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Schauspieler Sabin Tambrea : Von jedem ein Porträt

„Narziss und Goldmund – und der wegweisende Regisseur, Stefan Ruzowitzky. Zwei Konzentrierte und ein den Verlockungen verfallener Zölibatärer.“ Bild: Sabin Tambrea

In den Drehpausen wechselt der Schauspieler Sabin Tambrea gerne hinter die Kamera – und fotografiert seine Kollegen. Impressionen vom Filmset zu „Narziss und Goldmund“.

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          Der Brunnen auf dem Burghof ist mit Absperrband geschützt, weil er nur aus Styropor, Gips und Farbe besteht, in der Kirche lagern Scheinwerfer und Vorräte: Auf Burg Hardegg in Niederösterreich, zwei Autostunden von Wien entfernt, wird Hermann Hesses Coming-of-Age-Klassiker „Narziss und Goldmund“ verfilmt. Gerade ist eine Klopperei unter Kinderdarstellern abgedreht worden, jetzt schiebt sich ein schlanker Mann in Mönchskutte durch die Menschen auf dem Hof. Über seiner Schulter hängt eine Spiegelreflexkamera. Trotz seiner Größe fällt Sabin Tambrea kaum auf.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die erste Woche am Set sei immer stressig, sagt der Fünfunddreißigjährige, „weil man alle noch nicht kennt, aber gleich schwierige Szenen spielen muss“. In der zweiten Woche herrsche eine gewisse Vertrautheit. „Dann kann ich in Ruhe meine Fotos machen, ohne dass die Leute fragen: Was macht der Zwangsgestörte mit der Kamera?“ Und als damals im Herbst 2018 gerade seine dritte und letzte Drehwoche begonnen hat, sagt Tambrea, der nach Erfolgen am Berliner Ensemble mit dem Kinofilm „Ludwig II.“ bekannt und vor allem durch die „Ku’damm“-Staffeln populär wurde: Mal abgesehen davon, dass alle von der Speisekarte im Hotel gelangweilt seien, sei das die schönste Zeit.

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          Der in Rumänien geborene Schauspieler, der als Zweijähriger nach Deutschland kam und von seinen Eltern systematisch auf eine Karriere als Profimusiker vorbereitet wurde, spielt den frommen Narziss, der später Abt des Klosters wird. Weil aber selbst eine Titelrolle beim Film nicht zwingend bedeutet, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist, weil Pausen und Wartezeiten zu jedem Dreh dazugehören, hat Tambrea stets seine Kamera dabei. 7000 Fotos hat er schon gemacht, am Ende der „Ku’damm“- Staffeln waren es jeweils 10.000. Sein Ziel: von jedem Crewmitglied ein Porträt zur Erinnerung machen. Wenn er zum Abschied Abzüge verteilt, ist die Freude groß.

          „Kida Khodr Ramadan bei einer Zigarettenpause vor der im nächsten Take brennenden Werkstatt.“ Bilderstrecke

          Natürlich weiß Tambrea, dass er für seine Bilder einen Zugang hat, um den ihn jeder professionelle Fotograf beneiden würde. Er inszeniert nichts, er nimmt „Momente, die einfach da sind“. Trotzdem wirken seine Bilder wie komponiert. Nie sehen die Menschen darauf aus, als befänden sie sich im Trubel eines Filmsets. Immer fotografiert er in Schwarz-Weiß. Farbe bilde schließlich nur die Realität ab, sagt er. Überraschenderweise hat er nicht mal das Gefühl, die Rolle zu wechseln, wenn er vom Schauspieler zum Fotografen wird. Er sieht sich immer als Beobachter.

          Wer genauer hinguckt, erfährt anhand der Aufnahmen auch etwas über Sabin Tambrea selbst, der mit der Schauspielerin Alice Dwyer verheiratet ist und gerade als Zwanziger-Jahre-Filmstar in „Babylon Berlin“ zu sehen ist. Das jedenfalls glaubt der Hesse-Regisseur Stefan Ruzowitzky. Am Set sei Tambrea einer, der mit seinem schwarzen Humor auffalle, mit schnellen Sprüchen und bissiger Polemik. Instagram-Follower kennen seine politischen Kommentare, in denen er sich scharf gegen die AfD und jede Form von Ausgrenzung äußert. Sein fotografischer Blick auf Mitmenschen und Kollegen hingegen sei vor allem eines, sagt Ruzowitzky – liebevoll.

          „Narziss und Goldmund“ läuft ab Donnerstag, 12.März 2020, im Kino.

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