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Zufallsfund in der Küche : Qing-Vase für 1,42 Millionen Euro versteigert

Kobaltblau mit Gold und Silber: Eine außergewöhnliche Kombination für eine Qing-Vase dieser Zeit. Bild: Dreweatts

Jahrelang stand eine Vase unbeachtet in einer Küche herum – bis sich herausstellte, dass sie einst dem chinesischen Kaiser gehörte. Nun wurde sie für eine exorbitante Summe versteigert, denn unter den Qing-Vasen ist sie eine besondere.

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          Als Mark Newstead die Vase das erste Mal sah, stand sie in einer Küche. Zusammen mit seiner Frau war Newstead bei einem Freund eingeladen, irgendwann in den späten Neunzigerjahren, wie er in einem Video über den Fund erzählt.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Vase gehörte dem Vater seines Freundes, einem Chirurgen, der sie vor 1993 für ein paar Hundert Pfund gekauft hatte, weil sie ihm gefiel. Er habe seinem Freund schon damals gesagt, dass das etwas richtig Gutes sein könnte, sagt Newstead.

          „Fledermaus-und-Kranich-Vase“ ist außergewöhnlich

          Als der Experte für asiatische Keramikkunst bei dem Auktionshaus ­Dreweatts in Newbury im Westen der englischen Grafschaft Berkshire ein paar Jahre später noch einmal das Elternhaus seines Freundes besuchte, stand die etwa 60 Zentimeter hohe Vase schon nicht mehr in der Küche, sondern inzwischen auf der Anrichte im Esszimmer der Familie.

          Kaiserliche Keramik: Die Vase wurde wohl für Qianlong
          Kaiserliche Keramik: Die Vase wurde wohl für Qianlong : Bild: Dreweatts

          Am Mittwochabend wurde das bauchige Gefäß bei Dreweatts versteigert. Für 1,2 Millionen Pfund (1,42 Millionen Euro) an einen anonymen Käufer am Telefon. Geschätzt war die Vase auf 100.000 bis 150.000 Pfund. Sie ist also mehr als nur etwas richtig Gutes, sie ist etwas Besonderes, wie Newstead inzwischen weiß. „Sie stand sicher mal in der Verbotenen Stadt in einem der kaiserlichen Qing-Paläste.“ Die Vase wurde wohl eigens für den damaligen Kaiser angefertigt, für Qianlong, den vierten chinesischen Kaiser der Qing-Dynastie, die von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Revolution 1911 in der Nachfolge der Ming-Dynastie herrschte.

          Zuständig für kaiserliche Keramiken in der Porzellan-Stadt Jingdezhen war damals T’ang Ying (1682 bis 1756). Er dürfte auch für die besondere Farbgebung verantwortlich sein: Kobaltblau war zwar schon bekannt, auch in Verbindung mit Gold, die Kombination aber mit Silber geht auf T’ang Ying zurück. Genau das macht die „Fledermaus-und-Kranich-Vase“ so besonders.

          Für die technisch aufwendige Glasur und Emaillierung musste sie mindestens dreimal gebrannt werden: zunächst bei 1200 Grad für das Kobaltblau, dann bei etwas niedrigerer Temperatur für das türkis-grüne Innere der Vase, schließlich für die goldene und silberne Emaille – und das in einem eigens dafür angefertigten Ofen.

          Kaiser Qianlong war nicht nur Buddhist, sondern auch Daoist. Darauf beziehen sich die Symbole auf der Vase, die leider einen Sprung an ihrem Hals hat. Das Dekor zeigt silberne Kraniche, die eines der acht Sinnbilder ewigen Lebens tragen, darunter Blumenkorb, Flöte und Fächer. Auch die ­Wolken und Fledermäuse stehen für Langlebigkeit und Wohlstand. Die Kugelform symbolisiert den Himmel.

          Eigentlich, sagt Newstead, müsste es zwei gleiche Vasen gegeben haben, die als Paar zusammen standen. Doch von einer zweiten Vase sei nichts bekannt. Womöglich steht das Pendant noch irgendwo in einer Küche in den englischen Midlands herum.

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