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Ins Gold gebissen : Warum Olympioniken ihre Zähne zeigen

Gold: Valentina Rodini (links) und Federica Casarini, italienische Ruderinnen Bild: Reuters

Erstaunlich viele Goldmedaillen-Gewinner beißen in ihre runden Scheiben. Dabei bestehen die aus Elektroschrott, dem Edelmetall aus alten Smartphones und Laptops, die von Japanern eigens gespendet wurden.

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          Nein, essbar sind sie nicht, die Olympia-Medaillen. Als ob das ernsthaft jemand geglaubt hätte. Dennoch beißen erstaunlich viele Goldmedaillen-Gewinner in ihre runden Scheiben. Anlass genug, dass die Organisatoren der Olympischen Spiele in Tokio eigens darauf hinweisen: „Wir bestätigen hiermit ganz offiziell: Die Tokio-2020-Medaillen sind nicht für den Verzehr geeignet!“ Vielmehr bestünden sie aus Elektroschrott, dem Edelmetall aus alten Smartphones und Laptops, die von Japanern eigens gespendet wurden. „Ihr müsst nicht zubeißen“, heißt es in der Mitteilung. „Allerdings gehen wir davon aus, dass ihr es dennoch tun werdet.“

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Warum also beißt selbst die deutsche Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl herzhaft zu? Sicher nicht, um zu testen, ob die Goldmedaille tatsächlich aus Gold besteht. Das tut sie natürlich nicht. Sie besteht aus Silber und ist nur dünn vergoldet. Darum hinterlassen die Zähne auch keine Bissspuren, was sie früher taten, wenn man auf eine echte Goldmünze biss. So ließ sich prüfen, wie viel des verhältnismäßig weichen Edelmetalls tatsächlich in ihr steckte. In den 5000 in Tokio zu verleihenden Medaillen stecken nur 32 Kilogramm Gold, dafür aber 3500 Kilogramm Silber und 2200 Kilogramm Bronze, die aus 6,2 Millionen alten Smartphones gewonnen wurden.

          Gold: Kelsey Plum (links) und Jacquelyn Young, amerikanische Basketballerinnen
          Gold: Kelsey Plum (links) und Jacquelyn Young, amerikanische Basketballerinnen : Bild: AP

          Die letzten olympischen Gold-Goldmedaillen wurden bei den Spielen 1912 in Stockholm verliehen. Ob damals einer der Olympioniken, etwa der deutsche Schwimmer Walter Bathe, einen Goldtest mit den Zähnen machte, ist nicht überliefert. Genau 60 Jahre später aber biss John Akii-Bua aus Uganda nach seinem Sieg über die 400 Meter bei den Spielen in München als angeblich erster Olympionike zu. Warum, ist nicht bekannt. Nach Schokolade jedenfalls schmecken auch die Tokioter Medaillen nicht, was Schwimmstar Michael Phelps einmal behauptete, als er gefragt wurde, warum er denn in jede seiner 23 (!) gewonnenen Goldmedaillen gebissen habe.

          Gold: Martin Sinkovic (links) und Valent Sinkovic, Ruderer aus Kroatien
          Gold: Martin Sinkovic (links) und Valent Sinkovic, Ruderer aus Kroatien : Bild: nordphoto GmbH / PIXSELL

          Selbst der Präsident der Internationalen Gesellschaft der Olympia-Historiker, der Amerikaner David Wallechinsky, kann sich die Beißerei nicht erklären. Es sei wohl einfach eine fixe Idee der Pressefotografen, die meinen, Bilder von Athleten, die ihre Zähne zeigen, während sie vermeintlich auf ihren Medaillen herumkauen, seien „ikonisch“ und ließen sich damit besser an den Mann oder die Frau bringen. Wallechinsky ist sich sogar sicher, dass kein Sportler von allein auf die Idee käme, in seine Medaille zu beißen, wenn er nicht von den Fotografen dazu aufgefordert würde.

          Einige Sportler beißen offenbar doch von allein ins Edelmetall: Tennisspieler Rafael Nadal etwa schlägt regelmäßig seine Zähne in den Siegerpokal bei den French Open, den Coupe des Mousquetaires. Aber das ist vielleicht auch eine ganz andere Geschichte.

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