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Hannes Þór Halldórsson : „Ich liebe Film und Fußball gleichermaßen“

  • -Aktualisiert am

Hannes Þór Halldórsson tauscht Torwarthandschuhe gegen Kamera: Bereits im vergangenen Sommer feierte sein Debütfilm „Cop Secret“ Weltpremiere beim renommierten Festival in Locarno. Bild: EPA

Nach dem Ende seiner Karriere als Torwart der isländischen Nationalmannschaft widmet sich Hannes Þór Halldórsson ganz dem Film. Im Interview spricht er über Homosexualität im Fußball und seinen neuen Lebensabschnitt.

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          77 Spiele lang war Hannes Þór Halldórsson Torwart der isländischen Fußballnationalmannschaft der Männer. Auch als das Team 2016 sensationell das Viertelfinale der EM erreichte, war der mit von der Partie. Im März diesen Jahres beendete er seine Profikarriere und widmet sich nun ganz der zweiten Laufbahn als Regisseur. Bereits im vergangenen Sommer feierte sein Debütfilm „Cop Secret“ Weltpremiere beim renommierten Festival in Locarno. Die irre Actionkomödie über zwei rivalisierende Ermittler, die sich bei der Aufklärung einer Bankraub-Serie ineinander verlieben, läuft seit dem 23.6. auch in den deutschen Kinos.

          Herr Hallórsson, parallel zu einer Karriere als Profifußballer einen Kinofilm zu inszenieren, das macht nicht jeder. Hatten Sie diesen Traum schon Ihre ganze Kicker-Karriere über?

          Sagen wir es mal so: meinen allerersten kleinen Kurzfilm habe ich mit 12 Jahren gedreht und mit 16 bin ich dann in der Schule dem Videoclub beigetreten. Die Schule hatte eigentlich einen Wirtschaftsschwerpunkt, aber mich interessierte bis zum Abschluss eigentlich nur, was wir in diesem Club gemacht haben: Kurzfilme, Videos, Unterhaltungsshows für ein Publikum von 200 Leuten. Seit damals weiß ich, dass Regie meine Leidenschaft ist. Und den Fußballtraum hatte ich eigentlich sowieso schon längst beerdigt, nachdem ich mich mit 14 Jahren schwer an der Schulter verletzt hatte.

          Trotzdem haben Sie dann ja erst einmal den Weg des Sportlers eingeschlagen?

          Nachdem ich vier Jahre quasi nicht gespielt hatte, rief mich kurz nach dem Schulabschluss mein alter Coach an, weil er verzweifelt war und einen Torhüter brauchte. Ich war früher echt gut gewesen, also dachte ich, dass ich es vielleicht nochmal versuchen sollte. Wäre doch schade, sein Talent zu verschwenden. Und siehe da: die Begeisterung für den Fußball loderte doch noch in mir. Plötzlich wollte ich es nochmal wissen. Aber weil ich ganz unten anfangen musste, konnte ich lange nicht davon leben und brauchte nebenbei einen Job. So bin ich dann jahrelang zweigleisig gefahren, habe gekickt und Werbespots inszeniert. Nur an einen Spielfilm war noch nicht zu denken, denn beim Fußball lief es immer besser. Für eine Weile war es wichtig, mich auf die Nationalmannschaft und mein jeweiliges Team zu konzentrieren, zumal ich ja teilweise auch in anderen europäischen Ländern unter Vertrag stand.

          Am Ende haben Sie „Cop Secret“ aber dann doch noch während Ihrer aktiven Karriere gedreht…

          Das hatte ich tatsächlich lange nicht für möglich gehalten. Aber als ich 2019 nach vielen Jahren wieder bei einem isländischen Verein anheuerte und zurück nach Hause zog, wurde die Sache plötzlich machbarer. Immer noch ambitioniert, aber nicht mehr vollkommen unrealistisch. Einen ersten Entwurf von „Cop Secret“ hatte ich ohnehin schon in der Schublade, also habe ich irgendwann angefangen, diesbezüglich erste Meetings zu arrangieren. Als ich dann die Produzentin Lilja Ósk Snorradóttir traf, beschlossen wir, es einfach zu versuchen. Wir bewarben uns für Förderung vom Icelandic Film Center, wo man unsere Idee mochte – und so nahm alles seinen Lauf. Es wurde dann ein ziemlicher Kraftakt, weil wir im Sommer, und deswegen mitten in der Spielzeit, zwischen Meisterschafts- und Länderspielen drehen mussten. Aber wir haben es durchgezogen.

          Hat Ihre Popularität als Fußballspieler geholfen, den Film auf die Beine zu stellen?

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