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The Streets sind zurück : Keinen Bock, ans Telefon zu gehen

Mike Skinner, besser bekannt unter dem Künstlernamen The Streets Bild: Universal Music

Mike Skinner aka. The Streets ist zurück: mit vielen anderen Künstlern und Songs, die wie immer nah am Zeitgeist sind. Ein virtuelles Treffen.

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          Die Deutschen und die Briten sind sich sehr, sehr ähnlich, nur in einer Angelegenheit sind sie ganz und gar verschieden: „Wir Briten wollen immer nett sein. Und ihr Deutschen, ihr wollt immer die Wahrheit sagen und hören.“ Dass das hierzulande nicht unhöflich gemeint sei, habe er lernen müssen, sagt Mike Skinner, der britische Musiker, den viele nur als The Streets kennen. Viel Zeit habe er in Deutschland verbracht und die Ehrlichkeit schätzen gelernt. „Wenn du in London im Restaurant bist und das Essen ist furchtbar und man dich fragt, wie es schmeckt, dann sagst du: phanstastisch!“ 

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Höflich ist Mike Skinner jedenfalls auch, er nimmt sich Zeit für seine Antworten und denkt lange über Fragen nach. „None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive“ heißt das neu erschienene Mixtape von The Streets, ein Lebenszeichen, auf das Fans seit neun Jahren gewartet haben.

          Es kann schnell mal etwas peinlich werden, wenn Musiker versuchen, immer bloß irgendwie am Zeitgeist zu kratzen. Songs über Smartphones und Instagram sind vielleicht nicht für die Ewigkeit gemacht, am Ende wollen wir eben doch nur von Liebe und Hass, Krieg und Frieden, allerhöchstens noch von Alkohol und Party erzählt bekommen. Wenn es aber Mike Skinner nun mal immer wieder gelingt, die aktuelle Situation auf beängstigende Art und Weise musikalisch und lyrisch zu verarbeiten? „Dann ist das wirklich absoluter, totaler Zufall.“ Sagt Skinner.

          Die für Skinner beinahe obligatorische Portion Dystopie findet sich auch auf „None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive“  – doch wer kann sich in diesen Tagen dystopischer Gedanken noch erwehren? Wer hat nicht schon darüber nachgedacht, dass wir aus diesem vertrackten Dasein nicht mehr rausholen können als das, was gerade geht? Virus, Lockdown, Rezession – und dann? Lebendig kommen wir da nicht raus, da könnte Mr. Skinner recht haben.

          Er vermisst die Londoner Clubs

          Und das war bei ihm irgendwie schon immer so: 2004 hatte er mit The Streets seinen wohl erfolgreichsten Hit. In „You’re fit but you know it” ging es darum, dass diese eine Frau wirklich wahnsinnig gutaussehend war, aber leider zu viel ins Solarium ging und vor allem um die eigene Schönheit viel zu gut Bescheid wusste. Das erinnert an spätere Mein-Körper-ist-ein-Tempel-Selbstoptimierungsprozesse in den sozialen Medien. Oder das 2011 erschienene Album „Computers and Blues“, das eigentlich sein letztes sein sollte, auf dem es hauptsächlich darum ging, wie sich neue Technologien auf unsere Beziehungen auswirken. Und auch wenn das 2011 nicht besonders originell wirkte, im Nachhinein enthielt es doch heute noch immer sehr wahre Zeilen, wie etwa in „Trust Me”: „We all fear of company / But we are fierce anonymously / Enter shit on the internet / Clashing people, chatting evil“.

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