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Geschichte der Kaffeekultur : Carrie würde heute Goldene Milch trinken

  • -Aktualisiert am

Stilprägend für die urbane Kaffeekultur: Sarah Jessica Parker in „Sex and the City“ Bild: ddp/interTOPICS/Capital Pictures

Seit der Coffee-to-go-Becher zum Lifestyle-Accessoire wurde, hat sich viel getan. Ein Streifzug durch zwanzig Jahre soziale Distinktion mit Heißgetränken.

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          Lange Zeit hielt ich all die Menschen, die bei Starbucks allein vor ihren Laptops sitzen, für prätentiös – bis ich verstanden habe, dass sie gerade mit jemandem zusammengezogen waren.“ Ein Zitat aus „Sex and the City“, der 2004 zu Ende gegangenen amerikanischen Kultserie, die wie kaum eine andere für das urbane Lifestyle-Ideal des neuen Jahrtausends stand. Konsumiert wurde da, neben Cosmopolitans und Siebenhundert-Dollar-Highheels, auch jede Menge Starbucks-Kaffee. Die aus Seattle stammende Kette stand für zweierlei: Sie nahm das heute überall zu beobachtende Phänomen der digitalen, unentwegt in ihre MacBooks (oder später iPhones) starrenden Nomaden vorweg. Und der im Gehen getrunkene Kaffee vermittelte den Eindruck von einer agilen, beneidenswert beschäftigten Person. Auf im Rückblick nur noch bedingt nachvollziehbare Weise wurde aus einem Wegwerfartikel, dem Coffee-to-go-Becher, ein Statussymbol. Und zwar am besten in der XXL-Version, dem für Mitteleuropäer immer leicht anstößig wirkenden, beinahe 600 Milliliter fassenden Gebinde.

          Zeit, sich rückblickend ein wenig mit dessen Inhalt zu beschäftigen. Heißgetränke gab es schon vor Tausenden von Jahren: grünen Tee in China, Chai in Indien, heiße Schokolade bei den Mayas. In Deutschland beließ man es neben Tee lange Zeit bei Filterkaffee – dessen Wurzeln übrigens in Äthiopien liegen –, gepanscht mit Kondensmilch. „Draußen nur Kännchen“ hieß es in Cafés. Neuen Schwung nahm das Kaffeegeschäft in den Siebzigern auf, als Folge der kollektiven Italiensehnsucht.

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