 90er Jahren geradezu einen Höhenflug mit fast einer Million Teilnehmern.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Als die D-Netze 1992 nach mehrjähriger Vorbereitung und ein Jahr später als geplant ihren Regelbetrieb aufnahmen, hatte der interessierte Kunde erstmals die Wahl zwischen Post oder Privat. Gegen das D1-Netz der Bundespost Telekom trat „D2 privat“ von Mannesmann Mobilfunk an, ein Konsortium, das 1989 neben der Post die Lizenz zum Betrieb eines GSM-Netzes erhalten hatte. Beide D-Netze begannen mit wenigen hundert Antennenstationen in den Großstädten und Ballungsräumen sowie entlang der Autobahnen. Mit dem alten C-Netz war man 1992 deutlich besser bedient, vor allem in ländlichen Regionen. Aber die neue Digitaltechnik versprach einiges: kleinere, günstigere Geräte, bessere Sprachqualität, längere Akkulaufzeiten, und vor allem sollten die Preise für Geräte und die Gebühren schon bald drastisch fallen.

          Kleiner, leichter und günstiger

          Wer vor 20 Jahren ins C-Netz ging, kaufte für rund 5000 DM entweder ein fest zu installierendes Autotelefon oder einen Apparat im Format eines Benzinkanisters, der ungefähr fünf Kilogramm wog. Die „Portys“ fürs D-Netz hingegen - mit einer Sendeleistung von 8 Watt - waren von Anfang an kleiner, leichter und günstiger, nämlich schon für weniger als 3000 DM zu haben. Und es gab die „Handhelds“. „Kaum größer als ein Hundeknochen“, schrieb eine Fachzeitschrift, „stehen die Handhelds in punkto Betriebszeit und Komfort-Features den schweren Kombigeräten kaum nach“. Diese pfundschweren Handhelds konnte man zwar nicht in die Hosentasche packen. Außerdem hatten sie „nur“ eine Sendeleistung von 2 Watt. Aber sie deuteten unübersehbar jenen Weg an, den das D-Netz-Telefon der Zukunft nehmen würde. Es wurde zum Taschentelefon, zum Handy.

          Das wichtigste D-Netz-Gerät war viele Monate lang der sogenannte „Motorola-Knochen“, das Motorola International 3200 mit einer riesigen Antenne und einem Gewicht von 500 Gramm. Satte 34Zentimeter war es hoch, und sein Akku hielt ungefähr 12 Stunden durch. Das monochrome Display zeigte 2×8 Zeichen, und es hatte bereits einen Speicher für bis zu 100 Rufnummern. Keine Selbstverständlichkeit, auch die Möglichkeit, während des Ladevorgangs zu telefonieren, beherrschte zunächst kaum ein Gerät - und von SMS oder anderen Komfortdiensten sprach niemand.

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