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VMAs 2019 : Was hören eigentlich Trump-Wähler?

Tanzen vor einem riesigen Hintern: Sängerin Lizzo performt bei den VMAs 2019. Bild: AFP

Je gespaltener die Vereinigten Staaten sind, umso geeinter scheint die Welt der Popmusik: Auf der Bühne der MTV Video Music Awards dominierten Botschaften der Selbstliebe, Body Positivity und Gleichstellung.

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          Lizzo ist des Bullshits überdrüssig. In einem sehr gelben Badeanzug steht sie da, auf der Bühne der MTV Video Music Awards 2019, und nimmt sich das Publikum zur Brust. „Lasst uns für einen Moment sprechen“, sagt sie. Okay, real talk! Sie hat keine Lust mehr auf den Mist. „Es ist so schwer, sich selbst zu lieben in einer Welt, die dich nicht zurück liebt, oder?“ Dabei haben wir das gar nicht verdient, findet sie. „Ihr alle habt es verdient, euch höllisch gut zu fühlen!“, ruft sie, umgeben von Tänzerinnen, die sich, wie sie selbst, offenbar sehr gut fühlen. Dabei tanzen sie vor einem überdimensionierten und sehr leicht bekleideten, weiblichen Gesäß.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Kurz davor hat sich Lizzo schon eines sehr beliebten Popmusik-Moves bedient, den die MTV-Bühne wohl schon unzählige Male gesehen hat: der Outfit-Wechsel. Der bei einer Frau meist bedeutet: Reduktion von Stoff. Bei Lizzo ist dieser Kniff wohl deshalb erwähnenswert, weil sie nicht den üblicherweise auf diese Art präsentierten Körpermaßen entspricht. Sie ist weder dünn noch weiß.

          Lizzos Statement ist eines für Body Positivity und Selbstliebe und passt gut zum Ton der diesjährigen VMAs. Je gespaltener die Vereinigten Staaten sind, je lauter Donald Trump tönt, umso geeinter scheint die Welt der Popmusik. Auf den MTV Video Music Awards dominierten einmal mehr Statements für eine buntere, offenere und tolerantere Welt. Diversität, so weit das Auge reicht. Für einen Moment mochten ungeübte Zuschauer so geblendet sein von all dem schillernden Glitzer, dass sie die Realität vergessen.

          Taylor Swift, die in ihrem Video zu „You Need To Calm Down“ schon für Versöhnung plädierte, selbst als bestes Beispiel voran ging und sich mit früherer Erzfeindin Katy Perry versöhnte, versammelte Menschen jedweden Geschlechts und Hautfarbe auf einer in Regebogentönen gewandeten Bühne. Das ist auch insofern besonders, als dass Swift sich lange nicht politisch äußern wollte. Doch wenn schon, dann auch richtig. Ein Einsatz, der sich lohnt: Gleich zwei Preise bekam die Sängerin, einen für das „Video des Jahres“ und den Preis „Video for Good“.

          Und abgeräumt hat neben Swift vor allem Billie Eilish, die als Künstlerin für alles steht, was irgendwie anders ist. Sie gewann in den Kategorien „Beste neue Künstlerin“, „Push Künstlerin des Jahres“ und für den Videoschnitt zu  „Bad Guy“. Ariana Grande wurde „Beste Künstlerin“ und gewann außerdem in den Kategorien „Song of Summer“ und „Best Art Direction“. Lil Nas X (ft. Billy Ray Cyrus) bekam für sein Lied „Old Town Road (Remix)“ den Award „Song of the Year“, „Best Pop“ bekamen die Jonas Brothers („Sucker“). Stellt sich höchstens die Frage: Was hören eigentlich Trump-Wähler?

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