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Immer mit Aussicht

Text und Fotos von GÜNTER BANNAS

20. April 2020 · Ein antiquiertes Hobby? Nein, Schiffspostkarten zu sammeln ist in diesen Zeiten sehr beruhigend.

Swinging London Mitte der Siebziger, in den Katakomben des Portobello Road Market. Keine leichte Aktion, zwei Freunde dorthin zu lotsen, bloß weil ich ein Hobby hatte, das sie nur mit viel Nachsicht verstanden. Auf der Suche nämlich nach alten Postkarten mit Schiffsansichten. In einem der Keller schließlich fündig geworden. Und weil es ein besonderer Fund war, ein besonders tiefer Griff ins Portemonnaie. Die Titanic! Die Karte stammte nicht aus der Zeit, als der größte, modernste und schönste Dampfer jener Jahre noch nicht gesunken war, was ja auch kein Wunder war. So nahm ich in Kauf, dass auf der Ansichtsseite festgehalten wurde, der Dampfer sei im April 1912 untergegangen. Ungefähr 1920, versicherte der Händler, sei die Karte gedruckt worden. Ich glaubte ihm und zahlte. Teuer wie nie war das Schmuckstück der Sammlung – ein Pfund, damals mehr als fünf Mark, viel Geld für mich, den Studenten.

Titanic:
Umständehalber gibt es von der Titanic vergleichsweise wenige Ansichtskarten. Die Postkartenverlage behalfen sich mit einem Trick, gab es doch mit der Olympic ein fast baugleiches Schwesterschiff. Doch einen kleinen Unterschied gab es. Das Erste-Klasse-Promenadendeck der Olympic war offen. Das vordere Promenadendeck der etwas jüngeren Titanic aber war geschlossen. Zu sehen ist hier also die Olympic, auch wenn Titanic draufsteht. Manchmal wurde einfach ein anderer Name auf die Karte gedruckt. Bisweilen wurde auch retuschiert.


Jahre später, als der allerneueste Katastrophenfilm über den Untergang in den Kinos zu sehen war und ich auch noch ein Modell der Titanic baute, mich also intensiver mit ihr befasste, gab es eine neue Sicht der Dinge. Nicht die Titanic war in Wirklichkeit dort abgebildet, sondern ihr etwas älteres Schwesterschiff, die Olympic, die fast baugleich war. Der vordere Teil des Erste-Klasse-Promenaden-Decks war bei der Titanic geschlossen, bei der Olympic hingegen offen, worüber sich die Reichsten der Reichen wegen kalter Winde und des Qualms aus den Schornsteinen beschwert hatten. Hatte nun meine Titanic an Wert verloren? Hätte ich sie aus der Sammlung eliminieren müssen?

Nochmals Jahre später ein Besuch in den Katakomben der Händler. Wahrscheinlich war es nicht derselbe, doch der Mann wusste Bescheid. Natürlich sei auf den meisten Ansichtskarten der Titanic nicht sie, sondern eben die Olympic zu sehen. Man wisse schon, warum. Ja, natürlich, schließlich hatte es in jener Zeit sogar Theorien gegeben, nicht die Titanic sei gegen den Eisberg gefahren und gesunken, sondern die Reederei White Star Lines habe die Olympic sinken lassen, weil diese sich als überaus reparaturanfällig erwiesen hatte. Aus Gründen der Versicherung, wie spekuliert worden war.

Kaiser Friedrich:
Zu hoffen bleibt, dass das Schicksal des mutmaßlich jungen Manns, der in Amerika sein Glück versuchte, einen besseren Verlauf nahm als das Schiff, auf dem er sich als Heizer verdingte, um die Passage zu finanzieren. Die Kaiser Friedrich erreichte 1898 New York erst nach sieben Tagen, statt der vom Norddeutschen Lloyd verlangten sechs Tage. Statt 22,5 Knoten betrug die Geschwindigkeit 17,7 Knoten. 1899 gab die Reederei das Schiff an die Schichau-Werft in Danzig zurück. Sie wurde an die Hapag-Reederei verchartert, dann für mehr als zehn Jahre aufgelegt und danach an eine französische Reederei verkauft. Im Ersten Weltkrieg wurde sie als Hilfskreuzer eingesetzt und am 14. November 1916 versenkt. Die Schichau-Werft hatte übrigens in den Rechtsstreitigkeiten den Vorwurf erhoben, die Reederei habe ungeeignete Heizer eingesetzt, weswegen das Schiff die vereinbarten Geschwindigkeiten nicht erreicht habe.

Rheinpanorama:
Wie Köln einst noch so geschrieben wurde! Auf dem Bild: Köln und Köllen. Rückseitig auf dem Poststempel von 1915: Cöln. Vor knapp 200 Jahren begann die Dampfschifffahrt auf dem Rhein. Die Reedereien aus Köln und Düsseldorf sollen ihren Konkurrenzkampf sogar so ausgetragen haben, dass sie sich gegenseitig rammten – ehe sie sich 1853 zur Köln-Düsseldorfer zusammentaten. Hehre Namen bekamen die Schiffe, die den Lauf der Zeiten spiegeln: Concordia, Kronprinz von Preussen, Lohengrin, Vaterland, Kaiser Wilhelm, Borussia, Frieden, Goethe, Berlin, France, RheinEnergie. Aus aktuellem Anlass wurde der Saisonstart 2020 auf den 1. Mai verschoben. Erst einmal.


In jener Zeit bot auf Flohmärkten fast jeder Verkäufer in einer Kramkiste Ansichtskarten an – oft unsortiert (das waren die günstigsten, bis zu 50 Pfennig je Stück) oder ein wenig vorsortiert (mittlere Preislage, bis zu zwei Mark), mit Schwerpunkten je nach örtlichen Gegebenheiten: in Süddeutschland Alpenpanoramen, im Rheinland der Kölner Dom, in Paris Notre-Dame. Manchmal waren Zufallsfunde zu ergattern, Preisgestaltung wiederum nach Zufällen oder nach der Unwissenheit oder der Geschäftstüchtigkeit des Händlers. Karten mit Schiffsmotiven zu finden – das war ungefähr so, wie Steinpilze im Wald zu finden.

Ansichtskarten mit Zeppelinen waren die wertvollsten und deshalb die teuersten, was kein Wunder war. Alle stammten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, viele davon aus einer Zeit, in der es Hochglanzfotografie noch nicht gab. In der preislichen Rangfolge dichtauf folgten dann die Schiffspostkarten, wenn man von Kitschmotiven aus der Zeit der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert absah. Das Angebot aus den Kramkisten jedenfalls war üppig. Das Ansichtskartensammeln war nicht außergewöhnlich. Sogar Kettenbriefe machten sich manche zunutze: Schicke eine Ansichtskarte an die oberste Adresse, füge Deine als letzte an, dann wirst Du ... . Dem Schüler half es wenig. Statt der erhofften und zugesagten 100 bekam er eine einzige. Die stammte aus Reutlingen, zeigte ein Neubaugelände der sechziger Jahre – und verschwand in einer Kiste.

Cap Arcona und Wilhelm Gustloff:
In den dreißiger Jahren waren sie beliebt: Die Cap Arcona (links hinten), eingesetzt als Linienschiff zwischen Deutschland und Südamerika, und die Wilhelm Gustloff, ein nach einem in der Schweiz operierenden Mitglied der NSDAP benanntes Kreuzfahrtschiff der Nazi-Organisation „Kraft durch Freude“. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurden sie zu Todes-fallen. Am 30. Januar 1945 wurde die Wilhelm Gustloff von einem sowjetischen U-Boot in der Ostsee versenkt. Mehr als 9000 Menschen, Flüchtlinge aus Ostpreußen, ertranken. Im Mai 1945, in den letzten Tagen des Kriegs, lag die Cap Arcona in der Lübecker Bucht. Tausende KZ-Häftlinge wurden auf dem Schiff gefangengehalten. Wahrscheinlich in der Annahme, es handele sich um einen Truppentransporter, der Wehrmachtsangehörige und SS-Leute in das neutrale Norwegen bringen sollte, wurde das Schiff von der britischen Royal Air Force bombardiert. Tausende Menschen ertranken, verbrannten oder wurden von Wachleuten erschossen.

Lusitania:
Die Lusitania war das nahezu baugleiche Schwesterschiff der Mauretania, die in der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ein Vierteljahrhundert lang das schnellste Schiff der Welt war. Die Karte enthält einen Hinweis: 7. Mai 1915. An diesem Tag wurde die Lusitania durch ein Torpedo eines deutschen U-Boots versenkt. 1198 Personen kamen ums Leben, unter ihnen 128 Amerikaner. In der Folge traten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein.


Nützlich waren Bittstellerbriefe an Reedereien und auch an Energieunternehmen, die eine Tankerflotte unterhielten – mit der Bitte um Zusendung von ... . Einen nachhaltigen Lerneffekt für den Schüler hatte das auch: Die Anschrift gehört nicht nur auf den Briefumschlag, sondern auch ins Anschreiben. Nur wegen der Bereitschaft einer Pressestelle bekam ich (beim Sportunterricht) einen ziemlich dicken Brief einer ziemlich bekannten Aktiengesellschaft mit ziemlich vielen Ansichtskarten der neuesten Tankschiffe. Die waren damals architektonische Schönheiten – elegante Aufbauten mittschiffs und hinten. Sie trugen auch schöne Namen, damals. Tina Onassis etwa oder Olympic Mountain, die es wiederum auch als Kartonmodell zum Basteln gab. Ansichtskartensammeln und Modellbau waren zwei Seiten einer Medaille.

Kriegsschiff
Wiewohl ich mir vorgenommen hatte, den Eifer nicht auf Kriegsschiffe auszuweiten, geriet die japanische Karte in die Sammlung. René Wagner, Kollege in der Nachrichtenredaktion der F.A.Z. in Frankfurt, hatte sie gefunden – in Japan, wohin er 1981 als Korrespondent entsandt worden war. Mutsu hieß das Schlachtschiff, Baujahr 1921 und eines der größten der japanischen Kriegsflotte, angeblich mit Spenden von Schulkindern finanziert. Die Karte stammt nicht aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Der Stempel sagt aus, dass sie an einem 13. September verschickt wurde, im elften Jahr der Amtszeit des damaligen Kaisers Hirohito. Das war 1936. Es war die Karte eines Seesoldaten an seine Tochter. „Ich bin an Bord dieses großartigen Schiffs“, schrieb er. Und: „Pass gut auf Dich auf.“ Ohne Fremdeinwirkung sank die Mutsu 1943 – nach einer Explosion im Schiffsinneren. Ungeklärt blieb die Frage: Unfall oder Sabotage?

United States:
United States: Als die United States Anfang der fünfziger Jahre geplant und gebaut wurde, hatte die Passagierschifffahrt den Wettbewerb gegen das Flugzeug noch nicht verloren. Geschwindigkeit war noch ein Wert an sich. Mit 71 Kilometern pro Stunde konnte der amerikanische Liner den Nordatlantik durchqueren. Wegen des Kalten Kriegs sollte er schnell zu einem Truppentransporter umgebaut werden können. Das Unterwasserschiff wurde daher zum Militärgeheimnis erklärt. Und tatsächlich: in einschlägigen Bildbänden gibt es keine Fotos, die die Schiffsschraube oder das Ruder der United States abbilden.


Dem jugendlichen Sammler ging es – einstweilen – weniger um die Objekte selbst als vielmehr um deren Abbildung. Attraktiver als der Schulausflug mit dem Rheindampfer nach Königswinter waren für ihn die Ansichtskarten der Schaufelraddampfer, ob nun vor dem Dom zu Köln oder vor der Loreley. Den Grundstock hatte eine Freundin der Eltern gelegt: sechs Passagierschiffe. Die Stockholm, die United States und die Bremen waren dabei. Es sollte zur Obsession werden. Klarsichthüllen wurden gekauft. Ein Register wurde angelegt. Doppelte wurden getauscht. Das Suchen nach Geschäften und Kartenständern bestimmte die Dauer und die Routen von Spaziergängen. Verwandte, Freunde, Bekannte und auch Kollegen wurden eingespannt. Karten aus Amerika, Frankreich, Italien, Griechenland, sogar aus Japan. Vom Bodensee und von den Alpenseen in der Schweiz und Österreich, wo man zu Zeiten der Doppelmonarchie noch eine Hochseeflotte hatte. Ich durchstöberte Hinterlassenschaften aus uralten Zeiten und stieß ins 19. Jahrhundert vor.

Die Wende in Deutschland und Europa eröffnete dem Erwachsenen neue Felder –auch in der DDR hatte es Sammlergenossen gegeben. Kleinere Frachtreedereien hatten einst, vor dem Aufkommen der Containerschiffe, ihre Flotte auf Ansichtskarten zusammengestellt. Ostfriesische Fährschiffe, Schwergutfrachter, Autotransporter, Spezialschiffe wie Feuerlöschboote oder solche mit besonderer Vergangenheit: die Cap Anamur etwa, die einst vietnamesische Flüchtlinge im Südchinesischen Meer rettete. Über Ebay kamen Einzelstücke und Konvolute hinzu. Schließlich auch die Kreuzfahrtschiffe der Gegenwart, versehen mit Allerweltsnamen, gesichtslos, gewaltig groß und mittlerweile umstritten. Alles war und ist gefragt, sofern es der sogenannten christlichen Seefahrt zuzuordnen ist.

Völkerfreundschaft:
Auch die DDR wollte ein Wirtschaftswunderschiff. Es hieß Völkerfreundschaft und wurde als Kreuzfahrtschiff des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) zwischen 1960 und 1985 eingesetzt. Da hatte das Schiff schon eine lange Geschichte hinter sich. Kurz nach dem Krieg hieß es Stockholm – ein ziemlich schicker Neubau einer schwedischen Reederei. Weltberühmt wurde die Stockholm 1956. Auf offener See rammte sie die italienische Andrea Doria. Unter der Beobachtung von Dutzenden herbeigeflogenen Kameras sank das italienische Schiff nach elf Stunden. Die zerbeulte Stockholm fuhr ins nahe New York. Auf der Stockholm kamen bei dem Zusammenstoß fünf Personen ums Leben, auf der Andrea Doria 46. Mehr als 1600 wurden gerettet.

Bremen:
Viele Passagier- und Auswandererschiffe trugen diesen Namen. Stets war die Bremen etwas Besonderes – besonders groß, besonders schnell, besonders schick. So auch die Bremen, die vorher Pasteur hieß und unter französischer Flagge schon Besonderes geleistet hatte. Frankreichs Goldschatz wurde 1940 von der Pasteur vor den Nazis nach Kanada in Sicherheit gebracht. 1957 wurde das Schiff von der Reederei Norddeutscher Lloyd gekauft und umgebaut. Als Bremen wurde sie zu einem der Symbole des bundesdeutschen Wirtschaftswunders.


Herausragend aber waren und sind für mich die Motive der Riesendampfer geblieben, wie sie früher hießen. Viele von ihnen schrieben Geschichte, als größte mobile Werke der Menschheit. Nicht die Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer oder Hilfskreuzer interessierten mich (das waren meist kleinere Frachter mit einem Geschütz am Bug und am Heck, die im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden), sondern vor allem die Passagier- und Auswandererschiffe aus der alten Zeit, ehe sie von den fünfziger Jahren an als Transportmittel vom Flugzeug abgelöst wurden. Wunderwerke der Technik mit großen Namen: Queen Mary und Normandie, Titanic und oft Bremen.

Immer luxuriöser wurden sie, immer schneller überquerten sie den Nordatlantik. Das schnellste Schiff auf dieser Route durfte den Ehrentitel Blaues Band tragen, der als Werbemittel erfunden worden war – wahrscheinlich von der britischen Presse. Ein einziges Mal nur flatterte es an einem Schiff, mehr als 30 Meter lang. Es war die Normandie aus Frankreich, als sie 1935 in New York einfuhr.

Auch im Wettstreit der Nationen spielten die Nordatlantik-Liner eine Rolle, vor allem bei den britischen und deutschen Reedereien vor dem Ersten Weltkrieg.

Kein Wunder also, dass ihre Abbildungen im Wert stiegen, auch wenn die entsprechenden Ansichtskarten keine Seltenheit waren. So attraktiv waren sie zu ihrer Zeit, dass auch zu Werbezwecken zumal in den Hafenstädten für ein großes Angebot gesorgt war, nicht nur von den Größten, Schnellsten und Schönsten, sondern auch von den kleineren Passagierschiffen, die nach Fahrplan verkehrten. Sie stammten aus der Zeit, in der das Versenden von Ansichtskarten jeweils fast einen Tag des Urlaubs in Anspruch nahm. Die Ansichtskarte war wie ein Kulturgut. Dem daheim gebliebenen Empfänger bot sie den Blick in die große weite Welt.

Normandie:
„Schönstes Schiff aller Zeiten“, „größtes Schiff“, „schnellstes Schiff seiner Zeit“, „edelste Inneneinrichtung“: Die Normandie wurde 1935 in Dienst gestellt. Erstmals ein Schiff, das länger als 300 Meter war. Im Inneren mit einer freien Blickachse von 170 Metern. Weniger als vier Tage benötigte sie zwischen Europa und Nordamerika. Die letzte Reise: August 1939 nach New York. Erst wollte die französische Reederei sie wegen des Kriegs in Europa dort lassen; dann gaben die Vereinigten Staaten das Schiff nicht an das Vichy-Regime ab; schließlich sollte sie zum Truppentransporter umgebaut werden; nun hieß sie Lafayette. Bei Schweißarbeiten brach ein Feuer aus. Weniger der Brand als die Löscharbeiten führten zur Katastrophe. Als es vollgelaufen war, kippte das Schiff. Es war der 9. Februar 1942.

Imperator:
Schiffsnamen sind weiblich – egal ob Segel-, Tank-, Kriegs- oder Passagierschiff. Also: die Santa Maria, die Bismarck, die Titanic, die Esso Deutschland, die Bremen, die Astor. Mindestens eine Ausnahme aber gibt es: den Imperator, 1913 gebaut für die Hamburg-Amerika-Linie Hapag. Als größtes Schiff der Welt. Drei Riesendampfer der Imperator-Klasse gab es. Größtmöglicher Luxus, in marktwirtschaftlich-nationalistischer Konkurrenz zur Titanic und ihren beiden Schwesterschiffen. Kaiser Wilhelm II. persönlich soll bei Albert Ballin, dem Generaldirektor der Hapag, gebeten haben, das Schiff mit einem männlichen Artikel zu versehen. Nach dem Ersten Weltkrieg war Schluss damit. Aus dem Imperator wurde reparationsbedingt die Berengaria, die unter britischer Flagge fuhr.

Queen Mary 2:
Schon die erste Queen Mary der dreißiger Jahre war etwas Besonderes – populär und groß und schnell. Auf Geschwindigkeit kam es nicht mehr an, als die Cunard Line ein zweites Schiff dieses Namens in Auftrag gab und vor 16 Jahren in Dienst stellte – nicht selten sogar auf der klassischen Route Southampton-New York. Und wenn sie, was ebenfalls nicht selten ist, in der Elbe auftaucht, ist quasi ganz Hamburg auf den Beinen.


Und nun? Ende einer Ära zum Ende des analogen Zeitalters? Das digitale Zeitalter der Handy-Fotos und der Selfies fordert seinen Preis. Auf den Flohmärkten handeln nur noch Spezialisten mit Ansichtskarten. An den Häfen und Schiffsanlegern – ob am Tor zur Welt in Hamburg, in Köln am Rhein oder in Norddeich/ Mole – ist die Auswahl überschaubar. An den St.-Pauli-Landungsbrücken ist nur noch die Queen Mary 2 im Angebot der Neuigkeiten geblieben. Oder Reprints. Aber die zählen nicht.

Quelle: F.A.Z. Magazin

Veröffentlicht: 20.04.2020 08:10 Uhr