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Wer auf den Hashtag „Homecafe“ klickt, gelangt zu über einer Million ess- und trinkbarer Kreationen, die meisten von ihnen stammen aus Südkorea. Bild: Screenshot F.A.Z.

Rezeptideen aus Korea : Ein Café für den Handy-Bildschirm

Die Pandemie belastet viele Menschen seelisch. Da Ablenkungsmöglichkeiten durch Corona-Maßnahmen nur begrenzt zugänglich sind, flüchtet sich manch einer ins Internet – und findet dort ein Café im eigenen Zuhause.

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          Mit einer Zuckerzange legt Yeona Choi fünf kleine Teigbälle ins Innere der Waffeleisenpfanne und schließt sie mit einer sachten Handbewegung. Die so entstehenden Waffeln gibt sie zusammen mit Erdbeeren in eine hasenförmige Müsli-Schüssel und lässt Milch andächtig in die Schale plätschern. „Cereal Waffles“, zu Deutsch „Müsli-Waffeln“, nennt sie ihre für Instagram gefilmte Frühstückskreation, im Hintergrund des Videos läuft die Titelmelodie eines Anime-Klassikers. Über 120.000 Menschen schauten sich ihren Instagram-Post bisher an. Nie fehlen darf darunter: der Hashtag „Homecafe“. Wer auf diesen klickt, gelangt zu über einer Million ess- und trinkbarer Kreationen, die meisten von ihnen stammen aus Südkorea. Unter der koreanischen Übersetzung von Home Café „홈카페“ finden sich fast vier Millionen Postings.

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Oft in jenen kurzen Videos zu sehen sind etwa essbare Blumen, Eiswürfel in Bärchenform oder cremiger Milchschaum, kunstvoll inszeniert in ungewöhnlich geformten Trinkgläsern und umgarnt von kleinen Comicfiguren wie Snoopy und Mickey Maus. Klassische Musik, französische Chansons und japanische Filmmusik simulieren das Ambiente eines Cafés — nur eben für den Handybildschirm. Der Instagram-Trend begeistert auch bis weit über die koreanischen Landesgrenzen hinaus, in der Kommentarspalte drücken Fans aus aller Herren Länder ihre Begeisterung aus.

          Dabei geht es eher sekundär darum, Rezepte nachzukochen: Eine Zutatenliste und Mengenangaben sucht man in den Beschreibungen der Videos meist vergeblich, geschrieben wird zudem in koreanischen Schriftzeichen. Vielmehr folgt das kulinarische Filmmaterial dem Autonomous Sensory Meridian Response-Prinzip, abgekürzt unter ASMR bekannt. Dies bezeichnet die Erfahrung eines angenehm kribbelnden Gefühls auf der Haut, hervorgerufen etwa durch das Geräusch von Lagerfeuerknistern, prasselndem Regen an der Fensterscheibe — oder wie hier dem gegen Glas klirrender Eiswürfeln. Das Gefühl wird mit Entspannung, Beruhigung und Wohlbefinden verbunden, vielen Menschen hilft ASMR außerdem beim Einschlafen. Insbesondere in der Pandemie, die bei vielen für innere Unruhe sorgt, wissen die extravaganten Kreationen aus dem „Home Café“ zu begeistern.

          Große Accounts mit über zwei Millionen Followern

          Aber wer steckt hinter den Videos, in denen schweinchenrosa Milch in Sektgläsern serviert wird? Auch Sun-Joo Park filmt auf Instagram unter dem Hashtag „Home Café“ und mehr als 92.000 Nutzer folgen ihr aus diesem Grund. Reisbällchen in Entenform, Getränkekreationen in allen Farben des Regenbogens und nicht zuletzt viele Streusel sind auf dem Account „homecafe_sunjoo“ zu sehen. „Ich koche und esse gerne zu Hause“, sagt die 25 Jahre alte Koreanerin. „Und nachdem ich Videos und Gleichgesinnte unter dem Hashtag ‚Home Café‘ entdeckt hatte, beschloss ich mich dem Trend anzuschließen.“

          Mit Liebe zum Detail: Sun-Joo Park filmt ihre Kreationen meist bei Tageslicht.
          Mit Liebe zum Detail: Sun-Joo Park filmt ihre Kreationen meist bei Tageslicht. : Bild: Screenshot F.A.Z.

          Bisher ist Sun-Joo Park nicht berufstätig und wenn sie nicht gerade für Instagram filmt, kümmert sie sich um ihre Katzen. Die Gläser, Tassen und Schüsseln, auf denen oft lächelnde Comic-Gesichter abgedruckt sind, kaufe sie in verschiedenen Läden on- wie offline. Auch Inspiration finde sie an keinem bestimmten Ort, sondern eher beiläufig in ihrem Alltag. Wichtig sei ihr allerdings, die Videos bei möglichst gutem Wetter aufzunehmen und zwischen 13 und 16 Uhr, wenn die Sonne durch ihr Fenster fällt.

          Ihre beliebtesten Videos erzielen ungefähr 100.000 Klicks, womit sie allerdings noch zu den kleineren „Home Café“-Filmemachern gehört: Einer der diesbezüglich größten Accounts zählt mehr als zwei Millionen Menschen zu seiner Followerschaft. „Oft höre ich, dass meine Kreationen hungrig machen“, sagt Park, um den Instagram-Trend zu erklären. „Mir tut allerdings ein bisschen leid, dass nicht immer alles so gut schmeckt, wie es aussieht.“

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