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Sängerin Dua Lipa im Porträt : Ein ganz normaler Popstar

Mit großer Geste: Mit ihrem Auftritt bei den MTV Europe Music Awards im vergangenen November überzeugte Dua Lipa viele Kritiker. Bild: AP

Von wegen Geniekult: Dua Lipa hat sich ihren erstaunlichen Erfolg im Musikgeschäft auf die harte Tour erarbeitet. Und: zufällig einen Quarantäne-Hit gemacht.

          5 Min.

          Dua ist Albanisch für Liebe, Lipa ist ein Nachname wie jeder andere auch, und Dua Lipa, die Person, hat keinerlei Berührungsängste. „Willst du dich nicht zu mir aufs Sofa setzen?“ Ähm, ja! Von ganz nah ist es dann fast ein bisschen unwirklich, weil sie so glitzert und funkelt, ein silberblondes Wesen aus einer anderen Galaxie, das auf die Erde gekommen ist, um als Augenbrauenmodel zu arbeiten und mit ihrer astronomisch tiefen Stimme zu verzaubern. Ansonsten ist sie ausnehmend höflich, wohlerzogen fast, gibt kluge und gut formulierte Antworten und ist sowieso ganz die Vorzeigemigrantin, die sie immer glaubte sein zu müssen.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nur dass Dua Lipa jetzt eben auch eine der erfolgreichsten Popmusikerinnen der Welt ist, im vergangenen Jahr zwei Grammys gewann („Best New Artist“ und „Best Dance Record“ für den Silk-City-Song „Electricity“, dem sie ihre Stimme gab) und mit der ersten Auskopplung ihres kommenden Albums schon wieder Rekorde gebrochen hat.

          Doch obwohl Dua Lipa in aller Munde ist, ihre Auftritte bei Award-Shows millionenfach angeschaut und gefeiert werden, wirkt sie selbst noch immer so, als könne sie den Wirbel um ihre Person nicht recht verstehen. Sagt noch immer genau die richtigen Dinge, die Dinge, die man von ihr als braver Bürgerin, in deren Brust zwei Herzen schlagen, erwartet: „Ich bin unendlich dankbar.“ (Wenn es um den Erfolg ihres letzten Albums geht.) Oder: „Ich kann es selbst kaum glauben.“ (Wenn es um die Grammys geht.) Oder: „Vielen, vielen Dank. Es ist großartig.“ (Wenn es um den Erfolg ihrer aktuellen Single geht.)

          Zwei Orte sind ihr Heimat, Prishtina im Kosovo – und London. In London ist Dua Lipa geboren und aufgewachsen, ihre Eltern waren vor dem Bürgerkrieg geflohen und hatten ein neues Leben in Großbritannien begonnen, wo sie sich und die Familie mit Aushilfsjobs über Wasser hielten. In Prishtina hatten der Vater Zahnmedizin und die Mutter Jura studiert, in London arbeiteten sie viel und gingen abends weiter studieren. Dua Lipa war in der Schule nicht unbeliebt, aber ihr fremd klingender Name, ihre dunklen Haare und ihre tiefe Stimme waren auch nicht unbedingt das, was an einer britischen Primary School als gewöhnlich galt. „Ich hätte lieber Hannah geheißen.“

          Bei den Lipas daheim wurde immer viel Musik gehört, ihr Vater ist Musiker in einer Rockband, Dua sang in der Grundschule für den Schulchor vor. „Ich musste ein Lied singen, das recht hoch war, besonders der eine Ton“, erinnert sie sich, „und meine Stimme war vollkommen untrainiert und von Natur aus sehr tief.“ Sie traf den Ton nicht. „Das war’s, hat leider nicht gereicht“, rief der Lehrer. „Ich war echt fertig.“ Acht oder neun Jahre alt war sie damals, so genau weiß sie das nicht mehr. Sie war enttäuscht, aber weit davon entfernt, verzagt zu sein. Von da an nahm sie Gesangsstunden, jedes Wochenende.

          Ihre Stimme wurde besser. Als sie elf Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Prishtina. Dua freute sich: Endlich würde sie nicht mehr fremd sein. „Doch es war das gleiche Spiel wie in Großbritannien. In der Schule war ich jetzt das Mädchen aus London.“ Wieder nicht gewöhnlich. Sie strengte sich an, damit sie dazugehörte. „So war es mein Leben lang: anpassen, anpassen, anpassen. Ich musste mich immer anpassen.“ Erst in London, dann im Kosovo, später wieder in London. In Prishtina ging sie auf ihre ersten Konzerte, mit 13 zu Method Man & Redman, später wurde sie riesiger 50-Cent-Fan. „Hip Hop war die einzig populäre Musikrichtung im Kosovo.“ Dabei hätte sie sich auch gern Künstlerinnen angeschaut, „zum Beispiel Pink oder Nelly Furtado“.

          Dua Lipa war 15, als für sie feststand, dass sie Musikerin sein wollte, Sängerin. Und: dass sie aus Prishtina wegmusste, wenn sie diesem Traum auch nur nahe kommen wollte. Sie zog nach London, allein, wohnte dort mit einem älteren Mädchen in einer Wohngemeinschaft zusammen, das auch aus dem Kosovo kam. „Ich hatte keine Angst“, sagt sie. „Und meine Eltern haben es mir zugetraut.“ Jeden Tag nach der Schule telefonierten sie miteinander. Dua wusste, wo sie hinwollte, was sie tun wollte – und ihre Eltern akzeptierten das früh. „Sie haben mir gezeigt, wie weit man mit Fleiß, mit harter Arbeit kommt.“

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