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Zauberwürfel lösen in Sekunden : Die Sucht nach Ordnung

  • -Aktualisiert am

Als Sport wird Speedcubing zur Profession. Mehr als 140.000 Teilnehmer haben bei offiziellen Wettbewerben mitgemacht. Bild: mauritius images / Nikolay Vinok

Was ist so faszinierend am Zauberwürfel, dass manche Menschen einfach nicht mehr von ihm lassen können? Ein Turnier-Cuber erzählt die Geschichte seiner andauernden Leidenschaft.

          4 Min.

          An einem Januartag im Jahr 2009 waren meine Eltern verreist, und ich saß fassungslos zu Hause am Schreibtisch. Vor mir lag der Rubik-Würfel, den ich ein paar Wochen zuvor in einem Spielzeugladen gekauft und bald frustriert aus meinem Leben verbannt hatte. Die ersten beiden Ebenen waren machbar gewesen, die dritte unmöglich. Mit der geballten Geduld, die ich als Dreizehnjähriger aufzubringen wusste, hatte ich mich nun ein letztes Mal an die Anleitung gesetzt, die ich einer nach Internet-Gründerzeit aussehenden Website entnommen hatte – und es tatsächlich geschafft. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Achttausender erklommen, als triumphseliges Mitglied eines exklusiven Klubs. Nur dass ich danach gleich wieder auf den Achttausender wollte.

          Am meisten faszinierte mich das Ende. Der Moment, in dem das Durcheinander, das den Würfel wenige Züge vor Schluss noch durchzieht, plötzlich zu makelloser Ordnung findet, war ein so verblüffendes ästhetisches Erlebnis, dass ich nicht genug davon bekommen konnte. Die ersten zwei Drittel des gängigsten Lösungswegs bestehen aus Intuition und räumlichem Vorstellungsvermögen, im letzten Schritt hantiert man dagegen mit auswendig gelernten, scheinbar unerklärlichen Zugfolgen. Man kann das mit einem Gitarrenanfänger vergleichen, der zwar nicht weiß, warum die Fingerhaltung auf einem Akkorddiagramm jetzt G-Dur ergibt, sich aber freut, was für schöne Klänge er da erzeugt. Bis er begreift, warum die Töne zusammen so gut klingen.

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