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Wandertipp : Kein Stein bleibt unerkannt

  • -Aktualisiert am

Zugang nicht möglich: In ihrem pittoresken Verfallszustand ist die Burg ohnehin am schönsten von außen anzusehen. Bild: Thomas Klein

Über abenteuerliche Pfade zu einem Canyon aus Menschenhand – dank Geopark findet man in die vergessene Montanwelt des Odenwaldes. Der Wandertipp fürs Wochenende.

          5 Min.

          Quer durch den Odenwald verläuft eine Grenze und doch versteht man sich als Einheit – erdgeschichtlich betrachtet: In ungewöhnlicher Zweiteilung trennt der Übergang vom kristallinen Untergrund zum Buntsandstein das Gebirge. Während im Westen eiszeitliche Erosionsprozesse die bis zu 500 Millionen Jahre alten Granite oder Diorite freilegten und vielerorts zu Blockhalden aufsprengten, blieb die jüngere Sandsteindecke im Osten weitgehend geschlossen.

          Als Bau- und Rohstofflager bilden beide Hälften seit Jahrtausenden ein unerschöpfliches Reservoir, vom römischen Granitsteinbruch „Felsenmeer“ über den Abbau von Sandstein für Kirchen und Schlösser bis zu zahlreichen Erz-, Silber-, Ton- oder Schwerspatgruben. Mithin Anschauung genug, sowohl diese wirtschaftliche Seite wie auch die Welt der Gesteine öffentlichkeitswirksam aufzubereiten und (2004) in Gestalt des „Geoparks Odenwald“ einen organisatorischen Überbau zu schaffen.

          Spektakulärer Weg auch die Montanregion

          Das Interesse erwies sich als derart groß, dass man vier Jahre später mit dem schon 1960 gegründeten Naturpark Bergstraße-Odenwald fusionierte und den jetzt 3800 Quadratkilometer großen Park konsequent auf Schutz und Vermittlung der Geowelten ausrichtete. Hierzu gehören vier symbolische Eingangsportale, mehrere Informationszentren, zahlreiche Lehrpfade sowie Hinweise zu besonderen Geotopen und, nicht zu vergessen, eine breite Palette an Führungsdiensten, Vorträgen oder Ausstellungen. Kein Stein bleibt da unerkannt.

          Für Entdeckerfreuden auf eigene Faust erschließt ein spektakulärer Weg auch die Montanregion in den Wäldern von Schriesheim an der südlichen Bergstraße. Wo zuvor kein Wanderzeichen in das seit dem frühen 19. Jahrhundert genutzte Abbaugebiet von Schwerspat zeigte, findet man nun dank des Geopfades die steilen Bergflanken, aus denen der auch Baryt genannte Zuschlagstoff bei der Farb- und Papierherstellung geholt wurde.

          Der unterdessen um den erneuerten „Burgensteig“ ergänzte Weg – was die Zugänglichkeit von der Bergstraße erleichtert – führt mitten durch die Grubenlöcher („Pingen“) und Schürfgräben, gipfelnd in einem schluchtartigen Felsgang. Gut ließ sich aus einer zwei Kilometer langen, teils obertägig erweiterten Verwerfungsspalte der kristalline Schwerspat gewinnen. Noch vor dem Schichtende 1939 wurde dieser einzigartige Minicanyon unter Schutz gestellt. Er ist frei zugänglich, verlangt jedoch Trittfestigkeit und gutes Schuhwerk.

          Wegbeschreibung

          Dank Straßenbahn ist Schriesheim gut an die Bahnhöfe der Umgebung angebunden. Der Ort erlebte in den vergangenen Jahren einen Bauboom, und so sieht man beim Entsteigen an der Haltestelle Bahnhof/Schillerplatz zunächst lange Zeilen schicker Häuser. Man läuft davor bis zur Bahnhofstraße und später links in die Obere Bergstraße, die in den alten Kern mit seinen handtuchschmalen Gassen mündet. Die Markierung gelbes B leitet sicher hindurch.

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          Man kommt an der Talstraße heraus. Dort treffen auch die Autofahrer von der nahen Freifläche „Festplatz“ ein. Unverändert mit dem B, heißt es in der Weinheimer Straße weiter, dann einmal rechts und einmal links, und schon stehen wir in Weinbergen. Der befestigte Wirtschaftsweg verliert bald die Asphaltdecke, was mehr zur Vegetation passt. Wie an der Bergstraße üblich, sind die Wingerte weniger flächig ausgelegt zugunsten einer ökologisch besseren Durchmischung mit Grünstreifen, Hecken und Bäumen.

          Aus dem Rahmen fällt der mächtige Mammutbaum (Sequoia), der sich über einer Linkskurve erhebt. Er steht noch aus den Tagen, als man die hier im späten 19. Jahrhundert großräumig kultivierten Streuobstbestände mit einigen Exoten auflockerte. Im weiteren Verlauf dominieren hingegen weiße und rote Trauben; ihre Größe verspricht einen guten Jahrgang. Sonne satt haben sie jedenfalls über der endlosen Rheinebene.

          Entsprechend geht es mit herrlicher Sicht bis nahe Leutershausen weiter. Noch davor biegt das B in den Wald, wo wir uns nach 200 Metern auf den Wechsel zum Burgensteig einstellen. Kurz hält sein blauer Zinnenkranz die Richtung bei, ehe er mit Hinweis zur Hirschburg rechts kräftig steigend in den Hang zeigt, erst abgemildert vor dem per knappem Abstecher erreichbaren Zugang. Viel blieb allerdings nicht von dem im 12. Jahrhundert aus Granit errichteten Gemäuer. Den Rest umklammert offenes Wurzelwerk, als sollten die Steine festgehalten werden.

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