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Punks auf Sylt : „Bis jetzt läuft das Sommergeschäft beschissen“

Ist inzwischen laut dem Besitzer des Restaurants „Cropine“ wieder verschwunden: der Zaun rund um den Wilhelmine-Brunnen Bild: Reuters

Am Restaurant von Mickey Schreiber hatten sich auf Sylt die Punker niedergelassen. Im Interview erklärt er, was das für sein Geschäft bedeutet, wie viele Punks noch da sind und warum er von der Gemeinde enttäuscht ist.

          3 Min.

          Herr Schreiber, Sie haben ein Restaurant im Zentrum von Sylt, wo es zuletzt auch viele Punks hinzog. Wie läuft Ihr Sommergeschäft bisher?

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Bis jetzt beschissen. Wir hatten im Juni wegen der Punks drei Wochen mit ganz heftigen Wochenenden. Pfingsten war richtig krass. Die anderen zwei Wochenenden danach auch. Das ist jetzt weniger geworden. Seit drei Tagen ist es zum Glück relativ ruhig.

          Vor Ihrem Restaurant „Cropino“ war der große Treffpunkt der Punks. Sie sagen, aktuell sei es ruhig. Welches Bild tut sich Ihnen auf, wenn Sie jetzt hinausblicken?

          Ich schaue hier gerade schräg raus. Es laufen einige normale Leute vorbei. Vorhin waren es fünf Punks, jetzt sehe ich gerade nur noch drei. Sie sitzen hier mit einem Einkaufswagen und trinken Bier.

          Wie viele waren in den vergangenen Tagen und Wochen vor Ort?

          An Pfingsten waren es bis zu 150 auf dem Platz. Das war wirklich absoluter Ausnahmezustand. Es ging nichts mehr. Der Platz war total belagert, es war kein Durchkommen mehr für normale Leute. Deshalb hatten wir auch nichts mehr zu tun im Restaurant. Unter der Woche sind dann immer nur die Hartnäckigen geblieben. Das hielt sich in der letzten Woche in Grenzen. Da waren es 20 oder 30. Die haben sich jetzt alle relativ verteilt. Vereinzelt sind sie noch in der Stadt zu sehen. Ich weiß nicht genau, wo alle hin sind.

          Wie haben sich die Punker verhalten?

          Es war in den ersten zwei Wochen wirklich extrem. Als diese Massen hier waren, gab es auch ein paar, die aggressiv waren. Es gab Schlägereien draußen vor der Tür. Es wurde gepöbelt und laut Punkrock-Musik gehört. Bei uns konnte man gar nicht mehr draußen sitzen und gemütlich essen. Das war durch die Lautstärke und das Geschreie nicht mehr möglich.

          Der Bürgermeister sagte zuletzt, es sei eine „ganz unaufregende Situation“, da werde „medial was aufgeputscht, was real gar nicht da ist“…

          Der Bürgermeister ist ja auch nicht vor Ort. Der war einmal hier, als der Zaun am Wilhelmine-Brunnen aufgestellt wurde. Ich habe mich auch gefragt, warum er sich nicht an einem Freitag- oder Samstagabend mal hier hinsetzt. Die heftigen Wochenenden hat er ja nicht mitgekriegt. Wir haben das live miterlebt, als hier gegrillt und Feuer gemacht wurde. Wir haben die Polizei angerufen. Die ist aber gar nicht erst ausgestiegen. Hier gab es Schlägereien. Am helllichten Tag wurde auf den Platz gepinkelt. Das waren schon krasse Zustände. Es gab Kopfsprünge in den Brunnen, die waren auch mit aufgeblasenen Einhörnern drin. Das ist schon lustig, wenn man das so sieht. Man selbst hat da auch gar nichts dagegen. Ich würde mich auch mit denen da hinsetzen und eine Flasche Korn trinken. Aber es ist halt für uns extrem schädlich gewesen, weil es die Gäste abgeschreckt hat. Wir hätten an manchen Tagen gar nicht öffnen brauchen, weil überhaupt nichts los war.

          Die Betreiber des Restaurants „Cropino“ auf Sylt, vor dem sich viele Punks trafen: Mickey Schreiber (rechts) und sein Bruder Robin
          Die Betreiber des Restaurants „Cropino“ auf Sylt, vor dem sich viele Punks trafen: Mickey Schreiber (rechts) und sein Bruder Robin : Bild: Privat

          Wie sehr ist das Besucheraufkommen eingebrochen bei Ihnen in den vergangenen Wochen?

          Wir standen uns teilweise die Beine in den Bauch. Die ersten zwei Wochen im Juni hatten wir echt einen massiven Umsatzeinbruch von 80 Prozent. Das war richtig heftig.

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