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Der Wandertipp : Auf den Spuren der Nibelungen

  • -Aktualisiert am

Grünzug: Auf den Spuren der Nibelungen im Odenwald Bild: Quelle: Thomas Klein

Wo wurde Siegfried ermordet? Das Nibelungenlied lässt es offen, und so gibt es mehrere mögliche Tatorte im Odenwald. Am Roten Wasser, dem einzigen Moor der Region, war es jedoch vermutlich nicht.

          5 Min.

          Wasser ist das Lebenselixier des Odenwaldes. Von drei Strömen, Rhein, Main und Neckar gefasst, waren es Flüsse wie Gersprenz, Weschnitz und Mümling, entlang denen die Besiedlung erfolgte, gipfelnd im Mittelzentrum Erbach und Michelstadt. Das wudert es nicht, dass auch Quellorte erobert, geschützt und symbolträchtig überhöht wurden. Nicht weit vom Ursprung der Weschnitz entstand an einer vorchristlichen Kultstätte eine später Walpurgis gewidmete Kapelle, und in Güttersbach erwuchs die romanisch-gotische Kirche über dem als wundertätig aufgesuchten Kirchbrunnen.

          Am Beginn steht dort der Name Einhard, der Berater und Biograph von Kaiser Karl dem Großen war. Aus Dankbarkeit habe er ein erstes Gotteshaus gefördert, seit die kranke Gemahlin Imma von dem Wasser, das erst viel später per Leitung davor gefasst wurde, genesen sein soll. Und eigentlich konnte nur an einer hiesigen Quelle das berühmteste deutschsprachige Versepos, das Nibelungenlied, mit der hinterhältigen Ermordung Siegfrieds seinem dramatischen Höhepunkt zustreben.

          Ob das Gewässer, an dem ihn Hagen „durch das Zeichen hindurch mit dem Speer traf“, wie es in Strophe 981 heißt, tatsächlich in Odins Wald zu suchen ist, hat schon Generationen von Gelehrten und Lokalpatrioten beschäftigt. Wenn schon das Gebirge als der edlen Recken liebstes Jagdrevier genannt wird, kann sich Siegfried dann hier nicht auch von seiner verwundbarsten Stelle gezeigt haben?

          Doch wo genau? Vor allem glaubt man in Grasellenbach gerne daran, im Mittelpunkt der Saga um Heldentum und Verrat zu stehen. Ungeachtet weiterer Gemeinden wie Hüttenthal, das den Mordort am Lindelbrunnen nahe der heutigen B 460 reklamiert, setzte man schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Sandsteinkreuz an der für authentisch erachteten Quelle der Quellen, dem eine moderne Arbeit für das Zentrum folgte. Zum (vermuteten) Jubiläum der achthundertjährigen Niederschrift im Jahr 2000 erstellte der Bildhauer Volker Reinhard den dreiteiligen Nibelungenbrunnen.

          Oder geschah der Meuchelmord in einem Quellgebiet, dessen Name „Rotes Wasser“ doch Indiz genug sein sollte? Entgegen der Fama dürfte es kaum Siegfrieds Blut gewesen sein, das in dem geschützten Moor vergossen wurde. Nur wusste man früher nichts von einer Braunalge, die den Eisengehalt des Wassers bindet und rostrot absetzt.

          Dabei ist der vorherrschende Ton Grün in diesem einzigen echten, weil torfbildenden Moor im Odenwald, besonders jetzt, da Seggen, Mooskissen, Wollgras und ein fast undurchdringliches Meer an Farnen in prachtvollem Wuchs stehen.

          Wegbeschreibung

          Ob mit Bus oder Auto eingetroffen, zunächst sollte der Nibelungenbrunnen am Rand des zentralen Parkplatzes vor der Tourist-Information gewürdigt werden. Die dreiteilige Gruppe wurde jüngst erneuert, blieb aber zugänglich.

          Weiter geht es auf der Guntherstraße, wo Wanderer die gelbe Markierung umgedrehtes T sichten und mit ihr rechts in die Siegfriedstraße biegen. Ausgangs zeigt das Zeichen aus der Rechtskurve in den Wald; dann weist es nach rechts und bald scharf links, bis es sich am Ende eines langgestreckten Rechtsbogens geradeaus einpendelt.

          Buchen und Fichten wechseln einander ab auf dem Weg zur Zwischenstation Köhlerhütte. Der freie Nachbau erinnert an die vielen, auch den Odenwald bis ins 19. Jahrhundert prägenden Meilerplätze. Die engen Täler, wie das zehn Minuten später erreichte des Streitbachs, beschränkten allerdings die Industrialisierung, was der Forst- und Landwirtschaft zugute gekommen ist.

          So ist auch das baumlose Intermezzo beim Queren von Bach und Bundesstraße nur kurz. Auf der anderen Seite, am Denkmal für den Politiker und Forstmann Georg Wilhelm Freiherr von Wedekind, steigt man nach links gleich wieder in Wald ein und über Serpentinen bergan. Nach der fünften, scharf rechts, ist die Höhe nicht mehr fern, auf der man nach rechts zum blauen Quadrat wechselt – und damit in eine andere Vegetationszone. Dank Sandsteinuntergrund dominieren nun luftige Kiefern und Eichen über Heidelbeeren und Heidekraut.

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