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Walk of Fame : Warum hat Donald Trump einen Stern und Prince nicht?

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Das Stargirl: Ana Martinez (rechts), hier bei der Verleihung an Jennifer Lopez 2013, gebietet über die Sterne. Bild: ddp Images

Auf Hollywoods Walk of Fame sind viele Stars vertreten – Barbra Streisand und George Clooney aber zum Beispiel nicht. Wer wird dort wann, wie und warum verewigt? Fragen an die Herrin der Sterne.

          Ein bisschen skurril ist es schon. Popsänger Prince muss auf Hollywoods „Walk of Fame„ ohne Stern auskommen, Präsident Donald Trump liegt dagegen sogar vor dem Dolby Theatre, dem Herzstück der Ruhmesmeile. Und Kim Kardashian, die als Star der Reality-Show „Keeping Up With The Kardashians“ seit fast zehn Jahren als Quotengarant gilt? Darf gar nicht, auch wenn ihr Ehemann Kanye West immer wieder lautstark nach einem rosafarbenen Stern verlangt.

          „Wir haben keine Kategorie für Reality-Stars. Sie liefern keinen Auftritt ab, sondern lassen sich nur von der Kamera durch ihr tägliches Leben begleiten“, sagt Ana Martinez, die als „Stargirl“ über die mehr als 2500 Sterne am Hollywood Boulevard gebietet. Und Trump? „Er wurde 2007 für eine Kunstform geehrt“, sagt Martinez und verweist auf seine Leistungen als Produzent der Fernsehserie „The Apprentice“. Ihr Gesichtsausdruck lässt ahnen, dass er sie nicht zum ersten Mal beschäftigt.

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          Trumps Stern musste bereits einiges aushalten

          Seit Donald Trump 2015 bekanntgab, in das Weiße Haus ziehen zu wollen, hat der Stern mit seinem Namen einiges aushalten müssen. Ein Besucher, der nichts von den Parolen des Republikaners gegen illegale Einwanderer hielt, ließ seinen Schäferhund auf der Plakette defäkieren. Andere griffen zum Filzstift, um Kommentare wie „Rassist“ und „Wählt ihn nicht!“ zu hinterlassen. Auch das seitenverkehrte Hakenkreuz, das ein Unbekannter Anfang vergangenen Jahres auf Trumps Stern sprühte, sieht Martinez nicht als Kavaliersdelikt, ebenso wenig den Versuch eines Kaliforniers im Oktober, das rosafarbene Ornament mit einer Spitzhacke aus dem Boden zu brechen.

          Besonders umstritten: Donald Trumps Stern (Kategorie Fernsehen) wird seit 2015 immer wieder beschädigt.

          „Vandalismus ist eine Straftat und kein Spaß“, sagt Martinez. Eine Petition, die über Monate zirkulierte und forderte, den Stern des umstrittenen Präsidentschaftskandidaten von der Prominentenmeile zu entfernen, schmetterte sie zur Enttäuschung der mehr als 40.000 Unterzeichner ab: „Der Walk of Fame ist ein registriertes Denkmal. Sobald ein Stern gelegt wurde, ist er Teil der Historie. Es wurde noch nie ein Stern entfernt.“

          Auswahl der Prominenten war schon immer ein Streitthema

          Wie Prominente zu einem Stern auf der Ruhmesmeile kommen, scheint vielen nebulös. Immer wieder lassen sich Fans in sozialen Netzwerken zu bösen Beiträgen hinreißen, weil ihr Star es noch nicht geschafft hat. „Einige werden richtig feindselig“, sagt Martinez. „Dabei liegt es nicht nur in unserer Hand, wer einen Stern bekommt.“

          Der Streit um die Sterne ist älter als der Walk of Fame selbst. Als E. M. Stewart, damals der Vorsitzende der Handelskammer von Hollywood, die Prominentenmeile 1953 vorschlug, um „den Ruhm einer Stadt, die für Glamour und Aufregung steht, in die Welt zu tragen“, begann auch der Zwist. Sollten die Sterne in Braun und Blau auf dem Gehweg verlegt werden? Oder doch in Schwarz und Rosa, um besser mit den Projekten verschiedener Bauunternehmer zu harmonieren? Während der Stadtrat von Los Angeles in den Jahren 1956 und 1957 über das Projekt debattierte, stritt die neu gegründete Gesellschaft zur Verschönerung Hollywoods um die Auswahl der Prominenten. Für jede der vier Kategorien – Film, Fernsehen, Musikaufnahmen, Radio – gingen jede Woche Dutzende Ideen ein.

          Charlie Chaplin musste lange auf seinen Stern warten

          Den Mitgliedern der Verschönerungsgesellschaft, unter ihnen die Filmemacher Samuel Goldwyn, Walt Disney und Cecil B. DeMille, fiel es schwer, diejenigen herauszufiltern, die es am ehesten verdient hätten, verewigt zu werden. „Auch über Charlie Chaplin wurde gestritten. Er sollte keinen Stern bekommen, weil er als Kommunist galt“, sagt Martinez. Im August 1958 trafen sich am Hollywood Boulevard schließlich Vertreter der Stadt Los Angeles mit der Handelskammer und der Verschönerungsgesellschaft, um an der Kreuzung Highland Avenue die ersten acht Sterne in den Boden zu lassen. Zu den Geehrten zählten die Schauspieler Burt Lancaster, Joanne Woodward und auch Olive Borden. Wie man erzählte, war zumindest der Name des damals schon verstorbenen Stummfilmstars aus einer Lostrommel gezogen worden.

          Einer der ersten Sterne: Im Jahr I960 wurde Joanne Woodward auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt.

          Nach juristischen Scharmützeln von Charlie Chaplin Jr., der gegen den Ausschluss seines Vaters von der Ruhmesmeile klagte, wurde der Bau Anfang Februar 1960 fortgesetzt. „Chaplin lebte damals schon in der Schweiz. Auf seinen Stern musste er noch zwölf Jahre warten“, erzählt Martinez. Angeblich benötigte die Handelskammer drei Abstimmungen, bevor sie sich auf einen Terrazzo-Stern für den vor allem in den Vereinigten Staaten umstrittenen Filmemacher einigen konnte.

          Für einen Stern fließt viel Geld

          Der Kampf um die Sterne tobt derweil weiter. „Viele Fans wissen nicht, dass ein Prominenter nominiert werden muss, um in die engere Wahl zu kommen. Das führt oft zu Missverständnissen“, sagt Martinez, die als Mitarbeiterin der Handelskammer seit fast 30 Jahren über den Walk of Fame wacht. Falls die Chamber of Commerce den Nominierten zu den etwa zwei Dutzend Celebritys zählt, die jedes Jahr einen Stern bekommen, wird zudem eine Spende in Höhe von 30.000 Dollar an die Historische Stiftung Hollywoods verlangt.

          Kategorie Film: Auch Burt Lancaster bekam als Kinoheld einen altrosafarbenen Terrazzo-Stern zugesprochen.

          „Eine Hälfte der Summe dient der Pflege des Sterns, die andere wird für die Zeremonie bei der Enthüllung ausgegeben„, sagt Martinez. Bevor Liza Minnelli vor 25 Jahren mit einem Stern geehrt wurde, hatten Anhänger der Oscar-Preisträgerin („Cabaret„) in allen Teilen der Vereinigten Staaten Kuchenbuffets aufgebaut, um Spenden zu sammeln. Meist findet sich aber ein Filmstudio, das die Kosten übernimmt – wie bei Nicole Kidman, der ihr Auftritt am Walk of Fame vor 14 Jahren angeblich half, für ihre Rolle als Schriftstellerin Virginia Woolf in dem Filmdrama „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ einen Oscar zu gewinnen.

          Für jeden Stern der passende Ort

          Die Vorbereitung der Zeremonie bei der Enthüllung des Sterns vergleicht Martinez mit einer Hochzeit. „Sobald der Star einen Termin nennt, legen wir los. Wir verschicken Einladungen, schreiben eine Laudatio und organisieren Blumen„, erzählt das „Star Girl“. Die wichtigste Aufgabe, die Suche nach dem passenden Ort für den Stern, übernimmt Martinez selbst. „Ich versuche, für jeden Geehrten einen Platz auf dem Hollywood Boulevard zu finden, der etwas mit ihm oder seinen Rollen zu tun hat.“ Den rosafarbenen Stern für Farrah Fawcett, die für ihre Fönfrisur berühmt war, plazierte sie vor einem Friseurgeschäft, der James-Bond-Darsteller Roger Moore, als Agent 007 bekannt, findet sich vor der Hausnummer 7007.

          Wie bei einer Hochzeit, so verläuft aber auch bei den Zeremonien auf der Ruhmesmeile nicht immer alles nach Plan. „Paul Rudd war vor der Enthüllung seines Sterns im Juli 2015 so nervös, dass wir ein bisschen gebangt haben„, erzählt Martinez. Und Phil Collins, der zu Martinez' sympathischsten Begegnungen zählt, machte sich wegen seines Outfits Sorgen. „Er lief in einer verwaschenen Jeans über den roten Teppich und hat sich tausend Mal entschuldigt“, erinnert sie sich an den Juni 1999.

          Postum geehrt: Der Stummfilmstar Olive Borden (Stern links) war schon tot, als ihr Name aus einer Lostrommel gezogen wurde.

          Das Dankesschreiben des britischen Musikers, der damals mit seiner Verlobten Orianne Cevey, seiner früheren Ehefrau Jill Tavelman und zwei Töchtern nach Hollywood kam, ziert bis heute die Wand in Martinez' Büro. Den roten Teppich für Bruce Willis musste sie im Jahr 2000 wieder aufrollen lassen, als er in den Wirren der Scheidung von Demi Moore in letzter Minute absagte. Sechs Jahre später wurde der Schauspieler dennoch mit dem 2321. Stern geehrt. „Ich bin oft an den Hollywood Boulevard gekommen, um die Sterne anzusehen“, sagte Willis damals. „Mir war aber nie klar, was man tun musste, um einen zu bekommen.“

          Viele Stars lehnen auch ab

          Auch die Zeremonie für die Boxlegende Muhammad Ali verlangte Fingerspitzengefühl. Da Ali, der in Kentucky als Baptist aufwuchs und später zum Islam konvertierte, nicht wollte, dass Besucher den Namen Muhammad mit Füßen traten, bat er, seinen Stern nicht in den Boden einzulassen. „Bei der Feier vor vier Jahren stellten wir die Plakette auf eine Staffelei. Später wurde der Stern in eine Wand am Eingang des Dolby Theatre gemauert„, erinnert sich Martinez. Alis Stern ist bis heute der einzige, der nicht jedes Jahr die Tritte von etwa zehn Millionen Besuchern aushalten muss. Dass der Boxer nicht nur einen Platz im Nationalen Museum für Amerikanische Geschichte hat, sondern auch in Hollywood, überrascht viele seiner Fans. „Er war auch ein Entertainer, der Sprechalben aufnahm. Ali wurde zweimal für einen Grammy nominiert“, erklärt Martinez. Da das Sportidol zudem Langlebigkeit in der Unterhaltungsbranche und soziales Engagement, die Voraussetzungen für eine Ehrung auf der Ruhmesmeile, vorweisen konnte, sei sein Stern keine Überraschung.

          Erst ein Stern, dann ein Oscar: Nicole Kidman soll die Verleihung auf dem Walk of Fame 2003 geholfen haben, für „The Hours“ einen Academy Award zu gewinnen.

          Nach Prominenten wie den Oscar-Preisträgern George Clooney und Barbra Streisand suchen Besucher dagegen vergeblich. „Barbra hat sich nicht bereit erklärt, zu der öffentlichen Zeremonie zu erscheinen. Und George ist in Italien oder anderswo beschäftigt“, sagt Martinez. Dass auch Clint Eastwood und Bruce Springsteen trotz Nominierungen eine Einladung auf den Walk of Fame ausgeschlagen haben, stimmt das „Star Girl“ nachdenklich. „Vielleicht verunsichert es einige Celebritys, den Fans ohne Drehbuch zu begegnen. Besonders, wenn sie nicht für eine Rolle, sondern als Person ausgezeichnet werden.“

          Jedes Jahr Blumen für Patrick Swayze

          Da ein rosafarbener Stern als Hollywoods einzige Auszeichnung gilt, welche die Fans mit ihrem Idol teilen, wird die Ruhmesmeile immer wieder zu einer Art Wallfahrtstätte. Als Muhammad Ali im Juni 2016 starb, besuchten Hunderte Anhänger den Walk of Fame, um vor seinem Stern Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden. Nach David Bowies Tod vor gut einem Jahr hatten Fans des Musikers die Nacht an seinem Ornament verbracht, das sie als Anspielung auf den Titel „Ziggy Stardust“ mit einer Schicht Glitter schmückten.

          Die treuesten Anhänger hat aber der Schauspieler Patrick Swayze („Dirty Dancing„). Seit seinem Tod vor acht Jahren schickt der französische Fanclub an seinem Geburtstag, dem 18. August, jedes Jahr Blumen. „Sein Stern in der Nähe des Hotels Roosevelt gehört auch an allen übrigen Tagen zu den am meisten besuchten.„ Nach einem Stern mit dem Namen Prince suchten die Fans nach dem Tod des Pop-Idols Ende April 2016 vergeblich. Wie Martinez nach einer Welle empörter Kommentare in sozialen Medien wissen ließ, sollte der Sänger in der Vergangenheit zwei Mal nominiert werden. Er habe die Ehrung aber jedes Mal ausgeschlagen. „Prince meinte, die Zeit sei noch nicht reif“, sagt Martinez. „Es ist aber möglich, auch postum einen Stern zu bekommen.“

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