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Thomas Brodie-Sangster : „So sehe ich nun einmal aus“

Exzentrisch: Brodie-Sangster als Malcolm McLaren in „Pistol“ Bild: Picture Alliance

Als verliebter kleiner Junge wurde er in „Tatsächlich... Liebe“ berühmt. Ein Gespräch mit Thomas Brodie-Sangster über das Problem, jünger zu wirken, als man ist und seine Auftritte als Paul McCartney, Malcolm McLaren und Adolf Hitler.

          6 Min.

          Der Film „Love Actually“ aus dem Jahr 2003, bei uns bekannt als „Tatsächlich . . . Liebe“, ist für viele Menschen weihnachtliches Pflichtprogramm. Aus dem vom Gefühlsgroßmeister Richard Curtis dirigierten Reigen vorwiegend britischer Schauspielstars mag sich jedem Zuschauer ein anderer besonders eingeprägt haben: Hugh Grant etwa als linkischer Premier, dem sein Amt verblüffend viel Zeit für Privates lässt, Emma Thompson als am Heiligen Abend gedemütigte Ehefrau, Colin Firth als Portugiesisch radebrechender Romantiker. Und ach, Heike Makatsch spielt ja auch noch mit. Und Mr. Bean. Und natürlich dieser kleine Junge.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An den kleinen Jungen erinnert sich eigentlich jeder. An seine großen Augen und den großen Ernst, mit dem dieser Sam seinem Stiefvater (Liam Neeson) von seiner unerhörten Liebe zur Austauschschülerin Joanna aus Amerika er­zählt; an den Eifer, mit dem er das Schlagzeugspiel übt, um der Angebeteten beim Weihnachtskonzert auf der Bühne nahe sein zu können.

          Kinderstar: Brodie-Sangster 2003 mit Liam Neeson in „Tatsächlich . . . Liebe“
          Kinderstar: Brodie-Sangster 2003 mit Liam Neeson in „Tatsächlich . . . Liebe“ : Bild: Mauritius

          Den Namen des Schauspielers, der Sam damals sein Gesicht lieh, dürften weniger Leute kennen. Der Mann heißt Thomas Brodie-Sangster, und ja: Natürlich ist er heute, 19 Jahre später, ein Mann. Als Schauspieler ist er längst ein Routinier und gut im Geschäft, in einer neuen Serie über die ikonische Punkband Sex Pistols (Regie bei „Pistol“ führt Danny Boyle) spielt er den nicht minder ikonischen Schöpfer und Manager der Band, Malcolm McLaren. Anlass für ein Videotelefonat mit Thomas Brodie-Sangster. Die falschen McLaren-Locken sind verschwunden, den kleinen Sam aus „Tatsächlich . . . Liebe“ hingegen kann man auch in Brodie-Sangsters heute 32 Jahre altem Gesicht noch entdecken.

          Mister Brodie-Sangster, wie fühlt man sich am Set unter so vielen jungen Leuten? Die Darsteller der Sex Pistols sind alle in ihren Zwanzigern.

          Es war ziemlich merkwürdig für mich, da ich sonst immer der Junge war. Als ich herausfand, dass Louis Partridge, der Sid Vicious spielt (den berüchtigten Bassisten der Sex Pistols, Anm. d. Red.), noch nicht einmal geboren war, als ich mit dem Schauspiel anfing, war das eine seltsame Erkenntnis. Es ist aber schön, so viel junges britisches Talent erwachen zu sehen.

          Malcolm McLaren zu spielen muss ein großes Vergnügen gewesen sein. Er ist im Grunde der Schurke der Geschichte, zugleich aber so charmant und exzentrisch, dass man ihm kaum böse sein kann.

          Ich wollte gar nicht, dass er zu sehr als Schurke rüberkommt. Er ist sicher ein kontrollierender Typ, ein Mastermind. Abgesehen vielleicht von John Lydon . . .

          . . . als „Johnny Rotten“ der Sänger der Band . . .

          . . . ist er der Einzige in dieser Gruppe von Jungs, der einen Plan vor sich sieht. Und alles, was dieser Vision in den Weg gerät, wird beiseitegefegt. Das hat ihm ein wenig den Ruf eines Halsabschneiders beschert. Doch ich denke, das wurzelt in einer künstlerischen Haltung, nicht in Bosheit. McLaren ist kein schlechtes Individuum. Wer ihn getroffen hat, fand ihn toll, urkomisch, er hat alle zum Lachen gebracht – aber am Ende des Abends legt er dir die Rechnung vor, und du denkst: Mistkerl.

          Bedauern Sie es, die Zeit der Pistols nicht selbst erlebt zu haben, oder ist das in Ordnung? Einige sind ja in den 1970ern auf der Strecke geblieben.

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