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Rosie Huntington-Whiteley : „Das, was ich mache, kann jederzeit vorbei sein“

Rosie Huntington-Whiteley, wuchs in Großbritannien auf und lebt heute in Los Angeles. Bild: dpa

Model und Schauspielerin Rosie Huntington-Whiteley sieht seit der Corona-Krise ihren Job mit anderen Augen. Im Interview spricht sie über Perfektion in den sozialen Medien und die Balance zwischen Arbeit und Familie.

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          Frau Huntington-Whiteley, eine bekannte Schminkregel geht so: Betone entweder deine Augen oder deine Lippen. Als Model sind Ihre Lippen Ihr Markenzeichen. Außerdem sprechen Sie heute als Botschafterin der amerikanischen Schönheitsmarke Hourglass. Sie müssen es also wissen: Stimmt diese Regel?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich mache mir nicht so viel aus Beautyregeln. Sofern es nicht gerade um Hautpflege geht. Ansonsten ist das etwas ganz Persönliches. Es gab genug Momente, in denen ein markantes Augen-Make-up und ein markanter Lippenstift bei mir sehr gut funktioniert haben. Aber es stimmt schon: Wenn ich mich selbst um mein Make-up kümmere, dann betone ich eher die Augen. Meine Lippen sprechen schon so für sich. Für sie verwende ich das At Night Lip Oil von Hourglass. Das passt zu meinem Make-up. Außerdem trage ich immer Mascara. Das ist ein guter Ersatz für Wimpernverlängerungen.

          Die Schönheitssalons in den Vereinigten Staaten sind wegen Corona noch geschlossen. Was fehlt Ihnen gerade?

          Bei Gesichtsbehandlungen bin ich sehr genau. Ich habe empfindliche Haut, daher brauche ich regelmäßige Behandlungen. Seit ich 18 Jahre alt bin, hatte ich ein- bis zweimal im Monat einen Termin, jetzt sind vier Monate vergangen, in denen ich nicht mehr in Behandlung war. Wenn das wieder sicher möglich ist, freue ich mich darauf. Einen Termin habe ich natürlich schon.

          Gibt es etwas, was diese Zeit Sie im Hinblick auf Ihren Umgang mit sich selbst gelehrt hat?

          Ich habe vorher sehr viel gearbeitet. Routinen gab es kaum, und ich konnte nicht gut nein sagen. Ich war immer diejenige, die gesagt hat: Klar, ich freue mich, ich bin dabei. Das hat sicher auch damit zu tun, dass mir bewusst ist, dass das, was ich mache, jederzeit vorbei sein kann. So denke ich häufig: dass ich noch härter arbeiten müsste, um alles am Laufen zu halten.

          Rosie Huntington-Whiteley ist mit dem Schauspieler Jason Statham liiert. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn.
          Rosie Huntington-Whiteley ist mit dem Schauspieler Jason Statham liiert. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn. : Bild: Reuters

          Mit Corona gab es weniger am Laufen zu halten?

          So habe ich eine Balance gefunden und gemerkt, dass es eigentlich ganz in Ordnung ist, nicht so viel zu arbeiten und die Prioritäten anders zu setzen, vor allem auf mein Familienleben. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Dabei ist mir bewusst geworden, wie sehr ich meine Arbeit liebe, aber auch, was für ein Glück es ist, Mutter zu sein und meinen Sohn aufwachsen zu sehen. Das nehme ich mir jetzt vor: In meinem Terminkalender muss zunächst meine Familie stehen, die Arbeit sollte ich drumherum unterbringen.

          Während des Lockdowns kommunizierten Sie weiter sehr aktiv auf Instagram mit Ihren knapp zwölf Millionen Followern. Inwiefern prägt die Plattform Ihren Eindruck von Schönheit?

          Der Perfektionsgrad in den sozialen Medien ist enorm. Ich ertappe mich selbst beim ständigen Vergleichen mit anderen. Das ist sicher einer der negativen Effekte. Ich sehe auch die Gefahren, besonders für junge Menschen. Bevor ich etwas poste, überlege ich mir deswegen schon genau, was ich damit sagen will, und versuche, mich einfach in andere hineinzuversetzen. Dabei habe ich übrigens herausgefunden, dass es mir bei Schönheit nie um Perfektion ging. Natürlich versuchen wir alle das Beste aus uns zu machen, schöne Haut zu haben, Produkte zu verwenden, denen wir vertrauen, aber das Streben nach Überperfektion hat mich nie interessiert. Vielleicht liegt es daran, dass ich Britin bin. Wir sehen das einfach kreativer und kommunizieren das auch so.

          Selbstironischer?

          Ja, das sieht man auch an der Art und Weise, wie wir uns schminken. Nach solchen Vorbildern suche ich selbst. Ich hatte noch nie weniger Lust auf diese andere leere Hülle, die viele Prominente und Influencer auch jetzt nicht ablegen. Man sieht sie im Urlaub, und sie stellen noch immer ihren Reichtum zur Schau. Das möchte ich mir gerade nicht anschauen.

          Sie sind 33 Jahre alt und für Ihre Lippen bekannt. Wie sind Sie damit als Jugendliche umgegangen?

          Ich wurde zwar nicht gemobbt, aber Sticheleien gab es schon. Mein Selbstbewusstsein hat es nie beeinträchtigt. Mit 16 habe ich angefangen zu modeln und dann schnell gesehen, dass meine Lippen etwas Besonderes sind. Zu danken habe ich dafür übrigens meinem Papa.

          Ich sehe Sie über Zoom, und im Video ist die ganze Zeit Ihr Herz-Tattoo auf dem Handgelenk zu erkennen. Was hat es damit auf sich?

          Oh, das ist keine besonders glamouröse Geschichte. Mit 18 bin ich nach New York gezogen und war ganz schön wild. Ich war auf dem Land aufgewachsen und hatte eine sehr behütete Kindheit. New York war für mich dann, wow, ein Spielplatz. In der Zeit war ich echt sorglos, das war auch, bevor es soziale Medien gab. Eines Tages lief ich mit meinen Freunden an der 14. Straße entlang, und wir so: Wollen wir uns Tattoos stechen lassen? In einem Deli saß ganz hinten ein Tattoo-Künstler. Wenn meine Mutter über mich spricht, dann verwendet sie häufig ein Sprichwort: „I wear my heart on my sleeve“.

          Im Deutschen hat man das Herz nicht auf dem Ärmel, sondern am rechten Fleck.

          So kam das Tattoo zustande. Aber schauen Sie mal, es ist ganz furchtbar gestochen. Überhaupt nicht präzise, total verwischt. Aber das ist nicht so schlimm. Es erinnert mich an diese Zeit, und es gehört zu mir.

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