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Wohnen : „Für Frauen ist Wohnen ein Hobby“

Schöner Wohnen am Arbeitsplatz: Nicole Maalouf hat den Tisch gedeckt. Bild: Müller, Andreas

Stimmt es, dass Männer Designklassiker und Frauen individuelle Gestaltung lieben? Und woher kommt die Lust, im Internet Fremden die eigene Wohnung zu zeigen? Nicole Maalouf, Gründerin der Wohn-Community „So leb ich“, über ihre Einblicke in deutsche Wohnwelten.

          Am Anfang steht eine Absage. Nein, Nicole Maalouf will sich nicht mit uns zum Hausbesuch verabreden. Dabei wäre das gerade in ihrem Fall ziemlich interessant. Schließlich ist sie die Gründerin der Internetgemeinde „So leb ich“, und deren Mitglieder stellen dort mit Fotos die eigenen vier Wände teilweise sehr detailliert vor. Nicole Maalouf weiß daher, wie es in Tausenden deutscher Wohnungen und Häuser aussieht. Sollte es zu gestalterischen Revolutionen in den Küchen, Studentenbuden und Schlafzimmern des Landes kommen - sie und ihre Mitarbeiter bekommen sie garantiert mit.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie selbst hält sich aber lieber zurück und lädt stattdessen ins Büro ein, das im Erdgeschoss eines Altbaus in München-Haidhausen liegt. Im Aufenthaltsraum hat sie den Tisch wie für Freunde gedeckt: mit einem blauweißen Zwiebelmusterservice, Kerzenlicht, Brötchen und Briochebergen - und einem bunten Blumenstrauß. Die Deckenlampe trägt einen Rock aus Tüll. So schön haben es manche nicht einmal zu Hause.

          Frau Maalouf, im Zeitschriftenmarkt boomen Titel um die Themen Wohnen und Einrichten. Im Internet etablieren sich Online-Wohnshoppingclubs wie „Westwing“ und Gemeinschaften wie „So leb ich“. Manche unken schon, Wohnen sei das neue Kochen.

          Es stimmt, dass das Thema Konjunktur hat. Es dreht sich sehr viel um die Frage, wie wir wohnen, wohnen wollen. Jeder wohnt ja, das betrifft also alle.

          Aber es sind offenbar mehr Frauen, die sich damit beschäftigen.

          Absolut. Die überwiegende Mehrheit der aktiven Teilnehmer, die bei „So leb ich“ (www.solebich.de) Fotos ihrer Wohnung hochladen und die Bilder anderer kommentieren, sind Frauen.

          Frauen welchen Alters?

          Vor allem aus der Gruppe der Anfang 30- bis Mitte-50-Jährigen.

          Männer sind nicht dabei?

          Doch, aber es sind nur sehr wenige. Viele geben eine Art Gastspiel, laden Fotos von ihrer durchgestylten Wohnung mit den schönen Designermöbeln hoch, in der dann auch wirklich alles sitzt. Auf Anregungen anderer sind die wenigsten von ihnen aus. Es ist mehr ein Vorbeischauen, Herzeigen, Den-Beifallgenießen, Wieder-Gehen.

          Frauen haben also mehr Ausdauer und ein anderes Interesse?

          Auf alle Fälle. Die tauschen sich aus, loben, beraten sich. Manche sind seit 2007 dabei, als wir angefangen haben. Da kann man schön beobachten, wie sich ein Einrichtungsstil verändert. Viele lassen sich von anderen inspirieren. Andere genießen es, die Inneneinrichterin in sich zu entfalten. Ist ja eigentlich nicht verwunderlich, dass das so ist. Von 30 Prozent der Frauen sagt man schließlich, dass Wohnen oder besser Einrichten ihr Hobby sei.

          Anregungen liefern doch seit Jahren schon die Wohnzeitschriften.

          Ja, aber die Hochglanzmagazine sind nur eine Möglichkeit und oft auch weit entfernt von der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Spannend ist aber vor allem die Frage, wie normale Menschen leben. Welche Lösungen sie für eine Garderobe finden, wie man einen dunklen Raum heller und freundlicher gestalten kann, wie man Farben und Materialien kombiniert, auch wenn man kein Profi ist. Und es geht um Individualität. Nicht diese komplette Wohnwelt aus dem Einrichtungshaus, zu der die Leinwand mit dem Bild des Taxifahrers aus New York gleich mitgeliefert wird und die den Gelsenkirchener Barock abgelöst hat. Frauen wollen ein persönliches Zuhause. Handarbeiten und selbstgemachte Dekoration erleben in letzter Zeit nicht von ungefähr einen Aufschwung.

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