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Der Wandertipp für Rhein-Main : Kapellenkranz um Kransberg

  • -Aktualisiert am

Schlosskapelle in Kransberg Bild: Thomas Klein

Zahlreiche Kirchen und Kapellen kennzeichnen die katholischste Ecke im Taunus. Sie liegen teils exponiert, teils versteckt in den Wäldern.

          4 Min.

          Weite Teile des Taunus gelten als evangelisch geprägt. Mit einer Ausnahme: Östlich von Usingen besteht mit Wehrheim-Pfaffenwiesbach und Usingen-Kransberg eine katholische Enklave, deren wechselnde Besitzverhältnisse sie zum Sonderfall macht. Auffallende, im 19. Jahrhundert entstandene Kirchen sind ebenso kennzeichnend wie Kapellen und eine der wenigen Wallfahrtsstätten im Taunus.

          Allerdings war das katholische Glaubensverständnis nicht immer so ausgeprägt, wie es die exponiert stehenden Kirchenbauten vermuten lassen. Ursprünglich waren beide Orte im 16. Jahrhundert protestantisch geworden, mussten sich 1605 aber der Rekatholisierung nach dem Übergang an Kurmainz beugen. Als dann im 19. Jahrhundert mit den Nassauer Herzögen wieder der evangelische Glauben einzog, hielten die Gemeinden am Althergebrachten fest.

          Erst Bildstock, dann Kapellchen

          Für die neuen Gotteshäuser profitierte Kransberg von einem generösen Erbe, während die Pfaffenwiesbacher nur „unter unsäglichen Mühen“ vorankamen. Baumängel erzwangen mehrere Renovierungen, wobei die jüngste zwar die schönste, aber auch gewöhnungsbedürftigste ist. Korrespondierend zum sanierten Ortskern erhielten die Natursteinmauern 2015 einen weiß-grauen Überzug. Selbst der oberhalb am Waldrand 1948 von dankbaren Kriegsheimkehrern errichtete Bildstock wurde erst 2007 umgewandelt zu einem Kapellchen.

          Nahe Kransberg wurde die Kreuzkapelle dagegen schon um 1700 gestiftet. Sie liegt heute im Wald versteckt. Den Blick lenkte eine Allee mit Hainbuchen hinauf, von der einige uralte Vertreter überdauerten. Natürlich stand einst die Marienkapelle kronengleich über der Fernstraße zwischen dem Usinger Becken und der Wetterau (B 276). Heute offenbart erst der Anstieg durch dichten Eichenniederwald, welch Kleinod sich an dem 300 Meter hohen Holzberg verbirgt. Der Turm, gedrungen und wuchtig, deutet auf eine ins Mittelalter reichende Schutzfunktion als Pfarrkirche, gewandelt seit der Rekatholisierung zu einer Wallfahrtsstätte. Die Pilger verehren dort ein Gnadenbild Mariens.

          Wegbeschreibung

          Einstiegsmöglichkeiten für eine Wanderung durch die Sakrallandschaft rings um das Wiesental gibt es viele. Hier wurde Pfaffenwiesbach gewählt, da das Zentrum noch etwas von seiner kleinteilig-bäuerlichen Vergangenheit mitteilt. Es gibt auch ein Dorfmuseum, das allerdings keine festen Öffnungszeiten hat. In dessen Nähe, hinter dem Alten Schulhaus, kann man gut parken und an der Nauheimer Straße dem Bus entsteigen. Für einen verkürzten Einstieg bis Kransberg lässt sich vom Parkplatz aus das Zeichen grüner Strich nutzen.

          In der Nauheimer Straße leitet dagegen der blaue Schmetterling. Das Naturpark-Zeichen biegt nach links kurz auf die Wehrheimer und gleich nach rechts auf die Höhenstraße ab. Ein Stück oberhalb wird diese nach links ins Feld verlassen. Dort gibt es freie Sicht auf den Ort und seine darüber „schwebende“ Pfarrkirche. Der vergraste Weg stößt fast an eine Landstraße, kriegt aber noch die Rechtskurve und führt unverändert zwischen Wiesen zum oberen Waldrand. Hinein geht es nach einem Rechtsschwenk wenige Schritte an der Straße, und dann vor dem Naturparkplatz spitzwinklig links keine 200 Meter zur Kreuzkapelle.

          Unterdessen hat sich das Zeichen schwarzer Hirschkäfer hinzugesellt. Am hell gekiesten Forstweg biegen nach 300 Metern die beiden „Tiere“ rechts ab. Weil als Rundweg angelegt zeigt der Käfer zugleich auch geradeaus. Diese Variante auf einem Pfad wählt man, um über 400 Meter den Anschluss zum grünen Strich herzustellen; dort geht es nach rechts nun wieder auf breitem Forstweg.

          Ein teils neugotisches Schloss

          Der Käfer läuft zwar mit, doch die nächste Richtungsänderung nach 300 Metern rechts ist deutlicher erkennbar. Dabei bewegt man sich in geschlossenen Hainbuchenbeständen. Es lag nahe, mit diesem Baum die Allee zur Kreuzkapelle anzulegen. Sie erreicht man bald links abweichend in Höhe einer Sitzbank. Da vom allgemeinen Sanierungsboom verschont, wirkt das ergraute Holz von Altar und Bänken fast so alt wie die Hainbuchenallee nach Kransberg.

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