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Julianna Margulies : Eine Schauspielerin, die man sich einfach merkt

Paraderolle: Margulies 2016, kurz vor dem Ende ihrer Serie „The Good Wife“, die auch in Deutschland zu sehen ist. Bild: Jesse Dittmar/Redux/Laif

Sieben Jahre spielte sie in „Emergency Room“, weitere sieben Jahre in „The Good Wife“: Eine kleine Ode an die amerikanische Schauspielerin Julianna Marguelies.

          4 Min.

          Die Enzyklopädie „Internet Movie Database“, die praktisch alles weiß, was es über Film und Fernsehen zu wissen gibt, verzeichnet bei Schauspielerinnen und Schauspielern stets auch deren Markenzeichen – etwas, was sie unverwechselbar macht und oft auch erheblich ihren Erfolg begründet. Im Falle von Julianna Margulies sind das angeblich „ihre rabenschwarzen Locken“. Das ist zwar korrekt, aber viel zu kurzgefasst – und gilt zudem vor allem für die Zeit, als Margulies noch George Clooney liebte.

          Bertram Eisenhauer
          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Obwohl, streng genommen liebte sie ihn natürlich rein beruflich – weil sie in der Fernsehserie „Emergency Room: Die Notaufnahme“ lange Jahre eine Krankenschwester verkörperte, die der love interest eines von Clooney ebenda gespielten Arztes war. Clooney war damals auch noch nicht DER George Clooney, dieser in Hollywood geformte Inbegriff männlicher Lässigkeit. Doch die Beziehung von „Carol“ und „Doug“, die von den Drehbuch­autoren handwerklich vorbildlich mit allerlei retardierenden Kommen-sie-nun-zusammen-oder-nicht?-Momenten immer weiter gestreckt wurde, war einer der zentralen Gründe für den immensen Erfolg der Serie in den Vereinigten Staaten (der sich hierzulande nie einstellen wollte) und für die intensive Anteilnahme des Publikums am Schicksal des fiktionalen Paares. Der Programmführer TV Guide nahm es ganz zu Recht in seine Liste der „Besten Fernseh-Paare aller Zeiten“ auf.

          In jedem einzelnen ihrer insgesamt sieben Jahre in der Serie war Margulies für den Fernsehpreis Emmy als beste Darstellerin in einem Drama nominiert, 1995 gewann sie ihn. Als Clooney die Serie 1999 verließ, um in einer Reihe von Kinofilmen eben DER Clooney zu werden, wussten die Autoren offenbar nicht mehr so recht, was sie mit Margulies anfangen sollten; zu „der Frau, die mit jedem mal ausgeht“, sei Carol geworden, erinnerte sich die Schauspielerin einmal.

          Doch seit damals ist die 1966 in der Nähe von New York City Geborene, die man in Deutschland weniger kennt, in ihrer amerikanischen Heimat ein Star, wenn auch einer unter vielen. Dass sie sich, anders als etwa Clooney, vornehmlich im Fernsehen aufhält, wäre vor Jahren noch als second best betrachtet worden. Als zweite Wahl im Vergleich zum prestigeträchtigeren Film. Aber so denkt heute, im Zeitalter des epischen TV und der Stream­ingdienste, kaum einer mehr. Margulies gehört in eine besondere Kategorie von Schauspielern: Hat man sie einmal bemerkt, merkt man sie sich.

          Carol, die Krankenschwester, war zwar eine beliebte Figur gewesen – ursprünglich sollte sie in der Pilotfolge sterben, kam beim Testpublikum aber zu gut an, sodass sie weiterleben durfte –, lange Zeit jedoch von Traurigkeit umweht. In mehreren ihrer späteren Arbeiten indessen wurde Margulies, die in jungen Jahren die Scheidung der Eltern überstehen musste, zu einer Art Spezialistin für Frauengestalten, die sich von niemandem herumschubsen lassen und ihren eigenen Weg gehen, dafür aber einen Preis bezahlen.

          27 Millionen Dollar für zwei weitere Staffeln „Emergency Room“

          Nirgends zeigt sie das so eindrucksvoll wie in der Serie „The Good Wife“, deren Hauptdarstellerin sie zwischen 2009 und 2016 in 156 Folgen war und für die sie weitere zweimal einen Emmy gewann. Ihre „Alicia Florrick“ ist die sprichwörtliche „Frau an seiner Seite“, deren Politiker-Gatte von einem Sex- und Korruptionsskandal übermannt wird; nach vielen Jahren als Mutter arbeitet sie wieder als Anwältin – und muss nun mit Kollegen konkurrieren, die frisch von der Uni kommen. Margulies spielt diese Alicia zwischen Selbstbehauptung und schleichender Korrumpierung ihrer Integrität mit großer Präsenz; ihre leicht angeraute Stimme kann im Gerichtssaal wirkungsvoll schneidend werden, um in emotionalen Augenblicken dann ebenso wirkungsvoll zu brechen.

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