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100 Jahre Citroën : Schönheit gesucht

  • -Aktualisiert am

Müssen wir denn seelenlose Kisten ertragen? Zum hundertsten Geburtstag von Citroën soll ein Wunsch frei sein: Bringt die Déesse zurück.

          Es ist Mitte der neunziger Jahre. Jacques Calvet wird demnächst das Steuer von PSA Peugeot-Citroën in jüngere Hände legen und beschwört auf einer seiner letzten Pressekonferenzen eine glanzvollere Zukunft des angeschlagenen Konzerns. Dem fachkundigen Publikum aber sitzt noch die Präsentation des Citroën Saxo in den Knochen, eines Kleinwagens, der seinem Geschwisterchen Peugeot 106 zum Verwechseln ähnlich sieht.

          Ob die Synergien nicht ein wenig weit gingen, wenn zwei Autos keine Unterschiede mehr aufwiesen, möchte also ein Journalist wissen. Darauf der humorvoll-knochige Calvet: „Wenn Sie keinen Unterschied zwischen 106 und Saxo erkennen, sollten Sie das tun, was ich bald tue. In Rente gehen.“ Der Verlauf ist bekannt, so richtig fruchtbar war die Strategie nicht, einfach ein Löwenemblem statt des Doppelwinkels draufzukleben.

          In der später folgenden tiefen Krise ist das Unternehmen an den Rand des Untergangs geraten, doch unter seinem heutigen Vorstandsvorsitzenden Carlos Tavares hat es neue Kraft getankt, derart viel, dass es nicht nur solide dasteht, sondern auch den chronisch kranken Konkurrenten Opel von General Motors übernehmen konnte. Die Rüsselsheimer wirken, wie man am neuen Corsa erleben wird, wie entfesselt, und dass der Kleinwagen technisch zu weiten Teilen ein Peugeot 208 ist, werden die Kunden kaum merken, in jedem Fall weder auf den ersten noch den zweiten Blick erkennen.

          Oben in der Palette versuchen sich die Franzosen seit vier Jahren mehr schlecht als recht mit der Marke DS, immerhin eigenständig im Auftritt, aber noch ihre Richtung suchend. Die meisten Herzen freilich fliegen noch immer Citroën zu, und wenn jetzt 100 Jahre gefeiert werden, gratulieren alle, die Autos mit Charakter berühren. Traction Avant, HY, Ente, Méhari, CX, DS – Ikonen ihrer Zeit für die Ewigkeit. Heute müssen wir seelenlose Konzept-Kästen wie den vorn wie hinten gleichen Ami One ertragen. Zum Geburtstag soll ein Wunsch frei sein: Bringt die Déesse zurück.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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