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„Accidentally Wes Anderson“ : Sieht aus wie im Film

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Wie aus einer pastösen Parallelwelt: Rolltreppen in Nordkorea / Copyright: Dave Kulesza Bild: Dumont

Pastös, symmetrisch und irgendwie surreal: Eine Instagram-Community macht überall auf der Welt Bilder, die mit der Ästhetik des legendären Filmemachers Wes Anderson spielen. Wally Koval hat sie in einem Buch zusammengetragen.

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          „Man kann sich vielleicht denken, dass ich ein Fan von Wes Anderson bin“, sagt Wally Koval, Autor des Buchs „Accidentally Wes Anderson“. Darin hat Koval zusammen mit seiner Frau Amanda und Hund Dexter über 200 Orte zusammengetragen, die irgendwie nach Wes Anderson aussehen, wenn man sie richtig fotografiert. Kovals Buch ist vielleicht genau der richtige Reiseführer für Corona-Zeiten. Denn wie in den Filmen von Wes Anderson wirken auch die Orte im Buch leicht surreal.

          „Accidentally Wes Anderson“ ist das Produkt einer gleichnamigen Online-Community, die Koval 2017 gegründet hat. Sprich: Er hat ein Instagram-Profil aufgesetzt. Ausgangspunkt war eigentlich, schöne Ziele zu finden, die Koval und seine Frau Amanda bereisen können. Unter @accidentallywesanderson postet er jeden Tag einen Ort, der nach Wes Anderson aussieht: Pastellfarben, symmetrisches Foto, irgendwie „vintage“. Die Fotos hat Koval teilweise selbst geschossen, teilweise sind es Einsendungen von Fans aus der Community. Die Auswahlkriterien dafür, ob ein Foto auf die Instagram-Seite kommt oder nicht, seien streng, erklärt er: „Es kommt oft vor, dass uns Leute Fotos für den Account schicken, die wir dann ablehnen müssen. Es ist halt beispielsweise dann nur ein neues Café das rosa ist. Ein Unternehmen dachte sich, dass das eine gute Idee für ein Café ist, aber es gibt keine Geschichte und keinen Hintergrund, nichts was für uns interessant ist.“

          Die Perspektive macht‘s

          So finden sich im Buch dann auch vor allem viele historische Orte. Zum Beispiel ein Feuerwachturm in den Catskills (ein Gebirge im amerikanischen Bundestaat New York) aus dem Jahr 1887. Der Turm sieht schön aus, wie er sich auf dem Foto stahlblau vor den grünen Nadelbäumen in den Himmel reckt. Er hat auch eine witzige Geschichte, oder besser, sein Vorgänger: Der sei vom Blitz getroffen worden und niedergebrannt. Neben solchen Geheimtipps gibt es auch Fotos und Empfehlungen, die man als Instagram-Nutzer mindestens schon zwei oder drei Mal gesehen hat. Das Hotel Belvedere in der Schweiz zum Beispiel.

          Das Hotel liegt am Schweizer Furka-Pass, eingequetscht auf der Innenseite einer Haarnadelkurve vor malerischem Bergpanorama. Das Foto zeigt die Fassade des Hotels vom Scheitelpunkt der Kurve aus, sodass es wie ein außerordentlich schmaler Bau wirkt, irgendwie seltsam, wie aus einem verschrobenen Paralleluniversum, eben wie aus einem Wes-Anderson-Film. Wer das Hotel dann googelt, findet heraus, dass es eigentlich gar nicht so ‚andersonesk‘ wirkt, wenn man ein paar Schritte weiter um die Kurve geht. Dann sieht es nur noch aus, wie ein typischer Berggasthof. Die Perspektive macht’s.

          Dessen ist sich Wally Koval auch vollkommen bewusst. Die Orte und Fotos sind für ihn aber nur ein Aspekt des Buches. Er legt vor allem Wert auf die Geschichten hinter den schönen Bildern: „Wir haben nach Geschichten gesucht, die normalerweise nicht erzählt werden“, erzählt er. So gäbe es selbst zu bekannten Orten wie dem ungarischen Parlamentsgebäude noch spannendes zu erzählen. Und die Fotos reflektieren das. Statt der typischen Frontalansicht sind manchmal einfach kleine Details zu sehen. Zum ungarischen Parlamentsgebäude gibt es etwa lediglich eine alte Schalttafel zu sehen. Der Text dazu erklärt, dass über sie Jahrzehntelang die Klimaanlage für das Gebäude gesteuert wurde, lange bevor es Klimaanlagen, wie wir sie heute kennen, gab. „Wir versuchen, die Orte aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten“, sagt Koval.

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