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Auch ein Held muss menschliche Züge haben, findet Tom Wlaschiha. Bild: Jens Koch/Bild

Tom Wlaschiha im Interview : „Es geht immer um Sex, Lust und Macht“

  • -Aktualisiert am

Tom Wlaschiha, der Mann fürs Zwielichtige, leiht seine Stimme dem Disney-Helden „Lightyear“. Ein Gespräch über Gut und Böse, Deutsche in Hollywood und die Unendlichkeit des Weltraums.

          5 Min.

          Die Arme vor der Brust verschränkt: So begrüßt Tom Wlaschiha zum Zoom-Interview – und in dieser Haltung wird der Schauspieler für die meiste Zeit bleiben. Er ist bekannt dafür, sich nur wenig zu Privatem zu äußern. Für das Gespräch sitzt er auf einem Hocker in einem dunklen Raum. Mit Phantasie sieht es so aus, als würde er durchs All treiben. Neben ihm hängt ein Plakat von „Lightyear“, dem neuen Disney-Pixar-Animationsfilm, den er synchronisiert hat: Der Astronaut Buzz Lightyear – ein „Space Ranger“ laut Film – erkundet fremde Planeten.

          Sie sprechen jetzt einen Astronauten, der letzten Endes – so viel soll verraten sein – die Menschen rettet. Wie spricht man einen Helden?

          Am besten spricht man einen Helden wie einen normalen Menschen. Denn so richtige, makellose Helden gibt es nicht. Da steht dann ja auch die Frage im Raum: Was ist denn jetzt ein Held?

          Beantworten Sie sie doch gleich mit.

          Ein Held ist jemand, der sich in außergewöhnlichen Situationen bewährt und gegen Widerstände etwas schafft, was andere nicht schaffen.

          Gibt es überhaupt etwas, worauf man als Sprecher eines Helden achten muss? Pathos und Emotionen?

          Ja, von allem natürlich etwas. Was bei jedem Helden wichtig ist: dass er menschliche Züge hat. Sonst kann man sich als Zuschauer nicht zu ihm in Beziehung setzen. Alles, was Sie genannt haben, ist bei Buzz Lightyear drin. Da ist einiges an Pathos, weil er sich immer mehr vornimmt, als er gleich schafft. Er hat immer den absoluten Plan und muss dann merken, dass auch er auf Hilfe angewiesen ist.

          Sie haben mal gesagt, strahlende Helden seien langweilig. Jetzt geben Sie einem Disney-Helden Ihre Stimme.

          Buzz Lightyear ist für mich kein strahlender Held. Er ist auf einer Reise – und auf dieser Reise erkennt er eben, dass bestimmte Sachen, von denen er überzeugt ist, doch nicht so gut funktionieren. Dass er eben doch Hilfe braucht, um bestimmte Ziele zu erreichen. Dass Menschen, die er auf der Erde zurücklässt, ihm näher sind, als er es doch am Anfang zugeben will. Das ist es, was ich mit meiner Aussage meine: Es muss immer Brüche geben und menschliche Züge sowieso.

          Im Englischen spricht Chris Evans die Rolle. Wie geht man an so ein Vorbild heran?

          Chris Evans macht seinen Part gut, aber ich spreche jetzt ja hoffentlich nicht wie Chris Evans 2.0, sondern wie ich selbst. Beim Schauen des Films bekommt man ein Gefühl für den Gesamtbogen der Rolle und versucht, dem gerecht zu werden. Synchron zu sprechen heißt nicht, etwas möglichst hundertprozentig nachzumachen, sondern die Rolle nachzuempfinden.

          In „Lightyear“ geht es unter anderem um Zeit – und um die Frage, wie und mit wem man sie verbringen möchte. Stellen Sie sich diese Frage auch?

          Jeder reflektierende Mensch denkt darüber nach. Und dass unsere Zeit hier endlich ist, das haben die meisten im Hinterkopf. Man muss da nur ab und zu die richtigen Schlüsse rausziehen für sich selbst und mal sagen: Jetzt nehme ich mir Zeit für mich und mache die Dinge, die ich wirklich gerne machen möchte. Manchmal muss man sich auch der Langeweile hingeben.

          Es ist nicht die erste große amerikanische Produktion, bei der Sie dabei sind. Wie setzt man sich als Deutscher in Hollywood durch?

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