https://www.faz.net/-gpc-6v5ze

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Syrien : Die Soldaten und die Arabellion

  • -Aktualisiert am

Die syrische Armee steht offenbar nicht mehr lückenlos hinter Assad. Bild: AP

Sollten sich immer mehr Deserteure in Syrien der „Gegenarmee“ anschließen, könnte die Auseinandersetzung um die Macht eine neue Stufe der Eskalation erreichen. Schon jetzt geraten Präsident Assad und seine Entourage in die Enge.

          2 Min.

          Die Nachricht ließ aufhorchen: Am Montag, so hieß es, seien bei Kämpfen in Syrien 34 Deserteure getötet worden, weit mehr als Zivilisten und Soldaten der Armee. Danach griff eine „Freie Syrische Armee“ einen Geheimdienstkomplex in der Hauptstadt Damaskus an. Nun ist die Frage, wie umfangreich die Absetzbewegung aus der syrischen Armee ist.

          Sollten immer mehr Deserteure sich der „Gegenarmee“ anschließen, so hätte die Auseinandersetzung um die Macht in Syrien tatsächlich eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Schon jetzt ist diese „Gegenarmee“ und ihre Aktivität eine Herausforderung für den Präsidenten Baschar al Assad und seine Entourage.

          Armee oft entscheidender Akteur bei Umsturz

          Assad ist zwar kein Militär, sondern Augenarzt, aber Syrien wird seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1946 mehr oder weniger vom Militär beherrscht. Auch Baschars Vater Hafez war General der Luftwaffe. Und die Assad-Familie ist mit dem Militär und seinen Geheimdiensten gut vernetzt. Weniger verschleiert als in Ägypten unter Mubarak hat die Armee in Damaskus offenen Einfluss auf das seit 1963 herrschende Baath-Regime.

          Seit Ausbruch der Arabellion Mitte Dezember 2010 hat in allen Ländern, die bisher einen Umsturz erlebten, die Armee eine wichtige, oft entscheidende Rolle gespielt. In Tunesien verließ Diktator Zine al Abidine Ben Ali das Land, als klar war, dass die Wehrpflichtarmee von etwa 40000 Mann nicht auf die Demonstranten schießen würde. Ben Ali sah seine Felle davonschwimmen und machte sich auf in Richtung Saudi-Arabien.

          Der tunesische Ex-Diktator Ben Ali ist nach seinem Sturz im Exil in Saudi-Arabien.

          In Ägypten dauerte es eine Weile, bis die Armeeführung den Präsidenten Husni Mubarak - Luftwaffengeneral auch er - fallen ließ. Auch die Führer Ägyptens waren seit den Tagen des Staatsstreichs der „Freien Offiziere“ unter Mohammed Naguib und Gamal Abdel Nasser 1952 Militärs, auch Präsident Sadat, der 1981 seinerseits von einem Soldaten getötet wurde. Als die ägyptische Armee mit Mubarak brach, waren auch für ihn die Würfel gefallen. Nun hat der Hohe Militärrat unter Feldmarschall Hussein Tantawi die Macht inne.

          War vor seiner Zeit als ägyptischer Präsident General der Luftwaffe: Husni Mubarak

          Im Jemen, wenn nicht alles täuscht, wird wohl auch die Armee darüber entscheiden, ob der Dauer-Herrscher, der ebenfalls aus der Armee kommende Ali Abdullah Salih, weiter an der Macht bleibt oder einem anderen weichen muss. Nur in Libyen verlief der Umsturz anders, musste die westliche Militärallianz einspringen, da beträchtliche Teile der Streitkräfte noch lange zu Gaddafi hielten. Freilich wurden auch die an sich schwachen Aufständischen durch Deserteure, vor allem durch übergelaufene hohe Offiziere gestärkt.

          Im Jemen wird wohl auch die Armee darüber entscheiden, ob der Dauer-Herrscher Ali Abdullah Salih, weiter an der Macht bleibt.

          Damaskus setzt „auf Gedeih und Verderb auf Durchhalten“

          Assad muss durch die Ereignisse der vergangenen Tage aufs höchste beunruhigt sein. Seine Versuche, auf Zeit zu spielen, helfen ihm nicht wirklich weiter. Die Opposition glaubt ihm nicht mehr, die Arabische Liga hat ihn faktisch suspendiert und will Sanktionen verschärfen. Die Türkei hat mit ihm gebrochen, Irans Freundschaft wird kühler. Auch die Europäer isolieren ihn, mehr und mehr beschäftigen sich die Vereinten Nationen mit den blutigen Ereignissen in seinem Land. Assad setzt auf die Schlüsselrolle seines Landes in der Region. Und nur Russland und China kann er noch als verlässliche Stützen betrachten.

          Der syrische Machthaber Baschar al Assad will nicht weichen.

          Das Regime in Damaskus ist offenkundig an einem Punkt angelangt, wo es auf Gedeih und Verderb auf Durchhalten setzt. Ein Ort des Exils ist für Baschar al Assad schwer auszumachen. Und es ist bezeichnend, dass die Arabellion gerade in jenen Ländern am erfolgreichsten ist, die vom Militär beherrscht worden sind. Eine Ausnahme ist Algerien, das einen Bürgerkrieg mit 200000 Toten hinter sich hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.