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Ü40-Influencer : Die Erwachsenen

Ihre Pose: Maye Musk, Mutter des Tesla-Gründers Elon Musk, im Badeanzug auf Instagram. Bild: Instagram

Auf Instagram tummeln sich immer mehr Ü40-Influencerinnen. Was ist ihre Botschaft? Und wen beeinflussen sie?

          5 Min.

          Bin ich zu alt für Instagram? Diese Frage stellte ich mir vor drei Jahren, als ich einen Account eröffnete. Die erste Reaktion meiner Teenager-Tochter war: „Was willst du denn da?" Die Betonung lag auf „du". „Mal schauen", antwortete ich und kam mir insgeheim vor, als würde ich plötzlich bauchfrei tragen und Energydrinks konsumieren. Vielleicht hatte meine Tochter auch Angst, ich würde künftig Selfies von zu Hause posten, auf denen ich mir mithilfe eines Filters bunte Schmetterlinge über mein Gesicht flattern lasse. So weit ist es natürlich nie gekommen, schon weil ich gar nicht weiß, wie das geht.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles in allem bin ich eine weitgehend passive Nutzerin. Ich folge 196 Accounts, verfüge über 105 Abonnenten und habe bislang elf Beiträge gepostet; den letzten davon aus Versehen auf dem Account meiner Tochter, was zu Hause eine mittelschwere Krise ausgelöst und dazu geführt hat, dass ich vom Posten erst mal die Finger lasse. Was also habe ich als Ü-40-Frau auf dem sozialen Netzwerk verloren? Wer sind die Menschen, die mich auf Instagram beeinflussen? Lasse ich mich überhaupt beeinflussen in einem Alter, in dem man eigentlich ziemlich genau weiß, was man möchte und was nicht?

          Die Accounts, die ich abonniert habe, sind eine bunte Mischung: Ich folge den deutschen Qualitätsmedien, der New York Times, Freundinnen, anderen Müttern, der Royal Family, meiner Schwester. Aber auch Accounts von Frauen, die man als Influencer bezeichnen würde. Bei genauer Betrachtung fällt mir auf, dass die meisten die 40 überschritten haben. Mode-Ikonen wie Inès de la Fressange (63) und Iris Apfel (99) gehören dazu, Hollywood-Schauspielerinnen wie Reese Witherspoon (45), Jennifer Garner (49), Julia Roberts (53) und Julianne Moore (60) und Comedians wie Amy Schumer (40) und Celeste Barber (39), Fernsehstars wie Barbara Schöneberger (47) und Carolin Kebekus (41).

          Weniger Posen, weniger Schmollmund

          Was unterscheidet diese Ü-40-Influencerinnen von den vielen tausend jungen Frauen, die sich tagtäglich auf Instagram präsentieren? Auffällig ist, dass die Älteren meistens nicht das tun, was die Jungen zumindest sehr oft tun: Mit Posen und Schmollmund in die Kamera schauen. Sie liefern grob gesagt Content statt Schminktipps. Auch prominente Schauspielerinnen, die blendend aussehen, tun das; sie präsentieren Bücher (Witherspoon), kochen (Garner) oder senden politische Botschaften wie, in ihren seltenen Posts, Julia Roberts. Für eine gleichaltrige Userin wie mich macht sie das nahbar. Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn ein Hollywoodstar wie Julianne Moore bei einem Live-Gespräch plötzlich merkt, dass ihr Bild eingefroren ist und sie hektisch ihre Assistentin fragt: „Am I frozen?"

          Die australische Komikerin Celeste Barber bringt ohne Worte auf den Punkt, was den „Gap" zwischen U-40 und Ü-40 ausmacht. Sie stellt glamouröse Fotos und Videos von jungen Models und Influencern nach, die sich etwa am Gemüseregal im Supermarkt bauchfrei räkeln. Barber, nicht ganz so rank und schlank wie die Vorbilder unserer Kinder, macht es ihnen nach und führt so das ganze Insta-Getue ad absurdum. Mit Erfolg, der sich an ihren acht Millionen Followern ablesen lässt. Aber man darf sich nicht täuschen lassen, selbst Barber schaltet zwischendrin kurze Schminktutorials mit einer Kosmetikmarke, weil selbst sie auf Influencer-Marketing angewiesen sein dürfte.

          „Es ist schwierig, sich als erwachsene Frau hinzustellen und Posen zu machen.“

          Befinden sich Ü-40-Influencer auf einer Gratwanderung, weil ihre Follower kritischer sind? Anruf bei Annette Weber in München, deren Blog Glamometer einer der erfolgreichsten deutschen Modeblogs ist, und den sie auch auf Instagram präsentiert. Die ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift Instyle bezeichnet sich und ihre Zielgruppe in den sozialen Netzwerken als die „Erwachsenen". Die Mehrzahl ihrer Abonnentinnen sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. „Für 18-jährige Follower kann man keinen Mantel bewerben, der 5000 Euro kostet.“

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