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Boris Herrmann im Fragebogen : „Ich glaube, das Boot hat mir zugehört“

Ein wenig Aberglaube muss sein: Boris Herrmann auf seiner Seaexplorer-Yacht, mit der er innerhalb von drei Monaten einmal um die Welt segelte. Bild: © Pierre Bouras / Team Malizia

In 80 Tagen ganz allein einmal um die Welt: Als erster Deutscher beendete Boris Herrmann mit der Vendée Globe eine der härtesten Segelregatten. Im Fragebogen spricht er nun über seine Yacht, Tränen auf dem Sofa und das ganz große Glück.

          3 Min.

          80 Tage allein auf der Yacht und mehr als 45.000 Kilometer einmal um die Welt: Ende Januar beendete Boris Herrmann als erster Deutscher die Vendée Globe, eine der härtesten Segelregatten. Der 39 Jahre alte Hamburger erreichte den fünften Rang. Einen Platz auf dem Siegerpodest hätte er sicher gehabt, wäre er kurz vor dem Ziel nicht mit einem Fischerboot kollidiert. Seitdem ist der Vater einer kleinen Tochter bekannt, auch dem Bundespräsidenten durfte er von seinen Erlebnissen berichten. 2022 will er wieder mit der „Seaexplorer“ die Welt umrunden – dann jedoch nicht allein, sondern im Rahmen des Ocean Race als Kapitän einer fünfköpfigen Crew.

          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Müsli mit Apfel, dazu einen Cappuccino. Das Müsli mische ich mir meistens selbst, weil mir die fertigen aus dem Supermarkt zu süß sind.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Ich bin kein Fashion Victim und gehe selten einkaufen. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie habe ich mir keine Kleidung mehr gekauft. Aber wenn es mal wieder möglich ist, schlendere ich gerne in Hamburg-Ottensen durch kleine Boutiquen.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ich habe einen Gürtel um, den ich seit 2016 trage und der schon etwas zerfleddert ist, aber ziemlich widerstandsfähig. Den trage ich auch immer beim Segeln.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Das muss viele Jahre her sein, ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern.

          Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?

          Vor der Vendée Globe habe ich „Magellan“ von Stefan Zweig gelesen. Das war sehr beeindruckend. Unterwegs habe ich dann „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari angefangen, habe aber nur 80 Seiten geschafft.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Während der Regatta habe ich mir immer einen Nachrichten-Podcast per Whatsapp schicken lassen. Generell höre ich total gerne Radio. Eine Tageszeitung beziehen wir momentan nicht, weil beim letzten Abo der Bote unsere Wohnung in der Hafencity nie gefunden hat und wir die Zeitung immer erst am Nachmittag oder einen Tag zu spät bekommen haben. Aber vielleicht wird es bald Zeit für einen neuen Versuch.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich bin nicht so der Smalltalk-Typ und kommentiere gegenüber Fremden auch keine Fußballergebnisse oder so etwas. Wenn ich mit Freunden herumsitze, schwelge ich am liebsten in den Erinnerungen der vergangenen Jahre.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Ich heule fast immer bei Filmen. Es braucht nur ein bisschen schnulzige Romantik, und ich breche sofort in Tränen aus.

          Sind Sie abergläubisch?

          Eigentlich nicht, aber die Vendée Globe hat mich vielleicht schon etwas abergläubischer gemacht. Es gehören einfach so viele Fügungen dazu, um ins Ziel zu kommen. Darum habe ich auch nie etwas Schlechtes über das Boot gesagt. Ich glaube nämlich, dass es mir zugehört hat.

          Worüber können Sie lachen?

          Über diese Behind-the-Scenes-Geschichten, die man mit Freunden oder seinem Team abseits von irgendwelchen offiziellen Terminen erlebt.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Malou, das ist der Name meiner Tochter.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Mir ist es wichtig, zweimal am Tag warm zu essen und mittags nicht nur ein Sandwich reinzuziehen. Ich nehme mir dafür Zeit, am liebsten mit Vor- und Nachspeise.

          In welchem Land würden Sie am liebsten leben?

          Ich habe in den vergangenen Jahren viel im Ausland gelebt, mich ausgetobt und viel Zeit in Barcelona, New York und Frankreich verbracht. Mittlerweile lebe ich aber bewusst und gerne in der Hafencity.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Eine Flasche Bier.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Mit dem eigenen Auto, weil wir dann so oft und wann wir wollen ans Meer fahren können. Wir haben lange Zeit Carsharing gemacht, aber seit ich gerne Kitesurfen gehe, ist es schon einfacher, ein eigenes Auto zu besitzen.

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          Was ist Ihr größtes Talent?

          Früher habe ich ganz gut Schlagzeug in einer Jazz-Band gespielt, aber in den vergangenen Jahren bin ich leider nicht mehr so oft dazu gekommen. Generell glaube ich, dass es ganz gut ist, dass ich viele Dinge zumindest ein bisschen kann. Beim Einhandsegeln oder auch bei unserem vier Jahre dauernden Vendée-Globe-Projekt darf man keine Lücke haben. Man muss alles zumindest ein wenig beherrschen, um am Ende erfolgreich zu sein.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          (Schweigt lange, fragt schließlich seine Frau.) Sie sagt, ich parke immer sehr unvernünftig.

          Welche historische Person würden Sie gerne treffen?

          Ferdinand Magellan, der die erste Weltumsegelung gestartet, deren Ende aber nicht mehr erlebt hat.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Ich trage meine Uhr – eine Glashütte Original, SeaQ Panoramadatum, die ich auch bei der Vendée Globe dabei hatte. Und meinen Ehering. Das ist alles.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Nein, hatte ich auch nie. Vor der Regatta habe ich mal geschaut, ob es ein Parfum gibt, das mich an bestimmte Situationen an Land erinnert. Auf dem Meer gibt es ja praktisch keine Gerüche. Habe ich aber nicht gefunden.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Als Kind bin ich häufig auf Spiekeroog oder in St. Peter-Ording gewesen. Wenn der Wind wehte, man einen Tag am Strand verbracht hat und abends noch gegrillt wurde, dann konnte es eigentlich nicht mehr besser werden.

          Selfie auf See: Boris Herrmann während der Vendée Globe
          Selfie auf See: Boris Herrmann während der Vendée Globe : Bild: Team Malizia

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Das war ein Open-Air-Konzert von Fury in the Slaughterhouse in Dortmund. Ich kenne den Sänger, und er hatte uns in den Backstage-Bereich eingeladen. Wir durften am Rand der Bühne stehen.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Da ich Frau und Kind bereits habe, habe ich die Grundlage für das größte Glück schon geschaffen. Ich habe vier Jahre lang auf die Vendée Globe hingearbeitet und mir damit einen riesigen Traum erfüllt. Aber als ich dann unterwegs war, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als mit meiner Frau und meiner Tochter in einem Park zu sitzen und Blümchen zu pflücken.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Am liebsten das Feierabendbier aus dem Kühlschrank.

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