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Die „Breathable Bacon“-Maske kommt mit passendem Aufdruck. Bild: Hormel

Maske mit Bacon-Duft : Speck zum Einatmen

Homer Simpson gefällt das: Eine Firma aus Austin stellt jetzt Masken her, die als „Breathable Bacon“ fungieren. Auf den ersten Blick ist das bizarr – auf den zweiten Blick eine geniale Idee.

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          Es war ja nur eine Frage der Zeit: Nach den lustigen Masken mit Faultiermuster und denen mit der eigenen Mundpartie drauf, die halb echt und halb gruselig aussehen, musste jemand das Stoffstück des Jahres noch mal neu erfinden. Und auch wenn wir zuerst auf eine schillernde Paillettensaison in den Gesichtern modischer Mitmenschen getippt hätten, ist es nicht ganz überraschend, dass stattdessen Düften der Vorzug gegeben wird. Wenn sogar Slipeinlagen parfümiert sind, gibt es keinen Grund für die Produzenten, vor Alltagsmasken Halt zu machen.

          Ätherische Öle zum Aufsprühen für die Maske, falls jemand die U-Bahn leichter mit Lavendel- oder Vanilleduft erträgt, gibt es schon eine Weile. Aber den Geruch nach Frühstücksspeck den ganzen Tag direkt vor der Nase baumeln zu lassen – auf diese Idee kam erst die amerikanische Firma Hormel. „Wir konzentrieren uns darauf, fortwährend Innovationen hervorzubringen“, sagt der Senior Brand Manager Nick Schweitzer stolz, und ja, es handelt sich schon irgendwie um eine Innovation bei der „Breathable Bacon“-Maske. Aber ist es auch eine gute Idee?

          Hormel ist ein Traditionsunternehmen: Seit fast 130 Jahren stellt es abgepacktes Fleisch her. Die Produkte sollen sich natürlich weiterhin verkaufen, und da wären Zweifel berechtigt, ob nicht ein gewisser Überdruss aufkommt, wenn die Leute den ganzen Tag Bacon riechen. Wer noch nie nach zwei Stunden Plätzchenbacken keine Lust mehr hatte auf den süßen Kram und stattdessen ein ganzes Glas Gewürzgurken gegessen hat, werfe den ersten Schinken. „Wir möchten unseren Fans den Black Label Bacon näher bringen“, sagt Schweitzer, und direkt vorm Gesicht ist wirklich sehr, sehr nah, auch wenn die Firma explizit davon abrät, auf dem Stoff zu kauen.

          Umso erstaunlicher ist die Idee, weil die Firma ihre Erfahrungen damit gemacht hat, wie es ist, wenn alle genervt von ihren Produkten sind: Im zweiten Weltkrieg war ihr Produkt Spam (spiced ham, gewürzter Schinken) zugleich allgegenwärtig und fast das einzige Fleischerzeugnis, was zu bekommen war. Ein Monty-Python-Sketch dazu zeigt, wie in einem Imbiss fast alle Gerichte auf der Karte Spam beinhalten. Das abgepackte Fleisch war derart ubiquitär, dass seine Wirkung noch Jahrzehnte später, nämlich in den Achtzigern, nachhallte: Da bürgerte es sich ein, lästige Trollkommentare und später Werbemails als Spam zu bezeichnen.

          Das ist alles bizarr genug, doch es vernachlässigt eine wesentliche Auswirkung der Bacon-Maske: Ihre Träger atmen ja nicht nur ein, sondern auch aus. Das Umfeld kommt also in den Genuss, mit Menschen zu reden, die bei jedem Ausatmen eine Wolke von künstlichem Speckaroma in die Luft blasen. Dagegen ist der berüchtigte Döner-Atem wahrscheinlich ein laues Sommerlüftchen. Andererseits zeigt sich hier womöglich das wahre Genie der ganzen Idee: Wer seine Mitmenschen kontinuierlich auf Corona-Abstand halten will, für den ist diese Maske sicher genau das Richtige.

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