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Schau „The Polaroid Diaries“ : Mary McCartney macht sich ihr Bild vom Leben

  • -Aktualisiert am

Plötzlich im Mittelpunkt: Musiker Paul McCartney mit seiner damaligen Ehefrau Linda und Tochter Mary auf dem Londoner Flughafen. Bild: dpa

Szenen aus dem gewöhnlichen Leben einer außergewöhnlichen Familie: Die von Paul McCartney und seinen Töchtern kuratierte Schau im Ausstellungshaus C/O Berlin gibt Einblicke in die private Welt der McCartney-Familie.

          2 Min.

          Die Eröffnung der Ausstellung „The Polaroid Diaries“ ihrer Mutter Linda McCartney im C/O Berlin war für Mary McCartney die letzte Reise vor der Corona-Zwangspause. Bis die Fotografin wieder unterwegs sein darf, macht sie das, was viele machen: kochen. Über ihren Instagram-Kanal veröffentlicht sie vegetarische Rezepte, ein kleiner Teaser für ihr Buch „Feeding Creativity“, mit Porträt- und Food-Fotografie, das im Herbst erscheint.

          „Das ist mein Beitrag, um die aktuelle Situation zu verbessern“, sagt McCartney im Gespräch über Facetime. Eigentlich sollte sie gerade die Tänzer des Royal Ballet bis zur Premiere des neuen Stücks „The Dante Projects“ begleiten. Morgens mit ihnen in ihren Wohnungen aufstehen, die Arbeit hinter der Perfektion der Vorstellung dokumentieren, abends mit ihnen einschlafen. Aber auch das wurde verschoben. Nun sitzt sie weiter in London fest.

          Wo die „Polaroid Diaries“ entstanden

          Im Gegensatz zu ihrer Schwester Stella McCartney, die schon früh wusste, was sie wollte, und mit ihrem Modehaus längst aus dem Schatten ihres berühmten Vaters getreten ist, wurde Mary erst als junger Frau bewusst, dass sie zur Kamera greifen wollte. Dabei war schon ihre Mutter Linda eine erfolgreiche Fotografin, als sie Paul McCartney kennenlernte – als „US Female Photographer of the Year“ und erste Cover-Fotografin für das Magazin „Rolling Stone“.

          „Erst als ich mit ihr an ihrem Archiv arbeitete, habe ich gesehen, dass es einen besonderen Blick braucht. Meine Mutter hatte die Gabe, Menschen in unbefangenen Momenten einzufangen, und ich glaube, ich habe das von ihr geerbt“, sagt Mary McCartney. Gerne erzählt sie die bekannte Anekdote über die Anfänge ihrer Mutter. Als Rezeptionistin für das Magazin „Town & Country“ fing Linda McCartney eine Einladung der Rolling Stones für die Vorstellung ihres neuen Albums auf einer Yacht im Hudson River ab. Sie gab sich als Journalistin aus, kam als einzige mit Fotos zurück und wurde so zur gefragten Musikfotografin, die Aretha Franklin, Eric Clapton und später eben auch die Beatles ablichtete.

          Von ihrer Mutter ins Bild gesetzt: Mary McCartney (rechts) mit ihrer Schwester Stella Mitte der siebziger Jahre

          Aber die Ehe änderte ihre Perspektive mit einem Schlag. Die Betrachterin wurde plötzlich zum Subjekt. Paul und Linda McCartney zogen sich vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit auf einen schottischen Bauernhof zurück, wo sie ohne Hausangestellte lebten und die Kinder mit dem Bus zur örtlichen Schule fuhren. Dort entstanden die „Polaroid Diaries“, Szenen aus dem gewöhnlichen Leben einer außergewöhnlichen Familie, die nun von Paul McCartney und seinen Töchtern kuratiert im Ausstellungshaus C/O Berlin zu sehen sind. Es sind Bilder von Paul mit Zahnpastaschaum im Mund, mit seinen Kindern im Arm, Mary, die Geburtstagskerzen auspustet, eine jugendliche Stella, die mit Kate Moss auf einer Treppenstufe sitzt und erahnen lässt, dass es doch nicht ganz so gewöhnliche Menschen sind.

          Auf einmal gefangen

          Mary McCartney kann mittlerweile selbst auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Sie hat die Queen zum 63. Thronjubiläum fotografiert, ihre Bilder wurden in der National Portrait Gallery ausgestellt, und im Sommer soll eine Ausstellung im Château La Coste in der Provence eröffnen. Sie ist auch zur Botschafterin ihrer Mutter geworden, verwaltet das Werk Linda McCartneys, ist wie ihre Eltern und Geschwister Tierschutzaktivistin – und schreibt vegetarische Kochbücher.

          Seltsamerweise bringt sie die gegenwärtige Weltlage in eine ähnlich einengende Situation wie die Berühmtheit ihrer Mutter damals: Sie ist auf einmal gefangen und kann nicht mehr einfach rausgehen, um mit Menschen zusammen zu sein: „Ich habe immer die Nähe zu Menschen gesucht. Jetzt sehne ich mich sehr danach zu sehen, wie sich Menschen nahe sind und einander berühren. Es sind einfache, selbstverständliche Gesten, die plötzlich unmöglich geworden sind. Ich habe in den vergangenen Wochen einen ganz zärtlichen Blick auf diese Momente entwickelt und schaue ganz anders auf meine Arbeiten.“

          "Linda McCartney. The Polaroid Diaries". C/O Berlin, bis zum 5. September

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